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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

610 
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
vorderste Reihe des Weltgroßhandels zu treten, da reihte sich dieser neu erblühende 
Handelszweig in Europa ganz selbstverständlich und unbewußt und wirtschaftlich 
völlig korrekt als ein Glied in die bestehende Handels- und Transportorganisation ein. 
Zu diesem Zwecke mußte das an und für sich fester Formen entbehrende Getreide 
der Kolliform angepaßt werden, und das geschah, indem man das Getreide in Säcke 
füllte, wie man zu diesem Zwecke Flüssigkeiten, insbesondere Petroleum, in Fässer goß. 
Dieser äußerlich-technischen Absonderung des Getreides entspricht auch eine 
ideelle, juristische. Denn während die hochwertigen, von Natur regelmäßig zur Kolli 
form prädestinierten Handelsgüter — von Metallen abgesehen — auch regelmäßig 
nicht fungibil sind, d. h. die rechtlich-wirtschaftliche Eigenschaft, daß gleiche Quantitäten 
gleicher Qualität als gleich gelten, entbehren, besitzen sie Massengüter, wie Getreide, 
wie Petroleum, wenigstens in bestimmten Grenzen, von Natur aus. Dadurch aber, 
daß das Getreide durch die Sackung, die mit einer Zeichnung des einzelnen Sackes 
verbunden zu sein pflegt, rein äußerlich von seiner Gattung gesondert wird, büßt es 
auch in weitgehendem Maße juristisch seinen generellen Charakter, seine Fungibilität, 
ein. Abgesehen von einzelnen modernen Vörseneinrichtungen, haben daher die Rechts 
geschäfte, insbesondere Kauf, Depositum, Verpfändung, im europäischen Getreide 
handel dieselben Rechtssormen wie hochwertige Kolliwaren; sie sind berechnet auf eine 
juristische Spezies und entbehren — mit nur unwesentlichen Ausnahmen — jeder dem 
Getreidehandel besonderen Eigenart. Danach ist es also für den europäischen und 
vor allem deutschen Getreidehandel von entscheidender Bedeutung geworden, daß hier 
der Entwicklung des internationalen Großhandels nicht nur eine weitgehende Ent 
wicklung der Getreideproduktion vorausgegangen ist, sondern auch eine detaillierte 
Ausbildung der Handelsorganisation und Transporttechnik, die kräftig und dehnbar 
genug waren, um jeden neu emporkommenden Handelszweig ihrer Eigenart anzu 
passen. Durch diese Anpassung erhielt der europäische Getreidehandel seine beiden 
Hauptcharakteristika: für die Verkehrstechnik den Grundsatz des Kollitransports und 
für die rechtliche Organisation den der Nichtfungibilität. 
Ganz anders war die Entwicklung und das Resultat dieser Entwicklung jenseits 
des Ozeans. Die Vereinigten Staaten sind ein Land ohne Vergangenheit, ohne 
Geschichte, ohne Tradition. Als daher durch jene bekannten Ursachen, insbesondere 
durch den welthistorischen Prozeß der Besiedelung des Westens, plötzlich Amerika aus 
dem unentwickelten, im Welthandel höchstens als Importland eine Rolle spielenden 
Kolonialstaate sich zum ersten Getreideexportlande emporschwang, da gab es keine 
ausgefahrene Bahnen, in die der Handel den ungeheuren Getreidestrom leiten konnte. 
Wie der Handel hier meist die Produktion erst hervorrief, so mußte er auch seine 
Organisation erst neu sich schaffen, und, ungehindert durch fremde Einflüsse und alte 
Traditionen, konnte er diese völlig frei der Eigenart der Handelsware anpassen. Die 
Eigenart des Getreides als Handelsware besteht aber, wie bereits angedeutet, in 
zweierlei: erstens rechtlich in der Fungibilität, zweitens technisch in der sog. Trocken 
flüssigkeit, d. h. in der Fähigkeit, ohne Substanzschädigung im weitgehendsten Maße 
geteilt, jeder Form angepaßt und gleitend durch das eigene Gewicht, ohne fremde Hilfe 
fortbewegt werden zu können. Dieser doppelten Eigenart konnte aber nicht nur die 
Organisation und Technik des amerikanischen Getreidehandels ungehindert angepaßt 
werden, sie mußte es auch. Dieser Zwang lag in den eigenartigen Produktions 
verhältnissen. Jene weiten Länderstrecken des fernen Westens wurden in Kultur ge 
nommen von ärmlichen zusammengelaufenen Einwanderern, die regelmäßig außer 
ihrer Arme Kraft und der Freigebigkeit des jungfräulichen Bodens kein weiteres 
Kapital besaßen; es bestand also Mangel an Betriebskapital und an Arbeitskraft; 
Kapitalzins und noch mehr Arbeitslohn waren unerschwinglich hoch, wenn überhaupt 
fremdes Geld und fremde Arbeitskraft zu haben waren.
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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