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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

1. Das soziale Gewissen. 
413 
würde insbesondere ein völliges Verkennen des sozialistischen Geistes sein, wenn man 
annehmen wollte, daß seine Apostel von dem Altruismus die Verwirklichung ihrer 
Ideen erwarteten. Von Karl Marx selbst stammt das Wort: „Die Arbeiterklasse hat 
keine Ideale zu verwirklichen." Und ein sozialistischer Literat, Oskar Wilde, meint: 
„Der größte Nutzen, den die Einführung des Sozialismus brächte, liegt ohne Zweifel 
darin, daß der Sozialismus uns von der schmutzigen Notwendigkeit, für andere zu 
leben, befreit, die bei dem jetzigen Stande der Dinge so schwer auf allen Menschen 
lastet." 
Es soll nicht geleugnet werden, daß es eine Zeit gab, wo die soziale Bewegung 
der Besitzenden und Gebildeten zum größten Teil in Mitleid wurzelte. Es war 
damals, wo es zum guten Ton gehörte, für Hauptmanns „Weber" zu schwärmen. 
Heute ist es aber längst nicht mehr der nackte Hunger, der die soziale Frage erklären 
kann. Wir haben es in unseren Tagen mit einem energisch aufsteigenden vierten 
Stande zu tun, dem es fernliegt, um mehr Brot zu betteln, der vielmehr das Leben 
der Gesellschaft umformen will. Diesem Streben ist Mitleid eine wenig passende 
Tugend, für die namentlich der Arbeiter selbst nicht das nötige Verständnis haben 
würde. Die emporsteigenden Massen sind zu stolz, an das Herz zu appellieren, nur der 
Verstand gilt ihnen etwas, von ihm erwarten sie alles. Richard Dehmel verdolmetscht 
dieses proletarische Denken in den Versen: 
„Was meinst Du Sturm? — Hinab Erinnerungen! 
Dort pulst im Dunst der Weltstadt zitternd Herz! 
Es grollt ein Schrei von Millionen Zungen 
Nach Glück und Frieden: Wurm, was will Dein Schmerz! 
Nicht sickert einsam mehr von Brust zu Brüsten 
Wie einst die Sehnsucht nur als stiller Quell, 
Heut stöhnt ein Volk nach Klarheit, wild und grell, 
Und Du schwelgst noch in Wehmutslüsten? .... 
Hinab! Laß Deine Sehnsucht Taten zeugen! 
Empor, Gehirn! Hinab, Herz! Auf! Hinab!" 
Zugegeben werden muß allerdings, daß mancher auch derer, die nicht bewußt 
aus ihrer Weltanschauung, etwa aus den altchristlichen Ideen ihre Liebe zum Volk 
herleiten, doch durch die äußeren Umstände zu einer Art „Liebe" zur Masse kommen. 
Durch die „äußeren Umstände": Denken wir dabei vor allem an das ethische Wohl 
behagen, an die Hochachtung, an die Bewunderung, die heute manche unserer Be 
sitzenden und Gebildeten den Arbeitern entgegenbringen. Die Begeisterung, die 
Opferwilligkeit, das Vorwärtsstreben, der energische Massenwille . . . , das alles im 
poniert. Namentlich gefühlsvolle Menschen glauben demgegenüber ihre Pflicht zu 
versäumen, wenn sie sich nicht forttragen lassen von dem Strome der Begeisterung 
und statt dessen etwa mit nörgelndem Verstände den frohgemuten Kämpfern in den 
Weg treten. 
Dieses rückhaltlose Bewundern scheint mir indes mit der Betätigung eines 
wahren „sozialen" Gewissens wenig gemein zu haben. Der wahre Freund des Volkes 
wird sich vielmehr stets von den Gedanken leiten lassen, die Gellert in die Worte 
kleidet: 
„Wenn mich einer schmeichelnd preiset, 
Mich einer lobet, mir nichts verweiset, 
Zu Fehlern gar die Hände beut, 
Der ist mein Feind, 
So freundlich er auch scheint". 
Solche Freunde, die nur schmeicheln und nur bewundern, gehören gewiß nicht 
zu denen, die auch in der Not ihre Freundschaft bewahren. R. Baerwald erzählt, daß
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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