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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. Verkehr
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

556 
Fünfter Teil. Verkehr. III. Eisenbahnen. 
1828 eine preußisch-hessische Zollgemeinschast vorausgegangen ist. Man konnte hierzu 
die Bemerkung fügen, daß das Schwergewicht der preußisch-hessischen Eisenbahn 
gemeinschaft innerhalb Deutschlands ein viel größeres fein werde als das der einst 
zwischen Preußen und Hessen vollzogenen Zolleinigung. Preußen beherrscht nunmehr 
nicht nur ganz Norddeutschland in allen wichtigen Durchgangslinien, sondern es er 
obert sich auch den Weg zum Einfluß in Südwestdeutschland. Dadurch, daß die Main- 
Neckar-Bahn, welche Preußen, Hessen und Baden gemeinsam gehört, in die preußisch 
hessische Verwaltung am 1. Oktober 1902 einbezogen wurde, ist dieser Einfluß ver 
größert worden. Gleichartige Grundsätze der Eisenbahnpolitik können nunmehr von 
Elsaß-Lothringen an, woselbst die preußischen Einflüsse eisenbahnpolitisch in letzter 
Linie sehr maßgebend geltend gemacht werden können, bis nach Ostpreußen in Wirk 
samkeit treten. Jedenfalls war die Möglichkeit, daß die preußisch-hessische Gemein 
schaft Zuwachs durch Anschluß anderer bisher unabhängiger Eisenbahnsysteme 
empfängt, keineswegs ausgeschlossen. 
Unabhängig waren bis 1905 die Staatseisenbahnsysteme von Sachsen, Bayern, 
Württemberg, Baden, sowie die pfälzischen Privatbahnen geblieben. Eine Eisen- 
bahnpolitik jedoch, die im Durchgangsverkehr von der preußischen abwiche, kann 
zurzeit keines dieser Eisenbahnsysteme durchführen. Die Eisenbahnrente, welche der 
Landeskasse zufließt, ist in den selbständig gebliebenen Staatseisenbahnsystemen — 
besonders in Süddeutschland — erheblich geringer, als wenn das Reichseisenbahn 
projekt durchgeführt worden wäre. Der Einfluß der vom preußischen System un 
abhängigen Staatsbahnverwaltungen ist in Fragen der Beamtenernennung und in 
allen Fragen des Binnenverkehrs — nicht dagegen im gleichem Maße in Fragen 
des Fernverkehrs — zurzeit größer, als wenn es zur Verwirklichung des Reichs 
eisenbahnprojekts gekommen wäre. Wenn freilich Preußen einmal den Einfluß, 
den es von Ostpreußen bis Elsaß-Lothringen geltend machen kann, zur Ablenkung 
oder erheblichen Erschwerung des auf Süddeutschland bisher entfallenden Durchgangs 
verkehrs benutzen würde, so könnten die finanziellen Grundlagen der Unabhängigkeit 
der süddeutschen Staatsbahnsysteme ernstlich gefährdet erscheinen. 
Durch das Zustandekommen der preußisch-hessischen Gemeinschaft war es Bayern 
unmöglich gemacht worden, etwa einen gesonderten Zusammenschluß des rechts 
rheinischen bayerischen, des hessischen und des pfälzischen Netzes zu bewirken. Als am 
1. Januar 1909 die pfälzischen Bahnen, die für 254,4 Millionen Jl erworben waren, 
mit dem bayerischen Staatsbahnnetz vereinigt wurden, ergab sich somit für Bayern 
ein Betrieb, der zwei nichtzusammenhängende Netze umfaßt und die Verkehrsver 
mittlung anderer Systeme in Anspruch nehmen muß. 
Wiederholt tauchten seit dem preußisch-hessischen Eisenbahnabkommen in Süd 
deutschland Ideen wie zur Zeit des Preußisch-Hessischen Zollvereins auf. Manche 
glaubten, daß sich eine Verwaltungsgemeinschaft, die noch mehr süddeutsche Staaten 
als Hessen mit Preußen vereinigt, eines Tages herausbilden könne. Andere empfahlen 
eine engere Vereinigung der süddeutschen Eisenbahnverwaltungen untereinander, 
ein Gedanke, mit dem sich der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, als bayerischer Minister 
präsident, vor 1870 eingehend beschäftigt hatte. 
Die weitere Entwickelung wird wohl nicht zum mindesten durch die Finanzlage 
der süddeutschen Staaten und durch den Umstand mit bestimmt werden, ob es Preußen 
gelingt, im Süden besondere Sympathien zu gewinnen. Käme es einmal zu einer 
Ausdehnung der preußisch-hessischen Gemeinschaft auf ganz Deutschland, so wäre 
übrigens keineswegs derselbe Erfolg wie beim Reichseisenbahnprojekt erreicht. Wäre 
das Reichseisenbahnprojekt verwirklicht, so würden im Bundesrat alle deutschen 
Regierungen, auch die des außerpreußischen Norddeutschlands, und im Reichstage 
Vertreter des gesamten deutschen Volks, auch der Arbeiterklasse, der Verwaltung
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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