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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

368 Dritter Teil. Industrie. I. Allgemeines und Grundsätzliches. 
machen und ausschließlich für die Organisation einer geradezu idealen Arbeiterfür 
sorge und die Förderung gemeinnütziger Zwecke überhaupt wirksam werden zu lassen. 
Hier handelte es sich also nicht darum, einer Erwerbsunternehmung schlecht und recht 
eine Wohlfahrtseinrichtung anzuhängen, sondern die ganze Unternehmung selbst ist 
in eine Wohlfahrtseinrichtung umgestaltet worden. Den Arbeitern fallen fast alle 
Vorteile zu, welche einst von der Entwicklung der Arbeiter-Produktivgenossenschaften 
erwartet wurden, sie bleiben aber vor den Gefahren bewahrt, an welchen die meisten 
Arbeiter-Produktivgenossenschaften gescheitert sind. Das Verdienst dieser ganz eigen 
artigen Schöpfung gebührt vor allem Professor vr. Abbe, der nicht nur durch seine 
theoretischen Arbeiten die beispiellose technische Leistungsfähigkeit der Fabrik auf dem 
Gebiete der Mikroskopkonstruktionen begründet, sondern mit seinem humanitären 
Idealismus auch die Befreiung der Fabrik von privatkapitalistischen Interessen durch 
gesetzt hat. 
Es fällt schwer, die vielseitige und originelle Wirksamkeit Abbes als großindu- 
striellen Arbeitgebers in wenigen Worten zusammenzufassen. Er hat die tägliche 
Arbeitszeit von 11% allmählich auf 8 Stunden herabgesetzt, er hat Löhne von re 
spektabler Höhe zugestanden, alle in die Woche fallenden Feiertage entlohnt, sechs 
Tage des jedem Arbeiter bewilligten zwölftägigen Urlaubs im Jahre voll bezahlt, 
er hat die Krankenversicherung, das Pensionswesen, die Fürsorge für Witwen und 
Waisen und ganz besonders die Arbeitslosenversicherung durch Gewährung einer 
hohen Abgangsentschädigung in idealer Weise ausgebildet, er hat Arbeitervertretungen 
und Gewinnbeteiligung, Fabrikbäder und Arbeiterwohnungen, mustergültige tech 
nische und allgemeine Bildungsgelegenheiten geschaffen. Er hat namentlich das ganze 
Arbeitsverhältnis zugunsten des Arbeiters in einer Art stabilisiert, die bis jetzt erst in 
einigen öffentlichen Betrieben annähernd versucht worden ist. Immerhin finden 
sich manche der von Abbe getroffenen Einrichtungen auch in anderen Unternehmungen 
vor. Was sich anderwärts aber kaum nachweisen läßt, das ist der Geist, die Ge 
sinnung, aus der heraus diese Institutionen geschaffen und verwaltet worden sind. 
Für Abbe kam es weder darauf an, durch milde Spenden Wohltätigkeit zu üben, noch 
durch geschäftlich gut rentierende Wohlfahrtseinrichtungen feine Arbeiter in größere 
Abhängigkeit zu versetzen. Mit Geringschätzung und Ironie spricht er von derartigen 
Bestrebungen: „Der moralisierende Fabrikherr oder Betriebsleiter, der sich dafür 
berufen hält, Ehrbarkeit und Staatswohl — und was er von seinem besonderen 
Standpunkte aus just dazu zu rechnen für gut findet — zu befördern, nicht nur durch 
das eigene gute Beispiel und durch den berechtigten Einfluß, den persönliches Ansehen, 
wenn er solches hat, in seinem Kreise ihm gewähren mag, sondern auch mit der 
Peitsche angedrohter Wirtschaftsnachteile, ist in meinen Augen eine sozial gemein 
schädliche Figur." Rechte, nicht Wohltaten, Gerechtigkeit, nicht Barmherzigkeit und 
Mitleid, bilden die Leitsterne seiner sozialen Praxis. Freie, selbstbewußte, unab 
hängige, beruflich und menschlich hochstehende und leistungsfähige Männer will er 
heranziehen. Sein ganzes Sinnen und Trachten konzentriert sich in dem Problem, 
„eine wirkliche und dauernde Hebung der Rechtslage der von industriellen Unter 
nehmungen abhängigen Personen in ihrem Verhältnisse zum Unternehmer und seinen 
Organen nach der persönlichen und wirtschaftlichen Seite hin zu erzielen, damit die 
wichtigsten bürgerlichen und materiellen Interessen dieser Personen nicht länger der 
Willkür des Unternehmers und ganz einseitigen Rücksichten auf dessen jeweiligen 
Vorteil unterworfen bleiben". 
Wie tief Abbe von diesen Zielen durchdrungen war, beweist am besten die Tat 
sache, daß er durch die Verwandlung der Zeiß-Werke in eine „Stiftung" alles, was 
3000 Arbeiter, in den Filialen ca. 330 Personen und das Glaswerk (Firma Schott & Gen.) 
ca. lOOj Beamte und ca. 1200 Arbeiter. (Freundliche Mitteilung der Verwaltung.) — G. M
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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