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Die Nationalökonomie in Frankreich

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Bibliographic data

fullscreen: Die Nationalökonomie in Frankreich

Monograph

Identifikator:
890892032
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-34137
Document type:
Monograph
Author:
Waha, Raymund de http://d-nb.info/gnd/117560855
Title:
Die Nationalökonomie in Frankreich
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Verlag von Ferdinand Enke
Year of publication:
1910
Scope:
1 Online-Ressource (XIX, 540 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Buch I Die liberale Schule
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Nationalökonomie in Frankreich
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Buch I Die liberale Schule
  • Buch II Die katholischen und verwandten Richtungen
  • Buch III Interventionismus, Solidarismus und Protektionismus
  • Buch IV Die Nationalökonomie bei den Philosophen und Soziologen
  • Schlusswort

Full text

Die Gruppe der Historiker 
139 
Stets war der Autor darauf bedacht möglichst alle Tat 
sachen aus ersten Quellen zu schöpfen. Dazu unternahm er 
italienischen , englischen und deutschen. Die Anschauung, daß die mittelalter 
lichen Zünfte sich aus den römischen Kollegien entwickelt hätten, bekämpft er 
aufs entschiedenste. Über die Zünfte urteilt Levasseur : die römischen Kollegien 
gingen in der Völkerwanderung unter. Durch Jahrhunderte wurden sie durch 
nichts ersetzt. Die Zünfte entstanden spontan im XII. und XIII. Jahrhundert 
als wirtschaftlicher Zusammenschluß der in dem kommunalen Befreiungsprozeß 
dieser Periode aus der Hörigkeit zur persönlichen Freiheit gelangenden gewerb 
lichen Bevölkerung. Die Zünfte existierten zunächst nur in einigen Städten und 
waren weit geöffnet. Aber der Monopolgeist war im Herzen der Einrichtung 
drin. Dieser Geist entwickelte sich in dem Maße, als die Zünfte an Zahl zu 
nahmen. Er diente dem Interesse der Handwerksmeister sowohl als dem der 
königlichen Gewalt, in deren Augen die Zünfte ein Element der Ordnung und 
der Befestigung der Zentralgewalt waren. Nach dem hundertjährigen Kriege 
und im XVI. Jahrhundert verbreitete sich das korporative System schnell. 
In der Periode der Religionskriege wucherten die Schäden des Zunft 
wesens am üppigsten. Das absolute Königtum des XVII. Jahrhunderts unter 
warf die Zünfte strenger Beaufsichtigung und vermehrte deren Zahl aus fiska 
lischen Gründen; es stürzte sie in Schulden, indem es Geld aus ihnen preßte; 
es hielt die Privilegien und die hierarchischen Ungleichheiten, welche mit der 
Gesamtheit der Institutionen der Monarchie harmonierten, aufrecht, indem es 
selbst autoritativ die Fabrikationsverfahren reglementierte, und indem es seine 
Hand schwer auf den Gesellen lasten ließ, um sie in Unterordnung unter ihre 
Meister zu erhalten. 
Im Mitteltalter waren die Zünfte eine vorteilhafte Einrichtung. Den auf 
keimenden Gewerben gaben sie einen heimischen Herd, den Handwerkern sicherten 
sie Schutz gegen Unterdrückung; sie versuchten, wenn auch mit geringem Er 
folg, loyale Fabrikation zu garantieren; ihnen verdankten die Handwerksmeister 
eine geachtete, ehrenvolle soziale Stellung, sie waren für Meister und Gesellen 
eine Stätte fröhlicher, geselliger Unterhaltung. Dagegen hafteten ihnen fast von 
Anfang an Mißstände an, die mit der Zeit zunahmen : in ihnen verkörperten 
sich Routine und Monopoltendenzen ; sie erwiesen sich als ein Hemmnis des ge 
werblichen und des wirtschaftlichen Fortschritts, sowie der Großindustrie; sie 
verleiteten die Handwerker zu vielen überflüssigen Ausgaben. 
Der Schutz der Zünfte war wahrscheinlich im XVI. Jahrhundert, sicher 
aber im XVII. und XVIII. Jahrhundert nicht mehr nötig, denn die allgemeine 
Polizeigewalt des Staates genügte damals zur Sicherung der individuellen Rechte. 
Die Lage der Gesellen in den Zünften war eine solche strenger Abhängig 
keit von den Meistern. Die Zünfte waren eine Art beständiger und stillschwei 
gender Koalition gegen jede Lohnerhöhung. Allerdings vermochte diese das 
Spiel von Angebot und Nachfrage nie ganz auszuschalten ; aber sie war wirksamer 
als die, welche man heute den Trusts vorwirft, weil die beruflich streng 
geschiedenen Gesellen nicht über die Kompensation eines freien Marktes ver 
fügten. Levasseur Histoire avant 1789, Bd. II, p. 908 ff., 941 ff.
	        

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Die Nationalökonomie in Frankreich. Verlag von Ferdinand Enke, 1910.
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