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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

2. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Fondsbörse. 
235 
und auch in Deutschland, allmählich zu einem ungeheuren Umfange angewachsen. 
Nach einer Schätzung sind in Deutschland nicht weniger als 100 000 Millionen M Wert 
papiere vorhanden, und diese kolossale Summe wächst von Jahr zu Jahr. Es ist 
ganz klar, daß aus der Verwaltung eines so enormen mobilen Nationalvermögens 
sich täglich die allergrößten Umsätze ergeben. Abgesehen hiervon werden an das 
mobile Kapital von allen Zweigen des wirtschaftlichen Lebens, von den Staaten, 
den Gemeinden, von Handel, Industrie, Landwirtschaft und Schiffahrt jahrein, jahr 
aus die erheblichsten Ansprüche gestellt. Diese Ansprüche werden durch die eine 
Zahl illustriert, daß in den letzten Jahren, abgesehen von den Konversionen, jährlich 
ca. 2000 Millionen Jl neue Wertpapiere an den deutschen Börsen zugelassen 
worden sind.*) 
Von wem nun aber auch der Markt des mobilen Kapitals aufgesucht werden 
mag, und zu welchen Zwecken dies auch geschehe, alle, die es tun, haben das Ver 
langen, die Zwecke, denen ihr Angebot oder ihre Nachfrage dienen soll, möglichst 
bald sicherzustellen. Ich brauche nur daran zu erinnern, daß es für ein industrielles 
Werk gar nicht möglich ist, eine neue Fabrik zu errichten oder sonstige industrielle 
Anlagen herzustellen, daß es für eine Eisenbahngesellschaft ganz unmöglich ist, eine 
neue Linie zu bauen, daß es für eine Gemeinde unmöglich ist, ein Elektrizitätswerk 
herzustellen, daß es für eine Landschaft unmöglich ist, ihre höher verzinslichen Pfand 
briefe in niedriger verzinsliche zu konvertieren, daß es für die Staaten unmöglich ist, 
ihre Anleihen zu emittieren, um die staatlichen Zwecke zu erfüllen, die ihnen obliegen, 
wenn sie sich nicht gegen die Konjunkturen, die aus den wechselnden Kursen und 
politischen Verhältnissen sich ergeben, von vornherein sicherstellen können. Wenn 
hierbei auf die vermittelnde Tätigkeit der Banken und Bankiers rekurriert wird, so 
haben doch auch diese Mittelspersonen wiederum dasselbe Interesse. Auch sie müssen 
die Erfüllung übernommener Verbindlichkeiten sicherstellen. 
Der Vau der deutschen Eisenbahnen im Laufe der letzten 50—60 Jahre hätte 
niemals in so sachgemäßer und dem Interesse des ganzen Landes dienender Weise 
ausgeführt werden können, und unsere Industrie hätte niemals in der Weise erstarken 
können, wie dies geschehen ist, wenn ihnen nicht eine tatkräftige Börse, unterstützt durch 
ein tatkräftiges Termingeschäft, zur Seite gestanden hätte. Denn die großen Auf- 
gaben, die ich kurz skizziert habe, lassen sich nicht erfüllen im Wege des eng begrenzten 
Kassageschäfts, im Wege eines Geschäfts, in welchem heute die Ware und heute auch 
das bare Geld übergeben werden muß. Diese Aufgaben erheischen das Eingehen 
langsichtiger Verbindlichkeiten; und hierzu bedarf es einer Geschäftsform, in welcher 
die Verpflichtung zur Erfüllung sofort sichergestellt wird, welche aber die nötige Zeit 
und den nötigen Spielraum auch läßt zur Beschaffung und Realisierung der erforder 
lichen Mittel. Mit einem Worte: Eine leistungsfähige Börse bedarf eines leistungs 
fähigen Terminhandels. 
Ich möchte hier einschalten, daß wir ähnliche Dinge, wie in den letzten Jahren, 
schon früher einmal erlebt haben, und zwar gerade gelegentlich des Baues der deut 
schen Eisenbahnen. Im Jahre 1844, als sich dem deutschen Kapital die Möglichkeit 
eröffnete, sich an der Erfüllung dieser großen wirtschaftlichen Aufgabe zu beteiligen, 
und als, wie dies bei solchen Gelegenheiten immer der Fall ist, auch Ausschreitungen 
der Spekulation stattfanden, erließ der damalige Herr Finanzminister v. Bodel- 
schwingh eine Bekanntmachung gegen die stets wachsende Zahl und Ausdehnung der 
*) Allein an der Berliner Börse wurden in den Jahren 1910 und 1911 6996 Millionen 
Wertpapiere neu zugelassen. Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie. Bericht 
der Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin. Jahrgang 1911. Bd. 1. Berlin, Georg Reimer, 
1912. S. 574. — G. M.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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