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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

230 
Zweiter Teil. Handel. IX. Märkte und Messen. 
Wollstoffe, nach China ist gänzlich verfallen. Seit der Mitte des vorigen Jahr 
hunderts bis in die achtziger Jahre sank die russische Ausfuhr über Kiachta von 
22 Millionen auf kaum iy 2 Millionen Rubel. Der vornehmlichste Grund für diesen 
Rückgang liegt wahrscheinlich darin, daß Rußland auf den chinesischen Märkten be 
gann, der Konkurrenz europäischer Fabrikerzeugnisse zu begegnen. Während in 
Westeuropa die Preise der Gewerbeerzeugnisse allgemein und dauernd zurückwichen, 
verhinderte der Hochschutzzoll Rußland, dieser Entwicklung zu folgen. Bei der 
Sicherheit ihrer Gewinne entbehrte die russische Industrie jenes Ansporns, welcher 
in dem Kampf auf offenen Märkten liegt. 
An Stelle des Fernhandels spielt in Nischni der Innenhandel seit den siebziger 
Jahren die Hauptrolle. Der Moskauer Großhändler und Fabrikant verkauft hier an 
die Provinzialkaufleute, von denen die Versorgung der ländlichen Kleinhändler aus 
geht. Hier wie überall ging der Fortschritt des Handels hinunter in die Tiefe des 
Volksganzen, das er einst als internationaler Fernhandel nur oberflächlich berührte. 
Bezeichnenderweise erscheint diejenige Ware, welcher in letzter Linie der ganze 
Umschwung verdankt wird, und welche heute die wichtigste Rußlands ist, das Ge 
treide, nicht auf der Messe von Nischni. Der Getreidehandel sitzt vielmehr in den 
Hafenstädten des Schwarzen und Baltischen Meeres, woselbst sich die Preisbildung 
in engem Anschluß an die westeuropäischen Börsennotierungen vollzieht. Aber trotz 
dem ist diese Ware ausschlaggebend für den Gang der Messe. Denn die Ernte und 
die Getreidepreise sind in Rußland als einem vorwiegend agraren Lande entscheidend 
für die Nachfrage nach Jndustrieprodukten; von unmittelbarstem Einfluß sind sie ins 
besondere für die Baumwollindustrie, deren Vertreter sich irrigerweise für unabhängig 
von Europa halten. Je mehr Europa Getreide kauft, desto größer ist der Absatz 
von Kattunen zu Nischni. 
Was in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Tee war, werden in den 
sechziger Jahren die B au mw o llw ar en : die leitende Ware der Messe. 
Wie in Europa und Indien, so hat auch in Rußland die Baumwolle die Be 
deutung gehabt, die geldwirtschaftliche Bedürfnisbefriedigung in die Massen hinunter 
zutragen. Durch sie werden Wolle und Flachs aus der Eigenproduktion des Bauern 
hofes verdrängt. Auf der Grundlage des heimischen Massenverbrauchs entfaltete sich 
die Baumwollindustrie als die erste moderne Fabrikindustrie Rußlands. Während 
die Einfuhr von Textilprodukten aus Asien nahezu aufgehört hat, gehen russische 
Garne, Druckkattune, auch farbenprächtige Seiden- und Halbseidenwaren in 
wachsenden Beträgen nach den transkaspischen Besitzungen Rußlands. Die Spindel 
aus Metall hat die kunstgeübte Hand der asiatischen Spinnerin auch in ihrer eigenen 
Heimat geschlagen. 
Neben den Textilwaren spielen Eisenwaren heute die wichtigste Rolle auf der 
Messe, sodann eine stets wachsende Anzahl anderer russischer Jndustrieprodukte, z. B. 
Glas-, Porzellanwaren usw. Der europäische Schund, berechnet auf einen 
gänzlich ungebildeten Geschmack, ist nahezu verschwunden. Heute kauft man euro 
päische Luxuswaren in den glänzenden Magazinen des Petersburger Newski oder 
der Moskauer Schmiedebrücke, zwar zu hohen Preisen, aber in Qualitäten, die selbst 
den Kenner befriedigen. 
Eine Folge der verbesserten Verkehrsverhältnisse ist das breitere Auftreten von 
Naturprodukten auf der Messe, — Naphtha, Fische, russische Weine, Rohbaum 
wolle usw. Sie alle dienen dem inneren Verkehr. Dagegen ist der Ausfuhrhandel 
mit Rohprodukten nach Europa dem Meßverkehr entzogen. Die einzige Ausnahme 
bildet das Pelzwerk, dessen asiatisches Produktionsgebiet dem regulären europäischen 
Handel wenig zugänglich ist.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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