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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
H
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

faJS* 
Himbeersaft 
162 Hirschhorn 
und Thüringer Wald in großen Mengen zum 
Verkauf. 
Himbeersaft (lat. Succus rubi idaei, frz. Suc 
de framboise, engl. Suc of Rasp-berries). Dieser 
wertvollste Fruchtsaft wird in der Weise her 
gestellt, daß man die frischen Beeren zerdrückt 
und unter öfterem Durchrühren in bedeckten 
Steintöpfen der Gärung überläßt. Zur Erleichte 
rung der letzteren ist ein kleiner Zuckerzusatz vor 
teilhaft. Die nicht zu niedrigen Töpfe werden an 
dunklen,, kühlen Orten bei 15—20 0 aufbewahrt, 
bis ein Teil der abfiltrierten Flüssigkeit sich mit 
V2V0I. Alkohol ohne Trübung mischen läßt. Dann 
preßt man aus, läßt den Saft noch einige Zeit bei 
niederer Temperatur stehen und filtriert ihn durch 
Fließpapier, indem man zuerst den Bodensatz und 
darauf die Flüssigkeit auf das Filter bringt. 
Bei schwer klar werdenden Säften ist der Zusatz 
von Talkum sowie die Verwendung von Spitz 
beuteln empfohlen worden. Um eine Beeinträch 
tigung der Farbe und des Geschmacks zu ver 
hüten, muß man bei allen Arbeiten die Verwen 
dung von Eisen- oder Zinngeräten vermeiden. 
Zur Herstellung des Himbeersirups (lat. Siru- 
pus rubi idaei, frz. Sirop de framboise, engl. Sirup 
of Rasp-berries), der vom Publikum bisweilen auch 
fälschlich Himbeersaft genannt wird, kocht man 
das Filtrat mit ungeblautem, möglichst kalkfreiem 
Zucker, meist im Verhältnis von 7:13, ein. Gegen 
stand des Kleinhandels bildet nur der Himbeer- 
sirup, während der ungezuckerte H., auch Roh 
saft genannt, höchstens von der Industrie gekauft 
wird. Um ihn für deren Zwecke haltbar zu machen, 
versetzt man ihn mit Alkohol bis zu 1 s °/o oder 
mit Benzoesäure. Das früher viel benutzte Kon 
servierungsmittel Salizylsäure ist, wie die neuer 
dings aufgekommene Flußsäure, aus gesundheit 
lichen Rücksichten zu verwerfen. Der Himbeer 
saft bzw. -sirup gehörte bis vor kurzem zu den 
am meisten verfälschten Genußmitteln. Zusätze 
von Wasser oder Nachpresse (s. Fruchtsäfte), 
Essenzen, Säuren, Stärkesirup und Teerfarben 
waren gang und gäbe, ja es kamen sogar völlig 
nachgemachte Kunsterzeugnisse, sog. Brause 
limonadensirupe, in den Handel, die keine 
Spur Fruchtsaft enthielten, sondern aus künstlich 
gefärbten Lösungen von Säuren und Aroma 
stoffen bestanden. Dank der scharfen Kontrolle 
der letzten Jahre unter Beihilfe der reellen Her 
steller sind die Verfälschungen jetzt nahezu völlig 
verschwunden. Etwaige fremde Zusätze werden 
auf der Etikette gekennzeichnet, und die nach 
gemachten Erzeugnisse deutlich als Kunsthim 
beersaft oder -sirup in den Verkehr gebracht. 
H. findet mannigfache Verwendung zum Aroma 
tisieren von Likören, Konfitüren, Bonbons, Eis, 
zur Herstellung von Limonaden mit und ohne 
Kohlensäure. Für die letzteren, die sog. Brause 
limonaden, wird der H. bisweilen zur Erzielung 
einer dunkleren Farbe mit Kirschsaft aufgefärbt, 
jedoch muß dieser Zusatz angegeben werden. 
Ein .Alkaligehalt des Wassers verschlechtert die 
Farbe und ist daher zu vermeiden. 
Hingra nennt man eine von Südpersien und 
Afghanistan in den Handel kommende Sorte von 
Asa foetida. 
