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Die Arbeiterfrage

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Bibliographic data

fullscreen: Die Arbeiterfrage

Monograph

Identifikator:
891224181
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-65049
Document type:
Monograph
Author:
Levenstein, Adolf http://d-nb.info/gnd/116961155
Title:
Die Arbeiterfrage
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag Ernst Reinhardt
Year of publication:
1912
Scope:
1 Online-Ressource (406 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
B. Das seelische Verhältnis der Arbeiter zu ihrer berufsmäßigen Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Arbeiterfrage
  • Title page
  • A. Erhebungs-Methode
  • B. Das seelische Verhältnis der Arbeiter zu ihrer berufsmäßigen Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen
  • C. Die positive Wünsche der Arbeiter in bezug auf die Umgestaltung ihrer ökonomischen Lage
  • D. Die Beziehungen der Arbeiter zu den sozialen Gemeinschaften
  • E. Die Stellung der Arbeiter zu den außenberuflichen Kultur- und Lebensproblemen
  • F. Schluß

Full text

von Kopf und Herz zu erfassen, speziell unser Gefühl und Trieb 
leben aufzuklären.“ * 
Ein anderer Weber: „Ich bin Arbeiter in einer Bandflech 
terei. Das ist eine Arbeit, bei der man die Gedanken ruhig zu 
Hause lassen kann, wenn man nur flinke Hände mitgebracht 
hat. Aber die Gedanken zu Hause lassen, das ist so eine Sache. 
Ich kann das nicht. Da ich sie aber bei meiner Arbeit nicht 
nötig habe, so flattern sie in meinem Kopfe hin und her, wie 
lustige Vöglein. Die tollsten Sprünge machen sie, und dann 
quäle ich mich oft vergebens, sie wieder einzufangen. Ganz 
gewiß ist es: die schönsten Gedanken fallen mir bei der Arbeit 
ein.“ 
Ein Berliner Plüschweber ist der Ansicht, daß die Arbeiter 
sich ihres geistigen Elends gar nicht so recht bewußt sind. 
„Meine Kollegen denken nicht bei der Arbeit, ach jawohl, aber 
nur an die Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse. Die fühlen 
sich nicht als Menschen, sondern nur als Arbeiter und sind als 
solche zufrieden, wenn sie einen guten Verdienst haben. Ge 
wiß, auch ihnen bereitet die Arbeit keine Freude, aber sie sehen 
keinen Ausweg aus dem Dilemma, sie vermögen Ursache und 
Wirkung nicht voneinander zu unterscheiden. Sie trösten sich 
damit: Das war immer schon so und wird auch immer so blei 
ben. Die Arbeit hat sie stumpfsinnig gemacht. Sie können nicht 
mehr nachdenken.“ Ein dritter Weber schreibt: „Meine Hände 
arbeiten, die Augen sehen zu. Aber die Phantasie arbeitet. Sie 
schafft Gestalten und läßt diese Gespräche führen, Fragen stellen, 
Antworten geben und in alle möglichen und unmöglichen Si 
tuationen geraten . .“ Ein ganz alter Förster Spinner quält sich 
seit Jahren am Webstuhl mit einer unendlich laienhaften Ka- 
tastrophen-Theorie herum. Denkt über die Erdbeben nach und 
glaubt, das Festland der nördlichen Erdkugel sinkt ins Meer, 
um auf der südlichen neu zu erstehen, da dort noch jungfräu 
licher Urboden sei. Hält die nördliche Halbkugel nicht mehr 
für fähig, eine Höherentwicklung der Gesamtmenschheit zu tra 
gen. Kommt dann zu einer Weltalltheorie. Das All, der Raum. 
Raum heißt das All nur, soweit Stoff vorhanden ist. Im Raum 
befinden sich Universen. Dieses Universum bleibt immer auf 
* Adolf Levenstein, „Aus der Tiefe“. Beiträge zur Seelen-Analyse mo 
derner Arbeiter. Berlin W 9, 1909, Morgen-Verlag. 
105
	        

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Die Arbeiterfrage. Verlag Ernst Reinhardt, 1912.
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