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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

6. Die Gründerzeit der 1850 er Jahre rc. 
269 
haftbar sind. Die Aktiengesellschaften sind nun recht eigentlich das Mittel, kapita 
listisches Wesen allgemein zu machen. Sie bedeuten eine Demokratisierung und end 
gültige Stabilisierung des Kapitalismus, nicht etwa, wie man irrtümlich annimmt, 
dessen Überwindung. Denn mit Hilfe des Aktienanteils, den im Notfall auch der 
mäßig wohlhabende Mann erwerben kann, ziehe ich die breiten Massen in das Ge 
triebe der kapitalistischen Wirtschaft hinein, fessele sie an das Interesse kapitalisttscher 
Organisation, verbreite vor allem jene Grundstimmung, die ich als kapitalistischen 
Geist bezeichne, über die Zeiten der Ekstase hinaus dauernd in alle Poren des Volks 
körpers. 
Die spekulative Periode der 1850er Jahre führte aber noch eine andere Neuerung 
als dauernde Institution in das deutsche Wirtschaftsleben ein, deren Existenz für die 
Entfaltung kapitalistischen Wesens ebenfalls von entscheidender Bedeutung geworden 
ist: das ist die Kombinierung bankähnlicher und industrieller 
Unternehmungen, anders ausgedrückt: die Finanziierung von Produktions 
oder Verkehrsunternehmungen durch Bankinstitute. Um was es sich dabei handelt, 
ist dieses: es werden bestimmte Unternehmungen in der Form von Aktiengesell 
schaften ins Leben gerufen, deren Zweck es ist, lediglich die Mittel zusammenzubringen 
zur Begründung oder Unterstützung anderer schon bestehender oder selbst erst zu 
schaffender gewinnbringender Unternehmungen irgendwelcher Art. Es liegt darin 
also, wie man es zutreffend genannt hat, eine Spekulation auf die Spekulation. Der 
artige Institute bedeuten eine ungeheure Steigerung der kapitalistischen Energie. 
Denn da sie von der unausgesetzten Neubelebung irgendwelcher produktiven Tätigkeit 
ihr eigenes Dasein fristen, so liegt es in ihrem Wesen begründet, daß sie stets treiben, 
stimulieren, drängen. Sie sind gleichsam eine Gründungsmaschinerie, eine per 
manente Einrichtung zur Anstachelung des Unternehmungsgeistes. Es ist daher auch 
begreiflich, wenn sie ihre erste und bedeutsamste Entwicklung in dem spekulativen 
Volke pur excellence, bei den Franzosen, gefunden haben. Jenes Riesenunter 
nehmen, dessen Gründung Zola in seinem Romane L’Argent als das Werk Saccards 
schildert, ist der vrsckit mobilier, der 1852 ins Leben trat und vorbildlich für alle 
späteren Geschäfte mit ähnlichen Tendenzen wurde. 
In Deutschland war dasjenige Institut, das zuerst seiner ganzen Anlage nach 
dem 0r6ckit mobilier am nächsten kam, die 1853 gegründete Bank für Handel und 
Industrie zu Darmstadt, die noch heute mit dem Sitz in Berlin und einem Kapital 
von 105 sjetzt: 160] Millionen Jl als mächtige Zentrale kapitalistischen Unternehmer 
tums weiter besteht. Aber die 1850er Jahre erlebten noch zahlreiche andere Grün 
dungen ähnlicher Art, denen sich reine Bankinstitute in großer Menge anschlossen. 
Das gesamte moderne Bankwesen ist in Deutschland ebenfalls in dem er 
eignisreichen sechsten Jahrzehnte geschaffen worden und damit die Grundlage für eine 
hochkapitalistische Organisation der Volkswirtschaft überhaupt. 
Die 1850er Jahre sind mithin die wichtigste spekulative Periode, die Deutsch 
land bisher erlebt hat. In ihnen wird der moderne Kapitalismus definitiv zur Grund 
lage der Volkswirtschaft gemacht. Dies geschieht durch eine allgemeine Befruchtung 
aller Wirtschaftsgebiete mit Kapital, das sich durch die plötzliche Vermehrung der 
Edelmetallvorräte und die damit im Zusammenhang stehende Preishausse rasch in 
den Händen einzelner Personen ansammelt, noch rascher aber durch die Entwicklung 
des Aktienwesens und der Bankorganisation sich zu größeren Summen zusammen 
ballt, die nunmehr nach intensiver Verwertung streben. Damit ist ein Fonds von 
kapitalistischer Energie geschaffen und gleichsam objektiviert, der, sich aus sich selbst 
immerfort erneuernd und vermehrend, zu einer ungeheuren Triebkraft von revolu 
tionärer Wirkung wird.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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