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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

604 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
in ein Geschäft ein. Die Höhe seines Soldes richtet sich nach der Art und Güte der 
Arbeit, die er leistet, oder nach dem Grade seiner verwandtschaftlichen oder freund 
schaftlichen Beziehungen zu dem Herrn des Geschäftes. Der Lohn der gewöhnlichen 
Kontoristen (Clerks) und Ladenverkäufer (Shop Assistants) ist weit geringer als 
der gelernter Arbeiter. Er beträgt in New Port für männliche und weibliche Ange 
stellte im Anfange 5—10 Dollars die Woche. Buchhalterinnen und Maschinen 
schreiberinnen steigen im kausmännischen Bureau selten über 15 Dollars. Wirklich 
kaufmännische Tüchtigkeit wird gut gelohnt; so bezahlte ein mittlerer New Yorker 
Großkaufmann einem etwa 30 Jahre alten Reisenden (Salesman) 4000 Dollars 
jährlich, seinem Buchhalter 2000 Dollars. 
Deutsche Kaufleute nehmen gern junge Leute aus Deutschland wegen ihrer An 
spruchslosigkeit, ihrer Zuverlässigkeit und ihrer Sprachkenntnisse. In den eigentlichen 
Geschäftsbetrieb müssen sich diese aber erst einarbeiten, und das Urteil über das, was 
sie in der praktischen Lehre im Vaterlande gelernt haben, ist oft recht hart. „Unsere 
vierjährige Lehrzeit in Bremen war ein grober Unfug", sagte mir wörtlich der In 
haber eines größeren Hauses. 
Größere Betriebe ziehen sich wohl ihre Leute in einer Art Lehrlingssystem her 
an. Ein sehr großes deutsches Haus, das eine ganze Anzahl verschiedener Abtei 
lungen umfaßt und viele Beamte beschäftigt, stellt, selbstverständlich gegen ortsüblichen 
Lohn, aber ohne bindende Verträge, nur junge Anfänger an. Von ihnen verlangt es 
gute Elementarbildung und Beherrschung des Englischen und Deutschen. Sie werden 
in allen Abteilungen des Geschäfts ausgebildet und dauernd dann dort beschäftigt, 
wo sie das meiste Interesse und Geschick gezeigt haben. Von ihnen rücken dann die 
Tüchtigsten in die leitenden Stellen auf. Diese Art der Herausbildung des Personals, 
die man Civil Service System nennt, scheint eine gute Vermittlung zwischen der 
deutschen Lehre und der amerikanischen Lohnarbeit zu sein und fördert gleichzeitig die 
Interessen des Prinzipals und der Angestellten. 
Kein deutscher Handlungsgehilfe, der nicht entweder gute Verbindungen oder 
reichliche Mittel besitzt, sollte übrigens in die Vereinigten Staaten auswandern. Das 
Angebot ist groß. Ein tüchtiger junger Mensch von etwa 25 Jahren schätzte sich nach 
monatelangem, vergeblichem Suchen glücklich, in New Park eine Stelle zu finden, wo 
er für 8 Dollars Wochenlohn täglich von 8—6 hinter dem Ladentisch stehen mußte. 
Das ist ein Lohn, den ein tüchtiger Bauhandwerker in guten Zeiten in einem Tage 
verdienen kann. 
Der Amerikaner aus guter Familie, der Kaufmann wird, macht die Elementar 
schule, die Mittelschule und das College durch. In diesem ging er früher stets durch 
klassische oder naturwissenschaftliche, jetzt manchmal auch durch volkswirtschaftlich, 
technisch oder handelswissenschaftlich gefärbte Studiengänge hindurch. Durch die Ab 
solvierung eines angesehenen College wird er in die aristokratische Gemeinschaft der 
Akademiker aufgenommen. Seine handelstechnische Ausbildung erwirbt er sich oft 
nachträglich durch den Besuch eines Business College. 
Wie ein deutsch-amerikanischer Handelsherr großen Stiles, dem Geschäftsfreunde 
in aller Welt zu Diensten stehen, die Kaufmannsausbildung auffaßt und angreift, 
zeigt folgender Erziehungsplan. Der Betreffende beabsichtigte, seinen Sohn nach voll 
endeter Mittelschulbildung zunächst 4% Jahr ins väterliche Geschäft zur Erlernung 
des allgemeinen Kontordienstes zu nehmen. Dann sollte er nach Berlin ins Bank 
geschäft und von dort in eine deutsche Wollkämmerei. Darauf sollte er in Rußland 
im Dongebiet die Erzeugung und den Einkauf der Teppichwolle in der Praxis kennen 
lernen und hierauf in London an den Wollauktionen teilnehmen. Von London sollte 
er nach Australien und dann nach Südafrika gehen und von dort zum zweiten Male 
die Londoner Auktionen besuchen. Zu guter Letzt sollte er in Argentinien Erzeugung,
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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