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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

608 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
auf Gesundheit und Kraft des Körpers niemals hinter der Fürsorge für die geistige 
Entwicklung zurückstehe. Daher der volle freie Schultag (Sonnabend), das Verbot 
der häuslichen Arbeiten, die Beschränkung auf 5 Unterrichtsstunden usw. Ein deutscher 
Knabe, der eine gute Volksschule mit gutem Erfolge durchgemacht hat, wird dem 
Amerikaner, welcher die Grammarschule verläßt, wahrscheinlich überlegen sein, noch 
größer wird die Überlegenheit eines guten Gymnasialabiturienten sein gegenüber dem 
Amerikaner, der die Hochschule durchgemacht hat.*) Nehmen wir aber die Massen und 
fragen wir uns nach dem Bildungsstande des Durchschnittsschülers, der Millionen, die 
die Volksschulen besuchen, dann dürfte das Bild ein ganz anderes werden. Sowohl 
in Kenntnissen, als auch in Gewandtheit bei der Anwendung, noch mehr aber in 
Willenskraft, Selbständigkeit im Denken und Handeln, klarem Blick und Verständnis 
für die Anforderungen und Lagen des praktischen Lebens wird der amerikanische 
Knabe — und wahrscheinlich noch viel mehr das amerikanische Mädchen — unsern 
deutschen Kindern bei weitem überlegen sein, und ich bin der Meinung, daß trotz un 
serer längeren Erfahrung und der besseren Durchbildung unserer Methoden wir doch 
dem amerikanischen Erziehungssystem manche Anregung und Belehrung entnehmen 
könnten und sollten. Wenn man sieht, wie die Kinder durchweg frisch und lebhaft 
dem Unterricht folgen (freilich in Haltung und Betragen von einer Ungeniertheit, die 
uns sehr fremdartig anmutet), wenn man hört, wie die Lehrer und die Lehrerinnen 
sich freuen über das Verhältnis zu ihren Schülern, wie sie stolz darauf sind, daß eine 
große Zahl die Schule liebt und ihrer Liebe und Verehrung für sie auch häufig noch 
nach langen Jahren Ausdruck gibt, wenn man sieht, mit welcher Energie die jungen 
wie die älteren Kreise an ihrer Weiterbildung arbeiten, wie die Fortbildungsschulen, 
Vorlesungen, Bibliotheken benutzt und geschätzt werden, dann sollte uns dies doch wohl 
zum Nachdenken anregen. 
Zweifellos hat das amerikanische Schulwesen große Mängel und Schwächen. 
Die Schulpflicht ist zwar vielleicht in allen oder doch in den meisten Staaten einge 
führt, aber nicht entfernt durchgeführt. Von vornherein ist sie weit weniger 
ausgedehnt als bei uns. In New Jork z. B. beansprucht sie das Kind nur vom 8. bis 
zum 12. Lebensjahre für das ganze Schuljahr, vom 12. bis zum 14. Jahre für ein 
halbes Schuljahr, für das zweite halbe Schuljahr nur, wenn das Kind n i ch t in regel 
mäßiger Beschäftigung irgendwo steht, für das 14. bis 16. Jahr gleichfalls nur, wenn 
das Kind nicht in regelmäßiger Beschäftigung steht. Die unbedingte Schul 
pflicht gilt also nur für 4 ganze und 2 halbe Schuljahre. Allerdings besucht ein großer 
Teil der Kinder die Schulen über die Pflichtzeit hinaus, noch größer aber ist in ganz 
Amerika der Teil, der nicht regelmäßig zur Schule kommt. Von 12 Millionen ein 
geschriebener Kinder sind im Durchschnitt nur 8 Millionen tatsächlich in den Klassen 
anwesend. Größere Gemeinden haben daher eigene Beamte angestellt, die die säu 
migen Kinder aufsuchen und zur Schule zu bringen haben. New Pork unterhält 9 
solcher Beamten. Man sucht diesen übelstand mit aller Energie zu beseitigen, doch 
werden voraussichtlich noch lange Jahre vergehen, ehe auch nur annähernd der 
Zustand erreicht ist, der in Preußen und Deutschland als selbstverständlich gilt, daß 
jedes schulpflichtige Kind auch regelmäßig die Schule besucht. 
Auch in der Methode sind zweifellos recht viele, vielleicht auch große Mängel 
vorhanden. Der Amerikaner ist dafür auch nicht blind, stets bereit, zu lernen, und 
vielleicht eher geneigt, die Vorzüge und Vorsprünge anderer Nationen zu hoch als zu 
*) Das amerikanische Schulwesen zerfällt in 3 Teile: die sog. Primar-(Elementar-) 
Schule mit 3—4 jährigem Lehrgang, die Grammarschule mit 4 jährigem Lehrgang und die 
Hochschule (unsern Gymnasien ähnlich) ebenfalls mit 4 jährigem Lehrgang, hieran schließt sich 
die Universität. B a h r a. a. O. S. 222. — G. M.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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