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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
G
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Galläpfel 
132 
Galloflavin 
fortwächst und im Innern saftig bleibt, bis sich 
schließlich das Tier als vollkommenes Insekt 
oder als Made heraus frißt. Die Gallen müssen 
möglichst vor dem Zeitpunkte des Auskriechens, 
solange sie noch schwer, grün oder schwarzblau 
erscheinen, gesammelt werden, weil sie dann am 
reichsten an Gerbsäure sind, während die vom 
Tiere verlassenen, also angelöcherten G., die 
heller, schwammig und leichter erscheinen, ge 
ringen Wert haben. Der Gerbstoffgehalt, der 
den Wert der Gallen ausmacht, unterliegt außer 
ordentlichen Schwankungen, welche vom Klima, 
Von der Art der Eichen und der Tierart ab- 
hängen. Die besten orientalischen Gallen, 
können 60—65% Gerbsäure enthalten, und aus 
diesem Grunde wurden in Europa früher immer 
G. aus dem Orient (Kleinasien, Syrien) ver 
braucht. Weniger Bedeutung haben die G. des 
südlichen .Europas, — diejenigen der nördlichen 
Gegenden kommen höchstens für örtlichen Ge 
brauch in Betracht. Seit Mitte des vorigen 
Jahrhunderts sind die Preise durch Einführung 
billigerer chinesischer und japanischer G. 
wesentlich erniedrigt worden. Im allgemeinen 
unterscheidet man drei natürliche Gruppen von 
Gallen: levantische (türkische, orientalische), 
europäische und chinesisch - japanische. 
1. Die ersteren, die wieder mehrere Sorten bilden 
und von der Gallwespe, Cynips tinctoria, 
auf der stets strauchförmig bleibenden Gall 
eiche, Quercus infectoria, hervorgerufen 
werden, kommen von Kleinasien, Syrien, Meso 
potamien über Smyrna und Konstantinopel in 
den Handel. Sie haben stets eine rundliche 
Form, die Größe einer Erbse bis zu 2 V2 cm 
Durchmesser und unterscheiden sich von den 
übrigen Arten leicht durch die höckerige, stach 
lige Beschaffenheit der Oberfläche. Wie bei allen 
Sorten unterscheidet man dunkel- und hellfar 
bige, die entweder noch in Mischung, wie sie die 
Natur liefert (in sortis), oder durch Auslesen 
gesondert (elegiert) versandt werden. Von den 
jährlich zweimal gesammelten G. gelten die 
Jerli genannten der ersten Ernte als die besten. 
Die gangbarste Sorte ist die mittelgroße, sehr 
höckerige von Aleppo (Gallae Halepenses). 
Noch größer, sehr reich an Tannin und durch 
eine feine Bestäubung kenntlich, sind die G. von 
Mossul am Tigris, die in Mesopotamien gesam 
melt und gewöhnlich über Bombay nach London 
gebracht werden, während die. schwammigen Tri- 
politaner und die syrischen oder Smyrnaer 
G. weniger geschätzt werden. 2. Europäische 
Gallen sind sämtlich von geringerer Güte als die 
vorigen, leichter, hellfarbiger und öfter gefleckt, 
verschieden und unregelmäßig gestaltet, glatt 
oder runzlig, hingegen nie stachlig oder höckerig. 
Unter den Eichbäumen, denen sie entstammen, 
spielt die Cerris- oder Burgundereiche die Haupt 
rolle. Als verschiedene Sorten werden gewöhn 
lich aufgeführt: Morea-G., zyprische, istri- 
aner, ungarische, italienische und fran 
zösische G.. doch geht ihre an sich geringe 
Bedeutimg um so mehr zurück, als gute Ware 
jetzt reichlich aus Asien an den Markt gebracht 
wird. 3. Die chinesischen und japanischen 
Gallen werden nicht von Gallwespen auf Eichen, 
sondern von Blattläusen (Aphis Chinensis) 
auf den Blättern einer Sumachart (Rhus) her 
vorgebracht. Die dünnwandigen Blasen mit ge 
räumiger innerer Höhlung, die im Handel teils 
zerbrochen, teils noch vollständig erscheinen, 
zeigen keulenförmige Gestalt, hier und da vor 
springende stumpfeckige Ausbuchtungen und 
eine Länge von 2—10 cm. Die sehr leichten 
Hülsen sind knorplig, spröde, auf dem Bruche, 
harzglänzend und enthalten bis zu 70% Gerbstoff. 
