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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

376 Dritter Teil. Industrie. II. Bausteine zur Würdigung der deutschen Industrie. 
letzten Jahren zugenommen hat, das geht daraus hervor, daß das steuerpflichtige 
Einkommen der physischen Personen bei uns in Preußen von 1892 bis 1911 von 5% 
aus mehr als 14% Milliarden Ji, also um säst ISO v. H. gegenüber einer Zunahme 
der Bevölkerungszahl von rund 30 v. S). gestiegen ist. 
Diese Vermehrung unseres Volksvermögens und -einkommens beruht zwar 
zum großen Teil auf den gesteigerten Leistungen unserer Landwirtschaft; ihr haupt 
sächlichster Träger ist aber doch unsere Handels- und Gewerbtätigkeit. In den land 
wirtschaftlichen Provinzen Ost- und Westpreußen z. B. wurden im Jahre 1911 
894 Millionen Ji der Einkommensteuer unterworfen, in den landwirtschaftlich und 
industriell gleich entwickelten Regierungsbezirken Breslau und Oppeln mit annähernd 
der gleichen Bevölkerungszahl dagegen 954 Millionen Ji und in dem industriellen 
Regierungsbezirke Düsseldorf mit nicht ganz der gleichen Bevölkerungszahl 
1,7 Milliarde Ji. Das Einkommen stellte sich dort also etwa dreimal so hoch wie 
in Ost- und Westpreußen und fast doppelt so hoch als bei uns sin Schlesiens. 
Die Steigerung unseres Wohlstandes tritt zwar am drastischsten bei den oberen 
Zehntausend, bei den reichen Leuten, in die Erscheinung, ist aber auch den mittleren 
Schichten und den lediglich von ihrer Arbeit lebenden Arbeitermassen zugute ge 
kommen. Die Lebenshaltung ist in allen Kreisen gegenüber früheren Zeiten in un 
geahnter Weise gestiegen und weiter im Steigen begriffen; die Ansprüche an das 
Leben haben in hohem Grade zugenommen, und die Steigerung des Einkommens 
hält trotz der gegenwärtigen Teuerung, nur unterbrochen durch Jahre ausgesprochener 
wirtschaftlicher Stockung, im allgemeinen weiter an. 
Vor allem aber ist die Lage der ärmsten Klassen zweifellos viel besser geworden. 
Ich will gar nicht Gewicht darauf legen, daß die Zahl der Steuerfreien bei uns in 
Preußen von 70 v. H. in 1892 auf 41 v. H. in 1911 gesunken ist, während die Zahl 
der Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von mehr als 900 Ji von 30 auf 59 
v. H. gestiegen ist. Vergleichen wir nur einmal die Lage der ärmsten Schichten der 
Bevölkerung in unserer Zeit mit der vor zwei Menschenaltern. Damals war Mangel 
an allem Notwendigen und Hunger der ständige Begleiter zahlreicher Familien; der 
Hungertyphus in Oberschlesien und die Weberunruhen sind Kennzeichen des allge 
meinen Tiefstandes der wirtschaftlichen Lage jener Zeiten. Gewiß gibt es heute noch 
viel Elend. Von wirklicher Not aber ist heute viel weniger zu spüren als in früherer 
Zeit; die Verelendungstheorie ist allgemein zum alten Eisen geworfen und fristet 
nur noch in vergilbten Programmen ein kümmerliches Dasein. 
Aber, so wird gesagt, die gewerbliche Entwicklung hat zwar den in ihr lebenden 
Kreisen der Bevölkerung Vorteile gebracht, ist aber nur durch das Opfer schwerer 
Schädigungen der andern Berufskreise erkauft worden. 
Die Landwirtschaft führt bittere Klage darüber, daß sie durch die Industrie 
aus ihrer früheren Stellung verdrängt sei. Aber ist der Landwirtschaft nicht gerade 
die Entwicklung der Industrie im höchsten Grade zugute gekommen? Ist nicht die 
Absatzmöglichkeit ihrer Erzeugnisse durch die Erweiterung des inneren Marktes auf 
das höchste gesteigert, ist sie nicht durch das Aufblühen der Städte in den Stand gesetzt 
worden, ihre Produktion in immer stärkerem Maße auszudehnen und lohnendere 
Preise zu erlangen, ganz zu schweigen von den Gewinnen, die ihr in der Form der 
Steigerung der Bodenpreise in den Schoß gefallen sind? Und ist nicht auch die 
Vermehrung der Produktion der Landwirtschaft dadurch ermöglicht worden, daß ihr 
die Industrie in Maschinen, künstlichen Düngemitteln und anderen verbesserten Be 
darfsgegenständen die Mittel zu einem angespannteren Betrieb in die Hand gab? 
Welcher Nutzen ist nicht allein der Landwirtschaft daraus entsprungen, daß der 
frühere unvollkommene Pflug nach wissenschaftlichen Grundsätzen umgebaut und 
nicht nur verbilligt wurde, sondern gleichzeitig eine erhöhte Leistungsfähigkeit er-
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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