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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

15. Das amerikanische Schutzsystem. 
625 
Bis 1861 hießen die beiden Seiten des Wirtschaftslebens Norden und Süden, 
nach dem Sezessionskriege Osten und Westen. In den Debatten des Kongresses über 
das Zollwesen finden die Wünsche der verschiedenen Landesteile einen lauten Wider 
hall. Doch gestalten sich hier die Forderungen nicht so einfach, daß etwa — was 
freilich die Hauptsache ist — die Fabrikanten nur nach Schutzzoll rufen, „um die 
jugendliche Industrie vor der überseeischen Konkurrenz zu retten", und daß die Baum- 
woll-, Tabak- und Getreidebauern verlangen, Europa möge nur dauernd seine Waren 
bei ihnen absetzen, um damit die Produkte der amerikanischen Landwirtschaft kaufen 
zu können. Vielmehr kommt der Schutzanspruch für Wolle, Hanf, Kohle, Eisenerze, 
Kupfer, Zink, Zinn usw. noch hinzu, gegen den die Industriellen mit Freihandels 
argumenten plädieren. Endlich erscheint noch der Chor der Reeder und Kaufleute 
auf der Bühne des wirtschaftlichen Konflikts, die sowohl importieren wie exportieren 
wollen und, wie zwischen Ländern, so zwischen Theorien vermitteln zu können vermeinen. 
Die Entscheidung der Differenzen wird nicht selten durch die Finanzpolitik 
diktiert, weche entweder ein Mehr oder ein Weniger an Einnahmen vertritt. Im er 
steren wie im letzteren Falle können ihr die Zölle zu hoch oder zu niedrig sein. Tragen 
dieselben einen prohibitiven Charakter, so sollen sie herabgesetzt werden, damit mehr 
ausländische Ware über die Grenze geht und die Zollkasse gefüllt wird; sind sie gering, 
so soll der Steuerfuß aus dem gleichen Grunde erhöht werden. Wenn hingegen die 
Einnahmen schwinden sollen, so kann die Prohibition das richtige Mittel fein, aber 
auch Zollminderung, falls nach derselben eine nur mäßige Zunahme der Waren 
einfuhr in Aussicht steht. 
Die Sprecher der geschilderten wirtschaftlichen und finanziellen Interessen sind 
die p o l i t i s ch e n P a r t e i e n des Landes. Es gibt deren zwei seit der Begründung 
der Union, deren Name mehrfach im Verlaufe des Jahrhunderts gewechselt hat. Seit 
dem Sezessionskriege heißen sie ununterbrochen Republikaner und Demokraten. Bis 
weilen hat sich, wenn breitere Volksschichten mit ihnen unzufrieden waren, eine dritte 
gebildet, die indessen immer ohne Bestand gewesen und mit den Hauptparteien rasch 
verschmolzen ist. In den ersten sechzig Jahren des vorigen Jahrhunderts bestand ein 
prinzipieller Gegensatz zwischen den damaligen großen Parteien, welcher auf staats 
rechtlichem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiete einen Ausdruck fand. Die eine 
vertrat den Süden, die Souveränität der Einzelstaaten, den Freihandel, die Sklaverei, 
ihre Gegnerin den Norden, den bundesstaatlichen Zentralismus, den industriellen 
Schutzzoll und die Abolition. Mit dem Kriege waren diese Streitfragen zugunsten 
des Nordens entschieden, dennoch aber blieben die Parteien fortbestehen, die republi 
kanische als überwiegend im Besitze der Regierungsgewalt, die demokratische als die 
der Opposition. Durchgreifende Prinzipien haben sie bis 1888 weder aufgestellt noch 
vertreten. Ihr Wesen bestand mithin darin, daß sie zwei Einrichtungen waren, durch 
welche Politiker zu bezahlten Ämtern kommen, und durch welche private und Klassen 
interessen sich die Staatsgewalt dienstbar machen konnten. Von den großen Fragen, 
welche das Volk und den Staat ernstlich angingen, ergriff jede Partei zur Zeit, was 
ihr als das Nützlichste erschien. In bezug auf den Tarif war die Mehrzahl der Demo 
kraten für ein Finanzzollsystem (tariff for revenue only), die der Republikaner für 
den Schutz der amerikanischen Industrie und Arbeit, für das sog. amerikanische 
S y st e m, ohne jedoch daraus einen unantastbaren Programmpunkt zu machen. Die 
Demokraten verteidigten gelegentlich auch die Eisenindustrien in Pennsylvanien, 
Georgia und Südtennessee, sowie die Zuckerproduktion von Louisiana, in welchen 
Staaten sie einen festen Stamm von Wählern hatten, und die Republikaner die kauf 
männischen Interessen der atlantischen Hafenstädte. 
Erst bei der Präsidentenwahl von 1888 und dann wieder 1892 wurde der Tarif 
eine scharfe Scheidewand zwischen beiden Parteien, 1896 trat er aber hinter die Geld- 
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. 4. Aufl. 4g
	        

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Die Bodenreform Im Lichte Des Humanistischen Sozialismus. Verlag von Duncker & Humblot, 1913.
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