— Bei uns seltener vorkommende Sorten sind 
Guli-i-pista, welche aus Persien auf den in 
dischen Markt gelangt, sowie Kakdasinghi und 
Padwus. — Die G. finden ihre hauptsächlichste 
Verwendung in der Färberei, zum Schwarz-, 
Braun- und Graufärben von Wolle, Leder, 
Rauchwaren usw., ferner zur Tintenbereitung und 
zur Herstellung der Gerb-, Gallus- und Pyro- 
gallussäuren. Wie bei der Tinte beruht auch bei 
der Färberei die Wirkung der G. darauf, daß ihr 
Gerbstoff mit Eisensalzen schwarze Niederschläge 
von, gerbsaurem Eisen bildet, während bei vielen 
anderen Gerbstoffen abweichend, z. B. schmutzig 
grünbraun gefärbte Niederschläge entstehen. 
Zum Gerben benutzt man die G. nur bei gewissen 
dünnen feineren Ledern, Saffian u. dgl., mit Aus 
nahme der chinesischen Gallen, welche hierfür 
untauglich erklärt werden, 
Gallein (Anthrazen- oder Alizarinvioleti;, 
ein violetter Phthaleinfarbstoff (s. d.), wird durch 
Erhitzen von Phthalsäureanhydrid mit Gallus 
säure oder Pyrogallol erhalten und ist demnach 
ein Pyrogallolphthalein. Man erhält es entweder 
als violetten Teig (en päte), oder als dunkelgrünes 
metaliglänzendes Kristallpulver, das in kaltem 
Wasser wenig, in heißem leichter mit Scharlach 
roter Farbe löslich ist und gebeizte Wolle violett 
färbt. Vor allem findet es als Chromlack in der 
Färberei von Wolle, Seide oder Baumwolle aus 
gedehnte Anwendung. Die Sulfosäure des G. 
bildet das Zoerulein (s. d.). 
Gallozyanin (Solidviolett, Violet solide), 
ein blauer Oxazinfarbstoff, wird durch Einwirkung 
von salzsaurem Nitrosodimethylanilin auf Gal 
lussäure oder auf Tannin erhalten und kommt 
gewöhnlich als grünlichgrauer Teig in den Han 
del, der beim Austrocknen ein bronzefarbenes 
Pulver bildet. In Wasser ist es unlöslich, in 
Alkohol mit blauvioletter Farbe, in konzentrierter 
Schwefelsäure mit kornblumenblauer Farbe lös 
lieh, die beim Verdünnen mit Wasser in Rot 
übergeht. Der Farbstoff wird in Verbindung mit 
Chrombeize in der Zeugdruckerei zur Herstel 
lung von Blau violett auf Wolle und Baum 
wolle benutzt. Prune ist der Methylester des 
G.; Delphinblau nennt man die Sulfosäure der 
Verbindung, welche bei Behandlung des G. mit 
Anilin entsteht; Gallaminblau und Gallus 
blau (Tanninindigo) sind Analoge des G., wel 
che aus Gallaminsäure bzw. Gallanilid hergestelh 
werden. 
Gallollavin, ein in Wasser unlöslicher, in 
Alkohol nur sehr wenig löslicher.Farbstoff, der 
durch vorsichtige Oxydation von Gallussäure in 
wäßriger oder alkoholischer, alkalischer Lösung 
erhalten wird und als grünlichgelber Teig in 
den Handel kommt, gibt mit Chrombeizen auf 
Baumwolle gedruckt einen grünlichgelben Lack 
und färbt Wolle, mit Chromsalzen gebeizt, seifen 
echt hellgelb.
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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