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Sozialismus und Regierung

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Bibliographic data

fullscreen: Sozialismus und Regierung

Monograph

Identifikator:
895241919
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-18464
Document type:
Monograph
Author:
MacDonald, J. Ramsay http://d-nb.info/gnd/118729896
Title:
Sozialismus und Regierung
Place of publication:
Jena
Publisher:
Eugen Diederichs
Year of publication:
1912
Scope:
1 Online-Ressource (XXIV, 186 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
III. Die politische Organisation des Staates
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Sozialismus und Regierung
  • Title page
  • I. Der Staat
  • II. Das Wahlrecht
  • III. Die politische Organisation des Staates
  • IV. Die Partei und das Parlament
  • V. Die Demokratie und das Imperium
  • VI. Der sozialistische Staat
  • Contents

Full text

75 
stellen oder nicht, scheint sich beim ersten Anblick selbst zu verur 
teilen, weil es häufig bedeuten kann, daß ein Wahlkreis durch den Er 
korenen seiner Minorität vertreten wird. Und wären „dreieckige“ 
Wahlen allgemein, so träfe es auch zu. Doch dieser Grund verbietet 
es gerade, daß solche Kämpfe zur Regel werden. Unter unserem Sy 
stem müssen die Parteien ihre Aussichten abschätzen. Es ergibt sich, 
daß dieses Ringen einem allgemeinen Gesetze der Durchschnittsberech 
nung gehorcht und in ein Verhältnis zu den Chancen und der Stärke 
der Parteien gesetzt wird. Und dies geschieht, weil die Parteiorgani 
sationen die Wahrscheinlichkeiten abzuwägen haben. Bei den letzten 
allgemeinen Wahlen trugen in wenigstens 70 oder 80 Fällen die Wahlen 
den Charakter von Stichwahlen 1 . Die Parteien hatten ihre Stärke ge 
prüft, ihre Interessen genau ermittelt und dann nicht in Übereinstim 
mung mit ihren abstrakten Rechten, sondern mit den sie umgebenden 
Umständen gehandelt. 
Unser gegenwärtiges Wahlverfahren begünstigt politisch aktive Mi 
noritäten. Die ihm anhaftenden Ungewißheiten ermöglichen es einer 
neuen, aggressiven und begeisterten Bewegung, die sich noch in kei 
nem Wahlkampfe erprobt hat, alten Parteien einigen Schrecken ein 
zuflößen, mit ihrem Geiste und mit ihrer Stimmenmacht ein Maximum 
von Eroberungen zu machen. Deshalb werden solchen Bewegungen in 
ihren frühen und kritischen Stadien, nachdem sie die erste Prüfung 
1 Ich möchte die Tatsache unterstreichen, daß heute schon viele unserer parla 
mentarischen Wahlkämpfe den Charakter von Stichwahlen tragen, wo je ein 
Arbeiterparteiler oder ein liberaler Kandidat bei der Entscheidung nicht mehr 
ln Frage kommt. Weit davon entfernt, die Bewerbung der Arbeiterpartei um 
Einfluß zu unterdrücken oder die Reaktion zu begünstigen, hat unser heutiges 
System meiner Meinung nach den Arbeiterkandidaten Chancen gegeben, die 
ihnen eine Stichwahl nicht gewährt hätte. Auch ist es ein großer Anreiz zu einer 
energischen politischen Tätigkeit gewesen. Ich bleibe deshalb dabei, daß diese 
Ergebnisse gebührend berücksichtigt werden müssen, wenn man irgendwelche 
besondere Art des Wahlverfahrens beurteilt. Ein Einwand, der oft von Sozia 
listen, besonders von jenen, die die Proportional Vertretung fordern, hiergegen 
erhoben wird, ist, daß dieses System sie der Gnade anderer Parteien überliefere. 
Doch das ist nicht richtig; denn die übrigen Parteien können nicht nach Belieben 
launenhafte Dinge tun, sondern sie haben zu überlegen, was hinsichtlich der be 
stehenden Verhältnisse die angemessenste Politik ist. Einerder hauptsächlichsten 
Faktoren dieser Umstände ist nun aber eine rührige dritte Partei. Der Einwand 
ist auch sonst noch irrelevant. Werden die sozialistischen Kandidaten ins Par 
lament gewählt, so haben sie die neue Gesellschaft nicht durch revolutionäre 
Mittel anzustreben, sondern auf dem Wege der organischen Umwandlung. Wäre 
ihre Methode revolutionär, so müßten sie notwendig darauf achten, daß sie nur 
sozialistische Stimmen erhielten. Da ihre Methoden aber evolutionär sind, so 
brauchen ihnen die für sie eintretenden Wähler nur bei der Ausführung ihres un 
mittelbaren Programmes zu folgen.
	        

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Sozialismus Und Regierung. Eugen Diederichs, 1912.
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