Hippursäure (Pferdeharnsäure, lat. Acidum 
hippuricum, frz. Acide hippurique, engl. Hip- 
puric acid), eine stickstoffhaltige, organische 
Säure, findet sich in größerer Menge im Ham 
der Pferde und Rinder, aus dem sie durch Ein 
dampfen und Umkristallisieren in Form schnee 
weißer spießiger Kristalle vom Schmelzpunkt 187° 
gewonnen wird. Sie kann auch synthetisch dar 
gestellt werden und ist ihrer chemischen Zusammen 
setzung nach als eine Paarung von Amidoessig- 
säure (Glykokoll) und Benzoesäure Benzoyl- 
glykokoll, C G H r ,.CONH.CH 2 COOH, zu be 
trachten. Durch Kochen mit einer verdünnten 
Säure wird die Trennung bewerkstelligt und die 
Benzoesäure abgeschieden. 
Hirschbrunst (Hirschtrüffel, lat. Boletus 
cervinus, frz. Bolet de cerf, engl. Stinkhorn), bo 
tanisch Elaphomyces graHulatus, ein ver 
alteter Artikel des Drogenhandels, ist ein Pilz, 
der unterirdisch in Nadelwäldern, auf Wiesen 
und Angern wächst und die Größe und Form 
einer welschen Nuß, besitzt. Im frischen Zu 
stande hat er einen starken widerlichen Geruch, 
der das Wild anlockt, und soll besonders von 
Hirschen in der Brunstzeit, doch auch von Hasen 
und Schweinen aufgesucht und gefressen werden. 
Die Landleute kaufen den getrockneten Pilz, 
um ihn den Rindern als Sprungmittel einzugeben. 
Hirschhorn (Hirschgeweihe, lat. Cornu 
cervi, frz. Corn de cerf, engl. Hartshorn). Das 
im gewöhnlichen Leben vielfach als Horn be- 
zeichnete Geweih oder Gehörn des männlichen 
Hirsches ist keine eigentliche Hornsubstanz, son 
dern besteht bei allen hirschartigen, alljährlich 
das Geweih ablegenden Tieren aus Knochen 
masse, aus der sich die organischen Bestandteile 
durch Kochen in Form von Leim ausziehen 
lassen, während Knochenerde (phosphorsaurer 
Kalk) übrig bleibt. Es ist dementsprechend nicht 
wie die Hörner des Rindes zum Teil hohl, son 
dern durchaus voll und wird auch nicht wie Horn 
(s. d.) beim Erwärmen biegsam. Man verarbeitet 
das H. zu Messer-, Gabel- und Hirschfänger 
griffen sowie zu verschiedenen anderen Drechsler 
arbeiten, und zwar immer so, daß die schöne ge 
rauhte oder genarbte Außenseite erhalten bleibt. 
Auch wird es ziemlich gut in gepreßtem Holz 
nachgeahmt. Die schaufeligen . Geweihe des 
Damhirsches haben geringen Wert. Ähnliche 
Verwendung wie H., besonders zu Pfeifen und 
anderen Drechslerarbeiten, finden die Reh 
geweihe, von denen besonders die wulstigen 
wie mit Perlen besetzten unteren Endstücke (Reh 
kronen) geschätzt und unzerteilt benutzt werden. 
Schöne Stücke von Hirsch- und Rehgehörnen 
erreichen bei Jägern und Sammlern zum Aus 
schmücken von Sälen und Zimmern bisweilen 
hohe Preise. Als Ausfuhrland für Hirschgeweihe 
kommen besonders Tirol, Ungarn und Mittel 
amerika in Betracht. — In der Annahme, daß 
dem H. besondere Kräfte innewohnten, stellte 
man früher eine Anzahl pharmazeutischer Prä 
parate daraus her, die zum Teil unter den alten 
Namen noch fortbestehen, jetzt aber, wo man 
weiß, daß diese Substanz nichts Besonderes vor 
aus hat, aus anderen Knochenmassen erhalten 
werden. Durch längeres Kochen bereitete man 
aus geraspeltem H. (lat. Cornu cervi raspatum, 
frz. Corne de cerf toumöe blanche, engl. Deer 
Stalks) eine Gallerte, die mit Zucker u. dgl. an 
Kranke verabreicht und auch zum Klären von 
Getränken benutzt wurde. Die Erzeugnisse der
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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