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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

602 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
das sich Knabenträume gern setzen, und das erreicht zu haben, den Mann befriedigt, 
wie es ihn in den Augen der Mitwelt auszeichnet. Das bloße Streben nach Geld 
hat oder, sagen wir vorsichtigerweise, hatte bis vor kurzem einen leichten Beigeschmack 
von Minderwert, es erweckte, als Lebensaufgabe genommen, ein leises Unbehagen. 
Das Bewußtsein, daß Geld nicht das höchste aller Güter sei, zeigt sich immer noch in 
mancherlei Anzeichen lebendig, etwa in der bisweilen rührenden Achtung, die das 
Volk den Gebildeten entgegenbringt, andererseits in der gesellschaftlichen Minder 
schätzung wenigstens des Kleinhandels, wonach z. B. der Sohn eines Mannes, der 
einen offenen Laden hat, nicht Offizier werden kann. — Auf dem Neuland Amerikas 
gibt es — die Ausnahmen bestätigen nur die Regel — nur einen Maßstab der Wer 
tung: den allmighty dollar. Die Aristokratie der oberen Vierhundert ist nur noch 
eine solche des Geldes; die alte Aristokratie der pilgrim-fathers, der Nachkommen 
jener Puritaner, die mit der Mayflower über den Ozean flohen, um ihrer religiösen 
Überzeugung ein Neu-England zu bauen, ist eine überwundene Sage. Nun hat man 
wohl auch schon früher „Geld gemacht"; aber die Wege wie die Ziele waren andere. 
Für die italienischen Renaissancetyrannen, die ihre Gegner hinrichten ließen, um 
sich ihrer Reichtümer zu bemächtigen, für die Cortez oder Warren Hastings, die sich 
in abenteuerlicher Laufbahn märchenhafte Königsschätze in Peru und Indien mit dem 
Schwerte eroberten, würden die Magnaten der Wallstreet von New Park nur ein 
Lächeln der Verachtung haben. Diese Methoden, reich zu werden, würden sie als 
plump bezeichnen; ihre eigene Methode ist weniger geräuschvoll, weniger blendend, 
aber sicherer. Es ist eben die kapitalistische Methode, die in nichts anderem besteht 
als in der durch keine Rücksicht und keine anderweitige Erwägung gehemmten An 
wendung rein ökonomischer Mittel. Im wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe nie 
manden, selbst den Bruder nicht zu schonen, — wie es von einem der großen Kapital 
magnaten tatsächlich erzählt wird — alle, aber auch alle Gefühlsregungen auszu 
schalten, jedes berechtigte und unberechtigte Vorurteil zu vergessen und nur rechnen, 
rechnen, rechnen, das gibt den Kapitalisten amerikanischen Stils. Selbstverständlich, 
um ein Rockefeller oder Jay Gould zu werden, dazu gehört auch noch hohe Begabung, 
große Geschästskenntnis, ungewöhnliche Willensstärke, die feldherrnmüßige Fähigkeit, 
die Gunst des Augenblicks blitzartig zu erkennen und zu benutzen; aber alle die Eigen 
schaften des Intellekts wie des Charakters müssen von jener rechnungsmäßigen Auf 
fassung des Lebens getragen werden, deren erstickende Dumpfheit sich über jede 
Wallung des Gefühls ertötend legt. Jay Gould, den ich eben erwähnte, ein Mann, 
der als blutarmer Hausierer nach New Park kam und als Besitzer von 130 Millionen 
Dollars feine Laufbahn beschloß, sagte kühl vor einer Untersuchungskommission: „Uns 
Finanzleuten ist es ganz gleich, welche Partei am Ruder ist, — uns gilt nur die 
Partei etwas, die wir aufkaufen oder sonst zu unseren Zwecken benutzen können". 
Was an diesen Worten interessant ist, das ist nicht ihr Zynismus, — zynisch sind auch 
andere Leute — sondern die kaltblütige Wertung der Politik vom Standpunkt rein 
des geschäftlichen Vorteils, des „business". — Die Politik selbst, die sonst die Leiden 
schaften im allerhöchsten Maße erregt, die „den Charakter verdirbt", selbst die Hexe 
Politik bewegt nicht das mit dreifachem Erz umpanzerte Herz des Kapitalisten. Dieser 
Zug muß betont werden. Es gibt genug Fälle, daß Leute sich vornahmen, reich zu 
werden, und es wurden, um mit dem Gelde, der Macht, die das Geld gibt, andere 
Ziele zu erreichen. Ich erinnere, um nur zwei berühmte Beispiele zu nennen, an 
Voltaire, der sich m wenigen Jahren durch geschickte Handelsgeschäfte ein großes Ver 
mögen erwarb, um ein Leben großen Stils als Kulturförderer und Wohltäter zu 
führen, an Cecil Rhodes, der sich Reichtümer erwarb, um seinen Herrschertraum vom 
britischen Afrika zu verwirklichen. Demgegenüber aber kennt der Kapitalist, von dem 
wir sprechen, kein anderes Ziel als zu erwerben. Dafür gibt es aber gar keine
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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