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Sozialismus und Regierung

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Bibliographic data

fullscreen: Sozialismus und Regierung

Monograph

Identifikator:
895241919
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-18464
Document type:
Monograph
Author:
MacDonald, J. Ramsay http://d-nb.info/gnd/118729896
Title:
Sozialismus und Regierung
Place of publication:
Jena
Publisher:
Eugen Diederichs
Year of publication:
1912
Scope:
1 Online-Ressource (XXIV, 186 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Die Partei und das Parlament
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Sozialismus und Regierung
  • Title page
  • I. Der Staat
  • II. Das Wahlrecht
  • III. Die politische Organisation des Staates
  • IV. Die Partei und das Parlament
  • V. Die Demokratie und das Imperium
  • VI. Der sozialistische Staat
  • Contents

Full text

110 
nigen Personen übertragen werden muß. Die Vielen haben Wünsche, 
die Wenigen wollen. Das „Kabinett“ mag aus Beamten oder einem 
Komitee von Mitgliedern zusammengesetzt sein, oder ein spezielles 
Organ bilden, das regelrecht konstituiert worden ist. Doch kann 
es auch gewohnheitsmäßige, statutarisch nicht geforderte Zusammen 
künfte hervorragender Mitglieder einer Vereinigung bedeuten, die ge 
meinsam arbeiten und in solchen Sitzungen ihre Gedanken auszu 
tauschen pflegen. Jedenfalls existiert das,, Kabinett“, irgendwie müssen 
seine Funktionen erfüllt werden. Es ist im Londoner Grafschaftsrat 
vorhanden, wenn es auch dort nicht so offen zur Erscheinung kommt 
wie im Parlamente. In rudimentärer Form ist das „Kabinett" fast in 
jedem bedeutenderen Stadtrat anzutreffen 1 , obgleich der Prozeß der 
,, Kabinetts“ bildung niemals über bescheidene Ansätze hinausgehen 
kann, wo es sich um reine Verwaltungsfragen handelt. Er kann z. B. 
niemals bis zur Stufe kollektiver Verantwortlichkeit emporsteigen, 
trotzdem der Wechsel der Ausschußobmänner, der sich bei einer ver 
änderten Majoritätsgruppierung im Stadtrate vollzieht, sehr daran er 
innert. Das parlamentarische „Kabinett" ist deshalb eine besonders dif 
ferenzierte Form dessen, was in j eder aktiven Assoziation vorhanden ist. 
Wir müssen nun die Einwände gegen den üblichen Modus der Mini 
sterberufung prüfen. Es ist ganz richtig, daß alte Gewohnheiten in die 
sen inneren Schlupfwinkeln der Parteiorganisation ihr Dasein am läng 
sten fristen. Der Geist der Demokratie durchsäuert zuerst die Gemeinen 
in Reih und Glied, bevor er die Beratungen des Offizierkorps revolu 
tioniert. Von Ministerpräsidenten der jüngsten Zeit weiß man, daß 
sie Ämter an Verwandte und an „Familien“ gegeben und dadurch 
ihr Kabinett geschwächt haben. Dies nimmt ab neben anderen alten 
schlechten Gepflogenheiten, und die Parteiführer kommen immer 
mehr zu der Überzeugung, daß sie sich mit einem Stab ihrer tüchtig 
sten Anhänger umgeben müssen. Mit der öffentlichen Meinung muß 
bei der Konstituierung eines Kabinetts gerechnet werden 2 . 
1 Dr. Dale erzählt, wie das,, Kabinett“ des alten Stadtrates von Birmingham in dem 
Speisezimmer einerWirtschaft zusammenzukommen pflegte. Als ich einst eineSpin- 
nerei in Lancashire besichtigte, führte man mich in die Ecke eines der Fabriksäle 
und benachrichtigte mich: „Hier versammelt sich das .Kabinett' unseres Stadt 
rats." 2 Für jemand, der über solche Sachen theoretisiert, wird es stets eine inter 
essante Tatsache bleiben, daß die Mängel des von Sir Henry Campell-Bannerman 
im Jahre 1905 gebildeten Kabinetts nicht dadurch verursacht wurden, daß der 
Ministerpräsident seine Wahl auf gewisse Leute zu beschränken hatte. Der Grund
	        

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Sozialismus Und Regierung. Eugen Diederichs, 1912.
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