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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
G
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Graphit 
147 
Graupen 
Kalk geben. Neuerdings hat sich sehr guter G. 
in Südsibirien, dessen gesamter Ertrag an die 
Fabersche. Uleistiftfabrik in Nürnberg abgeliefert 
wird sowie auch an den Ufern des Jenissei ge 
funden. Auch Spanien, Ostindien und Kanada 
liefern guten G. ln Deutschland findet sich G. 
besonders in der Passauer Gegend in Bayern 
bei den Orten Pfaffenreuth und Leuzenberg 
sowie bei Wunsiedel. Österreich hat in Nie 
derösterreich, Böhmen, Mähren, Steiermark und 
Kärnten ergiebige Lager. Die beste Sorte 
findet sich im südlichen Böhmen im Budweiser 
Kreis. In Preußisch-Schlesien sind zwei Gru 
ben, eine kleine bei Sakrau und eine bei Jauer, 
mit mächtigem Lager eines guten, besonders zu 
Schmelztiegeln tauglichen Graphits. 1878 hat 
man auch auf Neuseeland (Provinz Wellington) 
große Lager von vortrefflichem G. entdeckt. Der 
rohe Graphit ist in der Regel durch mineralische 
Beimengungen mehr oder weniger verunreinigt 
und muß daher durch Schlämmen, durch Be 
handlung mit heißer Salpetersäure und Schwefel 
säure oder auch, bei Anwesenheit von Kieselsäure, 
mit Fluorwasserstoffsäure von ihnen befreit wer 
den. Nahezu chemisch reinen Graphit erhält man 
auf künstlichem Wege nach dem Verfahren 
von Acheson durch Erhitzung von Kohle oder 
Anthrazit im elektrischen Ofen oder auch durch 
Überleiten von Kohlenoxyd und Kohlensäure 
über glühendes Karbid. — Die hauptsächlichste 
Verwendung findet der G. zur Herstellung der 
Bleistifte (s. d.). Außerdem dient er in Verbin 
dung mit feuerfestem Ton zur Herstellung von 
Schmelztiegeln, im Gemisch mit Fett sowie in Form 
nebeneinandergesetzter Stifte (Karbonstifte) als 
Schmiere für Achsenlager, ferner zu Anstrichen, 
Kitten, zum Überziehen von eisernen Öfen und 
in der Galvanoplastik zum Leitendmachen von 
niclumetallischen Niederschlagformen. — Der 
G. ist unschmelzbar und, trotzdem er reinen 
Kohlenstoff darstellt, sehr schwer verbrennlich. 
Ein Gemisch von G. und feuerfestem Ton gibt 
eine Schmelztiegehnasse, die besser ist als der 
Ton allein öder vermischt mit Sand, weil der G. 
dem Schwinden und Reißen im Feuer entgegen- 
wirkt und der Masse Beständigkeit gegen sehr 
hohe Temperaturen und gegen raschen Tempe- 
faturwechsel verleiht. Graphittiegel werden 
daher von Gold- und Silberarbeitern, in Münz 
werkstätten U7id sonst in der Metallindustrie viel 
gebraucht. Sie dienen besonders auch zum Schmel 
zen des Gußstahls und haben noch die angenehme 
Eigenschaft, daß sie sich wegen ihrer glatten 
Innenfläche rein ausgießen lassen. Die Pas- 
sauer Tiegel werden schon seit länger als hun 
dert Jahren zu Hafnerzell bei Passau aus dem 
dortigen unreinen, stark kiesel-, ton- und eisen 
haltigen G. unter Zusatz von etwa der Hälfte 
feinem Ton gefertigt. In neuerer Zeit verwendet 
man auch-Zeyloner G. Die Gefäße werden aus 
dem steifen Teig gepreßt, aber nicht gebrannt, 
sondern nur lufttrocken gemacht, und sind teils 
konisch, teils dreieckig geformt sowie von dehr 
verschiedenen Größen, österreichische Graphit- 
degel kommen von Ybbs an der Donau und aus 
Böhmen in den Handel. Zum Nachweise der 
zahlreichen Verfälschungen durch Anthrazit, 
Stein- oder Braunkohle, Holzkohle oder Ruß 
kocht man mit konz. Salpetersäure, wobei keine 
braunrote Färbung auftreten darf. Zusätze von 
Mineralstoffen erkennt man bei der Veraschung. 
