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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. Verkehr
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

2. Das Verkehrswesen bei den Römern. 321 
unsichere Wildnisse, wo im Altertum lange Karawanen auf prachtvollen Kunststraßen 
hinzogen. 
Die völlige Zentralisation der Verwaltung und Regierung in Rom, die mit 
der Begründung der Monarchie eintrat, machte ein umfassendes, über das ganze 
ungeheure Ländergebiet ausgedehntes Strahenfystem zum unabweislichen Bedürfnis, 
in administrativer, militärischer, merkantiler und politischer Hinsicht. Die Haupt 
linien dieses Systems sind für die ganze Monarchie von Augustus gezogen worden, 
der hier eine Lebensfrage für das unter seiner Herrschaft vereinigte Weltreich 
erkannte und dem Gegenstände eine seiner Wichtigkeit ganz angemessene 
Aufmerksamkeit widmete; er selbst übernahm die Aufsicht über den Straßen 
bau in der nächsten Umgebung Roms. Auf dem Forum errichtete er die 
sog. goldene Meilensäule (miliarium aureum), vermutlich so genannt, weil 
hier auf vergoldeten Bronzetafeln die Zielpunkte der in den Hauptrichtungen 
auslaufenden Heerwege nebst den Entfernungen angegeben waren; noch jetzt sieht 
man in der Nähe des Severusbogens den Unterbau des Monumentes, eine drei 
fach abgestumpfte Basis mit Ziegelbekleidung. Die späteren Kaiser setzten das von 
Augustus angefangene Werk fort und führten es zur Vollendung; um die Mitte des 
3. Jahrhunderts n, Chr. ungefähr, darf man annehmen, umfaßten die Straßenzüge 
schon das ganze römische Reich von der schottischen Grenze bis an die Nordküsten 
Afrikas und wieder vom Atlantischen Meer bis zum Euphrat. Um das Jahr 333 
n. Chr. ist eine Wegekarte mit Angabe der Stationen und Entfernungen für Pilger 
nach dem Heiligen Lande abgefaßt, ein zusammenhängender, mit Meilensteinen 
versehener Bau leitete damals die Reisenden von Bordeaux nach Jerusalem und 
von hier nach der Südgrenze Ägyptens oder zum westlichen Ufer Afrikas. Die Kosten 
der Wegebauten in den Provinzen wurden aus den Einnahmen bestritten, die 
Ausführung ungemein durch Verwendung der Garnisonen zu diesen Arbeiten 
erleichtert. Die Arbeitskräfte der Legionen wurden überhaupt in ruhigen Zeiten 
in ausgedehntester Weise zu gemeinnützigen Zwecken verwendet, und gar manche 
imposante Werke der Kaiserzeit, als Kanäle, Brücken, Häfen rc., sind durch sie aus 
geführt oder im Stande gehalten worden. Übrigens arbeiteten auch Verbrecher 
an den Reichschausseen. 
Interessant im hohen Grade ist es, was die Römer in bezug auf Griechenland 
in dieser Hinsicht taten. AIs der Kaiser Nero den Korinthischen Isthmus zum ersten 
Male erblickte, erwachte in ihm der Wunsch, durch Ausführung eines gewaltigen 
Bauwerkes, durch einen großen Sieg über die Gewalten der Natur seine kaiserliche 
„Allmacht" recht deutlich ans Licht zu stellen. Er gedachte nämlich, die felsige Land 
enge zwischen dem Korinthischen und Saronischen Meerbusen durchstechen zu lassen, 
um durch ein solches Werk ähnliche Großtaten der Vorzeit in den Schatten zu 
stellen und wahrscheinlich auch den Ruhm seiner Vorgänger auf dem römischen 
Throne, die sich mit demselben Plane getragen hatten, durch dessen wirkliche Durch 
führung zu überbieten. Sofort wurden alle nötigen Vorbereitungen zu dem Kanal 
bau getroffen; von allen Seiten wurden Arbeiter herbeigeführt, die Strafgefangenen 
von den griechischen Inseln nach dem Isthmus gebracht, auch die Prätorianer 
zur Teilnahme an den Arbeiten bestimmt, die Arbeiten selbst — anscheinend gegen 
Ende des Jahres 67 — feierlich eröffnet. Allein die demnächst mit furchtbarer Gewalt 
ausbrechenden Thronkämpfe im römischen Reiche vereitelten jeden Gedanken an die 
Fortsetzung der Kanalbauten; der angefangene Graben blieb liegen, — ein treues 
Symbol der Cäsarenwirtschaft jener Periode, wo gerade an den besseren und 
wohltätigen Schöpfungen und Plänen der Regenten der Charakter des Zufälligen 
und der Gewähr auf Dauer Entbehrenden fortwährend wie ein Fluch haftete.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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