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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

596 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
im Fall des Erfolgs die großen Vermögen, die übrigens nicht selten von den Be 
sitzern mit königlicher Hand wieder gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden. Als 
ein erfreuliches Symptom ist anzusehen, daß diese Riesenfchenkungen nicht minder wie 
kleinere Gaben, abgesehen von den Werken reiner Nächstenliebe, in beträchtlichem Um 
fang der Förderung des Unterrichts und der Wissenschaften gewidmet werden. 
Wie der Entfaltung des Wirtschaftslebens nirgends Fesseln angetan sind, so 
besteht auch im Verkehr der Menschen untereinander die größte Bewegungsfreiheit, 
allerdings oft in uns befremdlichen Formen. Zwischen den jeweiligen Machthabern 
und dem Volk hat sich naturgemäß ein ganz anderer Zusammerihang ergeben als in 
den Monarchien; und da drüben noch alles neuer ist, so möchte ich behaupten, sogar 
noch weit freier und undisziplinierter als in den Republiken der Alten Welt. 
Daß der „Respekt vor der Autorität" in den Vereinigten Staaten nicht über 
mäßig ausgebildet ist, kann nach dem eben Gesagten kaum wundernehmen. Das läßt 
auch ein freundliches Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht recht 
aufkommen. Es machte einen eigentümlichen Eindruck auf mich, als ich in den 
„Union Iron Works" in San Francisco mit dem Schöpfer dieser Werke, Irving 
Scott, durch die Umgebung der Anlagen ging und wahrnahm, daß von allen den Ar 
beitern, die wir auf dem Weg zum Mittagessen trafen, kaum einer seine Mütze vor 
dem in Ehren ergrauten Manne zog, der eine Zierde des amerikanischen Gewerbe 
fleißes ist. Und sie kannten alle Irving Scott! Anderseits werden Pensionen und 
Ruhegehälter in geschäftlichen Betrieben nur in den seltensten Fällen gewährt. Wer 
nicht mehr im vollen Umfang zu arbeiten vermag, — selbst wenn er in dem gleichen 
Betrieb alt geworden ist — muh gehen; rücksichtslos erhält er seinen Laufpaß, er hat 
jüngeren Kräften zu weichen, die arbeitsfähiger sind. So erfordert es das Interesse 
des Geschäfts, und etwas anderes darf nicht in Frage kommen. „Hilf dir selbst", 
so heißt es auch hier. „Wir haben gute Löhne und Honorare gezahlt, — davon 
hätte genügend zurückgelegt und für Alters- und Lebensversicherungsprämien ver 
wandt werden können". In den Bank- oder Jnduftriegesellfchaftsbilanzen habe ich, 
soweit ich mich entsinne, Pensionsfonds für Beamte gleichfalls nicht gefunden. Einige 
größere Eifenbahngefellschaften beginnen allerdings mit der Einrichtung von Pen 
sionsanstalten. Das sind aber zunächst Ausnahmen. Gemeinsame Festlichkeiten der 
Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern aus Anlaß eines besonderen Gedenktages gehören 
zu den größten Seltenheiten. Zwei Gruppen stehen sich in dem Arbeitgebertum und 
in der Arbeiterschaft gegenüber, — ohne innere Zusammengehörigkeit und ohne 
„Respekt vor der Autorität" — jede Partei bestrebt, so viel zu gewinnen, wie nur 
immer möglich ist. 
Man muß aber das Volk der Vereinigten Staaten bei der Arbeit selbst gesehen 
haben, um begreiflich zu finden, daß es leisten konnte, was es geleistet hat und zu 
leisten fortfährt. Maschinen überall, um im Großen zu schaffen, und die Arbeits 
teilung so sehr durchgeführt, daß schließlich der Mensch selbst entweder zur Maschine 
oder zum Aufseher einer Maschine geworden ist. Im Gegensatz zu Europa, wo in 
langem geschichtlichen Werdegang die selbständige Individualität eine der schönsten 
und edelsten Blüten der Ausbildung war, hatte in den Vereinigten Staaten ursprüng 
lich die seltsame Paarung von Freiheit und harter wirtschaftlicher Notwendigkeit, die 
wunderliche Verbindung einer menschliche Satzungen nur in beschränktestem Umfang 
kennenden und anerkennenden Selbstwilligkeit nüt rücksichtslosem Zielbewußtsein 
dahin geführt, daß ein Volk von selbstherrlichen Individuen bei der schaffenden Tätig 
keit auf alles Eigensein verzichtete und sich ganz und gar in den Dienst des Arbeits 
zweckes stellte. Wo es möglich ist, die Arbeit in einzelne Handgriffe zu zerlegen, da 
wird der einzelne Handgriff zum Beruf gemacht, weil damit eine Übung gewonnen 
wird, die eine größere Sicherheit in diesem Handgriff gibt, und seine häufigere Wie-
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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