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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

87 
fühlen würde, diese Summe, das sogenannte steuerfreie Notenkontingent, zu 
überschreiten, wenn der Zinsfuß über 5 Prozent betragen sollte. Denn wenn 
bei der Diskontierung die Bank etwa 4 Prozent verdient, aber 5 Prozent 
Notensteuer zahlen muß, erleidet sie ja einen Verlust. Ein Diskontsatz, der 
5 Prozent übersteigt, erschien als das Zeichen wirklich begründeter Geld 
knappheit, welche eine Mehremission von Noten rechtfertigen dürfte. Es hat 
sich inzwischen gezeigt, daß die Notenbank im Interesse der Handelswelt 
mehrfach genötigt war, besteuerte Noten auszugeben, ohne daß der Diskont 
satz 5 Prozent erreicht hätte. 
Wenn man so die Zufälligkeit sieht, welche der 1/3- oder ^/^-Deckung 
anhaftet, wobei man s<ich noch überdies darüber klar sein muß, daß diese 
sogenannte Metalldeckung in Österreich-Ungarn zum Teile aus metallischem 
Zeichengeld besteht, so muß man sich fragen, ob nicht irgend ein be 
deutsamer Zusammenhang zwischen der M e t a 11 deckung und 
der zirkulierenden Notenmenge besteht. Am meisten dürfte 
noch folgende Überlegung die Klärung dieser Frage fördern. Wenn viele 
Noten zirkulieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Leute Devisen 
kaufen wollen, weshalb ein Gold- oder Devisenvorrat bereitgehalten werden 
muß. Man sieht, daß nicht die Notenmenge an sich einen Bestand an Aus 
landszahlungsmitteln notwendig macht, sondern jener Teil der Notenmenge, 
welcher zur Beschaffung von Devisen dient. Ob aber viel oder wenig De 
visen angeschafft werden, hängt vom Außenhandel ab. Und ob es zu Gold 
exporten kommt, die dazu dienen, Devisen herbeizuschaffen, das hängt wieder 
davon ab, ob die Zahlungsbilanz eines Landes aktiv oder passiv ist. Die 
Zahlungsbilanz wieder ist oft in erster Reihe durch die Handelsbilanz be 
stimmt. Wir können daher eher eine Beziehung zwischen der Handelsbilanz 
und der Golddeckung aufstellen. Wir sehen daraus auch, daß die Metall 
deckung, soweit sie aus metallischem Zeichengeld besteht — in Österreich- 
Ungarn aus Silbergulden und Teilmünzen der Kronenwährung —, nicht mit der 
Golddeckung zu einem Ganzen vereinigt werden kann, wie dies so oft geschieht. 
Das metallische Zeichengeld hat eher den Charakter von Noten und es würde 
manches dafür sprechen, die Zirkulation von metallischem Zeichengeld ebenso 
wie jene von papierenem Zeichengeld zu behandeln. 
Wird mobilisiert oder beginnt der Krieg, so benötigt der Staat, wie wir 
schon erwähnten, große Mengen an Goldgeld. Dies ist am meisten der Fall, 
wenn es sich um einen Krieg mittleren Umfanges handelt, in dem die neu 
tralen Mächte Waren zu liefern vermögen. In einem Weltkrieg 
hat das Gold wahrscheinlich geringere Bedeutung, weil ja eine Beschaffung 
von Waren aus neutralen Gebieten nicht möglich ist, falls es überhaupt Mächte 
geben sollte, die sich in einem Weltkrieg neutral verhalten. Um das Gold 
und die Golddevisen dem Staate zu reservieren, werden die Notenbanken 
wohl alle Mittel anwenden, um die Gold- und Golddevisenabgaben möglichst 
zu beschränken. Wo die Barzahlung besteht, wird sie im Kriegsfall meist 
aufgehoben werden. Dies war z. B. in Bulgarien während des Balkan 
krieges der Fall, teilweise auch in Serbien, wo die Einlösung der Geldnoten 
nicht wie bisher in Gold erfolgte, sondern nur zu drei Vierteln in Gold, 
zu einem Viertel in silbernem Zeichengeld. Was soll es für einen Sinn 
haben, die Barzahlung, wo sie besteht, um jeden Preis aufrecht zu erhalten, 
wie manche vorschlagen? Als 1848 die österreichische Nationalbank, die Vor 
gängerin der österreichisch-ungarischen Bank, von einem Run heimgesucht 
wurde, hat sie die Barzahlungen so lange aufrecht erhalten, als sie konnte. 
Sie stellte sie ein, als sie fast kein Geld mehr in ihren Kassen hatte. Diese 
Bereitwilligkeit zur Barzahlung bewirkt keine Erhöhung, sondern schließlich 
eine Erschütterung des Prestiges. Da die Regierung aber Geld brauchte, 
um die Truppen in Italien zu versorgen, mußte das Silber mit großen Kosten 
wieder — zum Teil aus dem Auslande — zurückgekauft werden. Viel zweck 
mäßiger verfuhr die Bank von Frankreich, welche im deutsch-französischen 
Krieg die Barzahlungen zu einer Zeit einstellte, als die Noten zu 2/3 metallisch 
gedeckt waren. Noch weiter ging die bulgarische Regierung während des 
Balkankrieges, indem sie überhaupt jeden Goldexport unmöglich machte. Sie
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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