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Die Arbeiterfrage

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Bibliographic data

fullscreen: Die Arbeiterfrage

Monograph

Identifikator:
891224181
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-65049
Document type:
Monograph
Author:
Levenstein, Adolf http://d-nb.info/gnd/116961155
Title:
Die Arbeiterfrage
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag Ernst Reinhardt
Year of publication:
1912
Scope:
1 Online-Ressource (406 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
E. Die Stellung der Arbeiter zu den außenberuflichen Kultur- und Lebensproblemen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Arbeiterfrage
  • Title page
  • A. Erhebungs-Methode
  • B. Das seelische Verhältnis der Arbeiter zu ihrer berufsmäßigen Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen
  • C. Die positive Wünsche der Arbeiter in bezug auf die Umgestaltung ihrer ökonomischen Lage
  • D. Die Beziehungen der Arbeiter zu den sozialen Gemeinschaften
  • E. Die Stellung der Arbeiter zu den außenberuflichen Kultur- und Lebensproblemen
  • F. Schluß

Full text

355 
28* 
Lange habe ich dann die beiden Frühauf betrachtet. Dafür 
waren sie mir dankbar und stellten sich mir vor als Mann und 
Weib — Herr Rose und Frau Röschen Buschwind. Auf 
meine Frage, ob sie denn nicht bereuen, so zeitig aufgestanden 
zu sein, da sie doch bei den kalten Nächten frieren müßten, er 
zählte Frau Röschen gar geschwätzig: Sie hätten lange ge 
schlafen. Als aber die Sonne in ihre Fenster geschienen Jund 
der Gesang der Vögel zu ihnen drang, sei sie aufgestanden, 
habe den Fensterladen leise geöffnet und vorsichtig hinaus 
geguckt. Da habe sie der Haselstrauch erblickt, bei welchem 
sie eingemietet sind. Der habe gelacht und gerufen: Nun aber 
raus, Du Langschläfer. Alle meine Töchter haben schon Hoch 
zeit gemacht und sich in ihre ehelichen Gemächer zurück 
gezogen. Nur eine liebäugelt noch oben mit ihrem Schatz. Da 
habe sie hinaufgesehen und die kleine Person bemerkt, wie 
sie im purpurroten Brautkleide die Gaben ihres hundertmal 
größeren Bräutigams entgegennahm. 
Da habe sie ihrem Manne zugerufen: Steh auf, Du Faul 
pelz. Wie aber die Männer sind, der habe sich Zeit genommen. 
Sie aber habe die Tür aufgemacht und sei hinausgegangen, 
dann habe es ihm wohl keine Ruhe gelassen, denn er sei ihr 
nach einiger Zeit nachgelaufen. Träumend ging ich fort. Dies 
schien beiden sehr angenehm, und als ich mich noch einmal 
umsah, winkten sie mir freundlich Lebewohl zu. 
Im April werden sie ihr Liebesieben beenden, denn wenn 
der Mai mit stolzeren Blumenherren und feinen Blumendamen 
seinen Einzug gehalten, ist der milchweiße Brautschleier Von 
Frau Röschen Buschwind grau geworden und wird abgelegt. 
An der Stelle aber, wo sie den gelben Brautkranz trug, trägt 
Frau Röschen dann die Frucht ihrer Frühlingsliebe. Im ein 
fachen grünen Röckchen steht sie dann mit Herrn Rose da und 
sehen neidlos auf all die koketten Blumenschwestern. 
Im August gehen sie dann wieder in ihre Behausung, um 
im nächsten März, wenn Sonnenwärme und Vogelsang sie 
weckt, mit einer zahlreichen Kinderschar wiederzuerscheinen, 
um trotz Sturm und Schnee von neuem Lebensfreude und 
Liebesglück zu genießen. So verplaudere ich die Feierstunden 
mit Blume und Tier, und wenn ich sehe, wie die Wipfel sich 
ganz leise im blauen Äther wiegen, so werde ich immer erin
	        

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Die Arbeiterfrage. Verlag Ernst Reinhardt, 1912.
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