Grassamen (Grassaa t), ein bedeutender Gegen 
stand des Groß- und Kleinhandels, wird von den 
Landwirten bei zeitweisem Umbruch der Wiesen 
zur Neueinsaat, besonders beim Kunstwiesenbau, 
gebraucht. Auch bedarf die Landschaftsgärtnerei 
zu der Herstellung von Zierrasen alljährlich 
großer Mengen von G., so daß für diesen ein be 
trächtliches Absatzgebiet gesichert ist. Die Zucht 
von G. geschieht in besonderen Handelsgärtne 
reien, z. B. in Hessen, Bayern und Thüringen, 
doch wird auch auf Wiesen und in Wäldern G. 
gesammelt, besonders in der Gegend von Darm 
stadt, wo ganze Gemeinden dadurch ihren Unter 
halt finden. Seitens der großen Handelsgärtner 
erfolgt die Zucht der Gräser zur Samengewinnung 
mit besonderer Sorgfalt im Einzelbau auf oft 
großen Flächen, so daß bei ihnen der Bezug 
reiner, unverfälschter Waren und bestimmter 
Sorten sicher ist. Die G. sind nicht leicht zu 
unterscheiden, da viele Sorten ziemlich ähnlich 
sind und von den zur Aussaat beliebten Samen 
verwandte Abarten von geringerem Werte Vor 
kommen. Man hat deshalb neuerdings beson 
dere Samenkontrollstationen eingerichtet, und 
auch der Kaufmann wird gut tun, sich ihrer Hilfe 
zu bedienen, wenn er G. einer bestimmten Sorte 
von kleinen Händlern oder Privatsammlern ein 
tauscht. Für den Handel mit von Handelsgärt 
nern gekauften Samen ist zu bemerken, daß die 
Gemische nach Boden und Meereshöhe ver 
schieden sein müssen, da einzelne G. besser in 
der Ebene, andere in der Höhe, die einen auf 
bündigen, die anderen auf leichten Böden usw. 
gedeihen. Die Landwirte ziehen sich zum Peil 
den G. selbst, und sehr viele ergänzen den 
Wiesenbestand durch natürlichen Samenausfall. 
Außer den in Deutschland gezogenen Sorten wer 
den aus England und Italien bedeutende Mengen 
eingeführt. 
Graupen (frz. Froment mon-dd, engl. Pearl- 
barley) bestehen aus dem von der Schale und 
den Spitzen befreiten Inhalte von Getreidekör- 
nern, und zwar so, daß entweder ein einzelnes 
Korn nur eine Graupe liefert, oder daß der Kern 
erst in mehrere Stückchen zerbrochen und diese 
zu feineren G. gerundet worden sind. Am ver 
breitetsten sind die Gerstengraupen, die in eini 
gen Gegenden auch Koch- oder Rollgerste 
genannt werden, ln geringerem Maße werden 
auch Weizenarten auf G. verarbeitet. Das Grau 
penmachen ist eine deutsche Erfindung des 17. 
Jahrhunderts und wird sich zuerst auf die gröbste 
Sorte, enthülste ganze Gerstenkörner, beschränkt 
haben. Das Enthülsen geschieht auf einem be 
sonderen Mühlwerk, dem Graupengange, der 
nur einen einzelnen Stein in seiner Ummantelung 
(der Zarge) laufen hat. Dieser Stein ist aber 
nicht mit einer breiten Fläche, sondern mit 
runder Bahn gearbeitet und hier gerauht. Die 
den Stein in nahem Abstande umgebende Zarge 
ist an ihrer Innenseite mit Blech belegt, das ganz 
wie ein Reibeisen scharf durchlöchert ist. Es ist 
sonach ein von zwei rauhen Flächen begrenzter 
ringförmiger Spalt vorhanden, in den das ein 
fließende, auf die Mitte des etwas gewölbten 
Steins fallende Getreide gerät und durch den hef 
tigen Lauf des Steins so herumgerissen und ge
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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