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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

1. Der Übergang Deutschlands vom Agrarstaate zum Industriestaats. 465 
In diesem beschleunigten Anwachsen der Exportindustrie haben wir die Haupt 
ursache dafür zu erblicken, daß auch nach 1871 die Zunahme des industriellen auf 
Kosten des agrarischen Deutschland noch weitere Fortschritte gemacht hat. Nach 1870 
liegen also die Wurzeln dieser Erscheinung nicht mehr hauptsächlich in den inneren 
deutschen Verhältnissen, sondern sie sind in erster Linie zu suchen in der Gestaltung 
der Handelsbeziehungen zum Auslande. Daneben hat sich allerdings auch nach 1870 
der Prozeß des Aufhörens der gewerblichen Eigenproduktion und der Ersetzung 
organisierter durch unorganisierte Materie noch weiter fortgesetzt. In der letzteren 
Beziehung sei nur an die gewaltige Entwicklung der chemischen Industrie seit 1870 
erinnert, die zu einem nicht geringen Teile, wie z. B. bei der Verdrängung der von 
der Landwirtschaft angebauten Farbpflanzen durch die aus dem Steinkohlenteer ge 
wonnenen Farbstoffe, mit dem zuletzt erwähnten Vorgang zusammenhängt. 
Die wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zum Auslande haben indessen 
nicht bloß auf dem Wege der Ausbreitung des Exportindustriesystems den Übergang 
Deutschlands zum überwiegenden Industriestaat gefördert. Betrachtet man die 
neueste ökonomische Entwicklung Deutschlands lediglich unter dem Gesichtspunkte des 
Übergangs zum Exportindustrialismus, so stößt man auf eine mit dieser Annahme 
in keiner Weise zu vereinigende Tatsache, nämlich die Tatsache, daß unsere Produktion 
auf industriellem Gebiete offenbar schneller wächst als unsere Ausfuhr an Fabrikaten, 
und daß demgemäß unsere Fabrikatenausfuhr einen abnehmenden Teil unserer 
industriellen Produktion darstellt. Hier liegt ein Wachsen der Aufnahmefähigkeit des 
inneren Marktes der deutschen Volkswirtschaft vor, das aber aus den vorhin erörterten 
primären Ursachen der wachsenden Industrialisierung und auch aus der Zunahme des 
Volkswohlstandes, die einen steigenden Teil des Einkommens für Jndustrieerzeugnifse 
auszugeben gestattete, allein nicht erklärt werden kann. So sehr diese Erscheinung 
vom Standpunkte des Exportindustriesystems ein unlösbares Rätsel bleibt, so einfach 
gestaltet sich ihre Erklärung vom Standpunkte des Exportkapitalismus aus. 
Deutschland war bis nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ein kapitalarmes Land, 
und einen großen Teil des Kapitals, das es zum Bau seiner Eisenbahnen und der 
städtischen Pferdebahnen, für Gas- und Wasserwerke und andere Unternehmungen 
brauchte, lieh es damals von seinen reicheren Nachbarstaaten im Westen, insbesondere 
von England und Belgien. Infolgedessen mußte es dem Auslande Zinsen bezahlen. 
Die Ausgleichung solcher Forderungen geschieht aber bekanntlich in der Regel nicht 
durch bares Geld, sondern durch Warensendungen. Bis 1870 ist die deutsche Handels 
bilanz daher meist noch aktiv, sie zeigt einen Überschuß der Warenausfuhr über die 
Wareneinfuhr. Nach dem deutsch-französischen Kriege schlägt dieses Verhältnis in 
sein Gegenteil um, zunächst vor allem unter dem Einfluß der Kriegskostenentschä 
digung von 5 Milliarden, die Frankreich an Deutschland zu zahlen hatte, und die einen 
gewaltigen Warenstrom nach Deutschland führte. Dauernd passiv ist die Handels 
bilanz Deutschlands aber erst seit 1889 geworden, und die Erscheinung steht in engem 
Zusammenhang mit der erst 1888/89 erfolgten Aufnahme der Hansastädte Bremen und 
Hamburg in das Deutsche Zollgebiet. Zugleich aber hat bei der immer stärker werden 
den Passivität der deutschen Handelsbilanz der Umstand mitgewirkt, daß Deutschland 
im letzten Menschenalter immer mehr aus einem Schuldnerstaat in einen Gläubiger 
staat sich umwandelte. Namentlich seit dem Ende der achtziger Jahre ist die Aus 
wanderung deutschen Kapitals in das Ausland eine ganz regelmäßige und stetig grö 
ßere Bedeutung gewinnende Erscheinung geworden. 
schnitte dieser vier Jahre die Einfuhr um 3139 Millionen M. Statistisches Jahrbuch 
für das Deutsche Reich. Herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amte. 32. Jahr 
gang 1911. Berlin, Puttkammer & Mühlbrecht, 1911. S. 205. — G. M. 
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. 4. Aufl. 
30
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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