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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

6. Der Segen der Maschinenarbeit. 
373 
Zunächst ist die Herstellung der Maschinen selbst eine bedeutende Industrie 
geworden, die viele erfinderische Köpfe und geschickte Hände erfordert und beschäftigt 
und nebenbei die höchsten Löhne bezahlt. Es ist ein viel verbreiteter Irrtum, 
der in der sozialistischen Agitation eine große Rolle spielt, daß die Maschinenarbeit 
die Löhne herabdrückt und Arbeitslosigkeit herbeigeführt habe. Letztere kann nur 
vorübergehend eintreten, gleicht sich aber sehr bald infolge der durch Maschinenarbeit 
herbeigeführten allgemeinen Vergrößerung der Fabriken wieder aus. 
Weiterhin ermöglicht die Maschinenarbeit durch billige Massenproduktion eine 
Erweiterung des Absatzgebietes. Darum finden Sie überall, wo Maschinen die Hand 
arbeit verdrängt haben, keine Verminderung, sondern eine Vermehrung 
der Arbeiter. Auch werden in maschinellen Betrieben in der Regel höhere 
Löhne gezahlt wie in der Hausin du st rie, schon deshalb, weil es im Interesse 
des Unternehmers liegt, daß seine kostbaren Maschinen von zufriedenen 
Arbeitern gut behandelt werden, und zwar steigt der Arbeitslohn im Verhältnis der 
Verbesserung der Maschinen, wie sich dies namentlich in Amerika zeigt, wo die voll 
kommensten Maschinen und die höchsten Löhne vereinigt sind. 
Namentlich in der Textilindustrie hat der maschinelle Betrieb eine wesentliche, 
selten beachtete Verschiebung zugunsten des Handarbeiters herbeigeführt. 
In der Hausindustrie hatte der Arbeiter meistens seine Geräte (Webstuhl usw.) selbst 
zu stellen, und der Fabrikant war eigentlich nur Vermittler, welcher das Erzeugnis 
des Webers dem Konsumenten oder Händler lieferte, demnach bei schlechtem Geschäfts 
gang schwach oder gar nicht arbeiten ließ. Ungünstige Konjunkturen trafen daher 
wesentlich den Weber, wodurch sich auch erklärt, daß derselbe oft lieber zu „Hunger 
löhnen" arbeitete als gar nicht. Heute dagegen ist durch die Beschaffung von teuren 
Maschinen das Kapitalrisiko des Unternehmers außerordentlich vergrößert, — auch 
leiden die Maschinen, wenn nicht gearbeitet wird. Der Unternehmer hat demnach 
das größte Interesse, seine Fabrik nicht stillzustellen. Er wird seine ganze 
Intelligenz und Arbeitskraft anspannen, um dies zu vermeiden, und bei schlechten 
Zeiten arbeiten lassen, selbst wenn er auch nichts verdient. Oft werden Betriebe 
jahrelang fortgesetzt, und der einzige, der verdient, ist der Handarbeiter, weil der 
Verlust des Unternehmers noch größer wäre, wenn seine kostbaren Maschinen durch 
Stillliegen verdürben. 
Die Maschinenarbeit ist ferner ein großer kultureller Fortschritt: sie 
befähigt den Arbeiter, aus einer nur Handarbeit erfordernden und Körperkraft kon 
sumierenden Beschäftigung zu einer solchen überzugehen, welche seine g e i st i g e n 
Fähigkeiten in Anspruch nimmt. Die Bedienung und Kontrollierung komplizierter 
Maschinen, wie sie jede Fabrikanlage aufweist, erfordert nicht nur Aufmerksamkeit, 
sondern auch geistige Geschicklichkeit und Berechnung. 
Auch die Gefahren des Fabrikberufs vermindern sich durch die 
Maschinen; wenigstens ergibt z. B. die Nachweisung der entschädigungspslichtigen 
Unfälle der Rheinisch-Westfälischen Maschinenbau- und Kleineisenindustrie-Berufs- 
genossenschaft für die Jahre 1885/6—1911, daß von 32 035 Unfällen nur 12 929, also 
nur 40,4 % durch den eigentlichen maschinellen Betrieb verursacht wurden.*) 
Dies sind im wesentlichen die Vorteile maschineller Betriebe. 
*) Für die Jahre 1894—1911 nach freundlicher Mitteilung der Maschinenbau- und 
Kleineisenindustrie-Berufsgenossenschast in Düsseldorf. — G. M.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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