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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

590 
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
sparsam. Es herrscht eine gewisse Freudlosigkeit, — und es gibt so vieles, was wir 
zu den Annehmlichkeiten des Lebens rechnen, was wir drüben aber entbehren würde». 
Ja, aber die freiheitliche amerikanische Regierungsform, die vielgepriesene 
amerikanische Freiheit, bietet sie nicht — wird man fragen — auf der einen Seite, 
was auf der anderen fehlt? Ich habe nirgends gefunden, daß in diesem freien Lande 
jeder tun und lassen könnte, was er will. Im Reglementieren wird in den einzelnen 
Bundesstaaten nicht weniger geleistet als in europäischen Ländern, nur steht die Sorg 
falt in der Handhabung der Gesetze im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Zahl. und 
die ausführenden Beamten — das darf ja als eine bekannte Tatsache gelten — sind 
nicht immer der Beeinflussung unzugänglich. So spielt denn, um nur das Augen 
fälligste zu berühren, der Policeman eine erheblich größere Rolle als bei uns, und sein 
an Selbstherrlichkeit grenzendes Regiment wird sich wahrscheinlich öfter nach der 
metallischen Beeinflussung richten, die in der Union eine große Rolle spielt. Mit 
überzeugungsernster Miene sagte mir ein angesehener Amerikaner: „Es wird bei 
Ihnen zu Lande gewiß doch so sein wie bei uns, daß die Gesetze nur auf die Besitzlosen 
angewendet werden." Die Wählbarkeit der Beamten und die vierjährige Wahl 
periode haben Zustände geschaffen, die dem amerikanischen Verwaltungssystem einen 
recht bedenklichen Anstrich geben. Korruption in Gesetzgebung und Verwaltung sind 
in den Vereinigten Staaten üble Krebsschäden des öffentlichen Lebens. Besonders 
häufig und groß ist die Korruption in den Stadtverwaltungen. Viele Stadtväter 
verkaufen ihren Einfluß und ihre Stimmen, wo sich dazu Gelegenheit bietet. Am 
meisten Geld wird verdient, wenn es große Kontrakte, Rechte und Privilegien der 
Stadtgemeinde an Privatgesellschaften zu verschachern gibt. 
Wer könnte wohl zweifeln, daß unsere deutschen Zustände in diesen Dingen un 
gleich besser und lauterer sind, und daß der deutsche Bürger mit ungleich wirksameren 
Rechtsgarantien umgeben ist als der freie amerikanische Bürger? Man mag über 
unser System der polizeilichen Bevormundung denken, wie man will, das eine steht 
sicher fest, daß seine Schattenseiten nicht entfernt an die dunkeln Seiten heranreichen, 
die das amerikanische System mit sich bringt. Daß sich das letztere auch nach der 
kulturellen Seite keineswegs überall als ideale Kraft bewährt hat, und daß es Keime 
zersetzender Kraft in sich trägt, beweist die Tatsache, daß die Bevölkerung ganzer 
Gemeinwesen und Gegenden durchaus rückständig geblieben ist, wie es die weitgehende 
Sektiererei, Teufelsaustreibungen, Tieropfer und sonstiger krasser Aberglaube in die 
Erscheinung bringt. Darüber kann jedenfalls kein Zweifel bestehen, daß die ameri 
kanische Kultur eine nicht unbeträchtliche Last in zahlreichen rückständigen Elementen 
mitzuschleppen hat. Aber auch dieser Schwierigkeiten wird das junge Land Herr 
werden. 
Äußerlich gibt die demokratische Verfassung dem amerikanischen Völkergewoge 
eine große Gleichwertigkeit, sie stellt es gewissermaßen auf gleichen Pegelstand ein. 
Jeder hält sich mit seinem Nebenmenschen für gleichwertig, und er benimmt sich dem 
entsprechend. Jedem steht der Weg zu den höchsten Stellungen offen; auf diesem 
Wege kommt weder seine Bildung noch seine Beschäftigung in Betracht. Die Stellung 
des Mannes im wirtschaftlichen und politischen Leben hängt lediglich von den klingen 
den Erfolgen ab, die er erzielt. Sieht man aber aus seine gesellschaftliche Stellung, 
so wird man mit Überraschung gewahr, daß sich zwischen den nach unseren Begriffen 
gebildeten Menschen und der großen Masse der übrigen Menschen eine scharfe Ab 
trennung vollzieht, die ganz eigenartige Formen annimmt und noch erheblich weiter 
geht als in unserem Beamten- und Militärstaate. Die Klubs sind ganz peinlich 
exklusiv, und nach oben sondern sich immer kleinere und exklusivere ab. Die großen, 
zur Gesellschaft zählenden Milliardäre sind fast unnahbar, und die Mittel, die sie an 
wenden, um ihre Abgeschlossenheit aufrecht zu erhalten, entbehren nicht der Komik.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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