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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

618 Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
fallend fälschlich angegeben waren. So waren z. B. Glaswaren (Klasse 1) bezeichnet 
als irdene Ware (Klasse 4), Drucksachen (Klasse 1) als Druckpapier (Klasse 3), Spiegel 
glas (Klasse 1) als Fensterglas (Klaffe 4) u. dgl. Als Inhalt eines Wagens waren 
Holzwaren angegeben. Die Untersuchung ergab, daß er zahlreiche andere Gegen 
stände, als Bürsten, Drogen, Pappsachen, ja sogar ein Zimmerharmonium enthielt. 
Die Frachthinterziehung belief sich für diesen Wagen auf etwa 1800 Dollars. 
Einen weiteren Mißstand bildet der Fahrkartenhandel auf den ameri 
kanischen Bahnen, das sog. „Skalpiergeschäft" (man bezeichnet die Fahrkartenhändler 
mit dem Ausdruck: Diellei: seuipers). 
Die Skalpierer sind wohl zu unterscheiden von den, von den Eisenbahnen selbst 
angestellten Fahrkartenhändlern, die im Auftrage der Bahnen die Fahrkarten zu den 
selben Preisen wie die Bahnen verkaufen. Die Skalpierer verkaufen billiger als die 
Bahnen. Ihr Gewerbe besteht darin, daß sie einmal von den Eisenbahnen die für 
längere Reisen, für Rückfahrten, zu ermäßigten Preisen ausgegebenen Fahrkarten, 
ferner die Zeitkarten, die Tausendmeilenkarten usw. erwerben und dann Teile dieser 
Karten für Einzelreisen wieder an das Publikum abgeben. Wenn sie sich von den 
Reisenden auch ein Aufgeld hierfür geben lassen, so können sie doch immer geringere 
Preise stellen als die Bahnen. Ferner erwerben die Skalper von dem Publikum 
unbenutzte Rückfahr- und sonstige ermäßigte Karten zu geringerem Preise, die sie 
dann mit Nutzen weiterveräußern: dabei erzielen sie also doppelten Gewinn. Be 
sonders sind sie stets bei der Hand, wenn bei Tarifkriegen die Eisenbahnen Massen 
von Karten zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen. Da blüht so recht ihr Weizen, 
denn diese Fahrkarten werden von den Skalpern in Menge aufgekauft und oft noch 
Monate nach Beendigung des Kriegszustandes an das Publikum zu etwas niedrigeren 
als den regelmäßigen Preisen abgegeben. All dies geschieht unter den Augen der 
Eisenbahnen. Mit welcher Harmlosigkeit, davon erzählt ein englischer Fachmann, 
van Oß, in seinem vortrefflichen Werke über die amerikanischen Eisenbahnen ein 
eigenes Erlebnis. Er wollte von Kalifornien nach Chikago und zurück reisen. In 
seinem Gasthof fragte er nach der nächsten Fahrkartenverkaufsstelle, worauf ihm der 
Kellner empfahl, nicht zu dieser, sondern zu einem Skalper zu gehen. Der Skalper 
ging mit ihm auf das Bureau der Eisenbahn und stellte ihn dort vor. van Oß be 
zahlte darauf den gewöhnlichen Preis von 75 Dollars, erhielt aber alsbald vom 
Skalper W/2 Dollars, d. h. den sechsten Teil des Fahrpreises zurück. Natürlich er 
hielt auch der Skalper seine Provision! 
Wird das Geschäft noch so betrieben, so ist es zwar nicht schön, aber nach 
amerikanischen Anschauungen wenigstens nicht unehrenhaft. Nun gehen aber die 
Skalper noch einen Schritt weiter. Sie kaufen von den Eisenbahnbediensteten Frei 
karten, sie verleiten das Eisenbahnpersonal zur Wiederveräußerung abgefahrener, 
entwerteter Karten, sie gehen über zu Fahrkartenfälschungen. Das führt zu einer 
völligen Verderbnis des Bahnpersonals und zu fortgesetzten Betrügereien und Durch 
stechereien. 
Die eigentliche innere Ursache dieser und anderer Mißstände ist die regellose, 
unbeschränkte Konkurrenz im amerikanischen Eisenbahn- und Geschäftsleben. Eine 
solche läßt sich wirksam nur durchführen, wenn sie heimlich betrieben wird, wenn 
dem Geschäftsmann die Mittel, mit denen fein Konkurrent dasselbe Geschäft betreibt, 
verborgen bleiben. Damit steht aber die Öffentlichkeit der Eisenbahntarife in Wider 
spruch; aus diesem Grunde haben sich die Eisenbahnen gegen die Veröffentlichung 
ihrer Frachtsätze gewehrt und suchen sie heute noch zu umgehen. Es hat langer 
Jahre bedurft, ehe bei den Eisenbahnen die Erkenntnis zum Durchbruch kam, daß eine 
solche Konkurrenzmacherei ihren eigenen Interessen widerspreche, und daß es auch 
für sie vorteilhafter ist, einen Teil ihrer Selbständigkeit zu opfern und sich mit
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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