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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. Verkehr
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

4. Das Verkehrswesen in Deutschland vor siebzig Jahren. 527 
„der fährt in vierundzwanzig Stunden nach Frankfurt." Ein Wunder! derselbe ging 
anfangs dreimal die Woche. Zwischen Kassel und Berlin wurde um dieselbe Zeit 
eine Eilpost hergestellt, welche zweimal die Woche ging und in zweiundeinhalb Tagen 
ihr Ziel erreichte. Es läßt sich schon hieraus entnehmen, daß damals Frankfurt als 
Handelsplatz für Kassel eine weit größere Bedeutung hatte als Berlin. In späteren 
Jahren gingen zwischen Kassel und Frankfurt sogar täglich zwei (neunsitzige) Wagen, 
die nach zwanzig Stunden anlangten. Neben der Fahrpost bestand eine „reitende 
Post" für Briefe. Der Postillion führte dieselben in einem Felleisen, das er vor sich 
auf dem Pferde liegen hatte. Später wurde diese Post in eine Karriolpost verwandelt, 
bei welcher der Postillion, auf einem kleinen offenen einspännigen Kärrnchen sitzend, 
das Postfelleisen beförderte. Nur „Stafetten", die übrigens damals nicht selten waren, 
wurden noch „geritten". Kam zu einer kritischen Zeit eine solche an eine gewichtige 
Person an, so geriet leicht der ganze Ort in Aufregung über die Frage, was das wohl 
bedeuten möge. Zwischen nahegelegenen Orten wurde auch noch der Verkehr viel 
fach durch Botenfrauen vermittelt, welche mit einer Kötze auf dem Rücken regelmäßig 
hin und her gingen und alle kleineren Sendungen besorgten. 
Die Langwierigkeit und Kostspieligkeit des Postverkehrs übte natürlich ihren 
Einfluß auch auf das Briefschreiben aus. In kaufmännischen Kreisen wurden wohl 
schon damals Briefe reichlich gewechselt. Im allgemeinen aber war der Briefverkehr 
äußerst gering. Dafür kann folgendes als Zeugnis dienen. Saß man abends im 
häuslichen Kreise um das brennende Talglicht, so bildete sich mitunter an dem Dochte 
desselben eine rotglühende Schnuppe, einem roten Siegel vergleichbar. Dann pro 
phezeite man scherzweise demjenigen, welchem dieses Phänomen zugewandt war: „Du 
bekommst einen Brief!" Das war damals noch ein Ereignis. Schrieb man selbst 
einen Brief, so mußte man ihn an dem Postschalter in die Hände des Beamten liefern. 
Erst im Jahre 1848 schuf die träge Taxissche Postverwaltung in den Straßen aus 
gehängte Briefkasten, nachdem Fr. Oetker in seiner „Neuen hessischen Zeitung" sie 
aufs ärgste dazu gedrängt hatte. Wollte der Absender den Brief frankieren, so mußte 
er das Porto an dem Postschalter bar erlegen. Für die Taxierung des Briefes 
fanden sehr verwickelte Berechnungen statt, da dasselbe nach der Meilenzahl in vielen 
Abstufungen sich steigerte. Danach belief sich das Porto für die weiteste Entfernung 
des preußischen Gebiets auf 19 Sgr. Ähnlich verhielt es sich in den übrigen Post- 
gebieten. Auch die Taxe für Pakete wurde nach der Entfernung in weithin sich 
steigernden Sätzen berechnet. Bereits im Jahre 1844 wurde jedoch das Briefporto 
für die weiteste Entfernung auf 6 Sgr. herabgesetzt. Ein Brief von Kassel nach Berlin 
kostete 6, nach Frankfurt a. M. 3 Sgr., wozu noch Sgr. Bestellgeld kam. übrigens 
war es gar nicht üblich, Briefe zu frankieren. Ein Strafporto wegen unterbliebener 
Frankatur bestand nicht. Und deshalb überließ man gern dem Empfänger die Zah 
lung des Portos, da man dann sicherer zu sein glaubte, daß die Post den Brief 
wirklich besorge. Ein Umschwung in diesen Verhältnissen trat erst durch den im Jahre 
1850 abgeschlossenen deutsch-österreichischen Postvertrag ein, in welchem das Porto 
für das ganze Postvereinsgebiet auf 1, 2 und 3 Sgr. festgesetzt wurde. Zugleich wurde 
für die Nichtfrankatur ein Strafporto angeordnet, das Frankieren aber durch Ein 
führung von Postmarken erleichtert. Welchen weitern Aufschwung dann das Brief 
schreiben durch die Herabsetzung des Portos für ganz Deutschland und Österreich auf 
1 Sgr., durch die Einführung der Postkarten und endlich durch die Schaffung des 
Weltpostvereins genommen, lebt in aller Bewußtsein. Die Postkarte hat unter anderm 
auch die Wirkung gehabt, daß in ihr der Kurialstil der Briefe, auf welchen man früher 
großen Wert legte, mehr und mehr zurücktritt. Wie sind wir Ältern in der Schule 
gequält worden mit allen möglichen Titulaturen von Hochgeboren bis Wohledel 
geboren, die man einem jeden nach Stand und Würde angedeihen zu lassen habe! 
Heute kommt man mit weit weniger ab.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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