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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünfter Teil. Verkehr
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

9. Die sibirische Eisenbahn. 
561 
die Frage, wann und inwieweit die Beförderung von Postsendungen vom Westen nach 
den Häsen des Stillen Ozeans bis nach Japan und China erfolgen würde. Es war 
zunächst nur aus Rußland gestattet, den neuen Verkehrsweg für Briefe zu benutzen, 
wahrend die anderen europäischen Länder für ihre Korrespondenz nach dem „fernen 
Osten" auf den Seeweg angewiesen blieben. Es erwies sich aber bald, daß man 
außerstande war, eine solche Bestimmung aufrecht zu erhalten, und daß es Mittel und 
Wege gab, sie ohne Mühe zu umgehen. Die großen Geschäftshäuser in Berlin und 
Wien, in Paris und London hatten das nach Einführung der durchgehenden Züge 
auch mit bestem Erfolge sofort getan. Sie schickten ihre Briefe unter einem Deckkuvert 
fertig adressiert und frankiert an ihre Geschäftsfreunde nach Petersburg und Moskau, 
die sie dort einfach zur Weiterbeförderung nach dem Osten in den nächsten Postkasten 
warfen. 
Die offiziellen Verträge zwischen den westeuropäischen Staaten und Rußland 
brauchten jedoch noch einige Zeit bis zu ihrem vollständigen Abschluß. Man hielt die 
Bahnverbindung durch Sibirien anfänglich noch nicht für gesichert genug, um ihr eine 
so gewaltige Korrespondenz anzuvertrauen. Außerdem hatte man wohl auch einiges 
Mißtrauen in die Wahrung des Briefgeheimnisses durch die russischen Beamten gesetzt, 
wie sie bei uns beobachtet wird. Aber die Verständigung über diesen Punkt erfolgte 
in überraschend schneller Zeit, und schon Mitte September 1903 wurde eine amtliche 
Bekanntmachung erlassen, daß vom 1. Oktober an die sibirische Post die Beförderung 
von Briefen aus Europa für alle Länder im Osten übernehme. An diesem Tage 
gingen die entsprechenden Postsäcke sorgfältig versiegelt über die westliche Grenze von 
Rußland und erreichten genau, wie es vorgesehen war, nach drei Wochen rechtzeitig 
ihr Ziel in Peking, Schanghai und Nagasaki. Hierbei ist jedoch ein Umstand zu be 
achten, der oft übersehen wird. Während in Deutschland, Frankreich und England 
auch die Luxuszüge Briefschaften befördern, geschieht dies in Rußland und Sibirien 
nur durch die eigentlichen Postzüge. Die Wagen der sibirischen Luxuszüge führen 
allerdings auch einen Briefkasten mit sich, aber sein Inhalt wird an der nächsten 
größeren Station entleert und dem eigentlichen Postzug übergeben, der natürlich nicht 
mit derselben Geschwindigkeit fährt. Immerhin ist die Ersparnis an Zeit, die dadurch 
für die Korrespondenz der ganzen Welt hervorgerufen wird, eine bedeutende, da sich 
der Weg fast um die Hälfte verkürzt. Man kann darauf rechnen, daß ein Brief von 
Berlin nach China und Japan fortan nicht länger als 21—22 Tage Zeit zu seiner 
Beförderung beansprucht [f. oben S. 507*)]. 
Ebenso haben unsere Globetrotter nach Eröffnung der sibirischen Bahn für eine 
Reise um die Erde einen ganz andern Rekord vor Augen, als er ihnen noch vor 
kurzem erreichbar war. Wie wurde der brave Phileas Fogg vor dreißig Jahren im 
Berliner Viktoriatheater angestaunt, als er es infolge einer Wette in dem bekannten 
Ausstattungsstück von Jules Verne unternahm, den Kreislauf um unseren Erdball in 
achtzig Tagen zu vollenden! Wir sind ihm und seinem treuen Diener Passepartout 
durch die verschiedensten Länder und Völker gefolgt und haben seine Aufregung mit 
empfunden, als er bei der Heimkehr nach London sich um einen Tag verspätet zu haben 
glaubte, ohne im ersten Augenblick daran zu denken, daß er gerade diesen letzten, ent 
scheidenden Tag infolge seiner Fahrt nach dem Osten und der Umdrehung der Erde 
für seine Wette gewonnen hatte. Gegenwärtig streiten sich die Weltreisenden darum, 
ob man dem Vorbild Phileas Foggs nicht schon in fünfzig oder sogar weniger Tagen 
folgen könne. Natürlich lebt vor allem in den Amerikanern der Ehrgeiz, dies 
Experiment durchzuführen, und soweit es sich bis jetzt übersehen läßt, haben ihre Unter 
nehmungen den entsprechenden Erfolg gehabt. Es handelt sich nur darum, daß man in 
Japan den entsprechenden Anschluß an einen Schnelldampfer findet, der den Stillen 
Ozean kreuzt. Den ganzen Erdball in sieben Wochen zu umschlingen, ist allerdings 
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. 4. Aufl. Zg
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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