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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
K
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Katzenkraut 
205 
Kautschuk 
Die wilde Katze ist in Deutschland fast aus 
gerottet und findet sich hauptsächlich in den 
Wäldern Rußlands und Asiens, in Polen, Un 
garn und der Türkei. Sie gleicht in vieler Be 
ziehung den zahmen grauen Zyperkatzen, ist 
aber wenigstens um ein Drittel größer, das 
Haar fast noch einmal so lang und feiner. Der 
gelblichgraue Schwanz hat regelmäßige schwarze 
Ringel und ein schwarzes Endstück. Diese 
Katzen geben ein weiches, doch wenig halt 
bares Pelzwerk, das braun gefärbt und haupt 
sächlich in Ungarn und der Türkei verbraucht 
wird. Katzenfelle werden vielfach gegen Rheu 
matismus und Gicht verwandt, indem man die 
schmerzhaften Stellen damit bedeckt. 
Katzenkraut (Amberkraut, lat. Herba mari 
veri, frz. Teucrium, engl. Cat thyme) besteht 
aus dem Kraute von Teucrium marum, wel 
ches einen durchdringenden, kampferartigen Ge 
ruch besitzt und auch im getrockneten Zu 
stande bitter, brennend, würzhaft und scharf, 
dann kühlend schmeckt. Katzen, Marder, Füchse 
und anderes Raubzeug werden von dem Geruch 
angezogen und zerstören die Pflanze. K. wird 
zu Kräuterumschlägen und als Zusatz zu Schnupf 
tabaken angewandt. 
Kauris, die kleinen, bei uns als Otter- oder 
Schlangenköpfchen zum Besatz von Pferde 
geschirren sowie zu Muschelarbeiten benutzten 
Gehäuse einer Meerschnecke, Cypraea rao- 
neta, stammen aus den indischen Meeren, na 
mentlich dem Koralleharchipel^ der Malediven 
und dienen seit den ältesten Zeiten in Asien 
und Afrika als Münze. In Bengalen entsprechen 
etwa 1540 Stück dem Werte eines Franks, in 
Siam sogar erst 2400, während an der West 
küste' von Afrika schon 122 Stück dem Wert 
eines Franks gleichkommen. 
Kautschuk, Feder harz, Ledergummi, 
Rohgummi (lat. Gummi elasticum, Resina 
elastica; frz. Rdsine elastique, Caoutchouc, engl. 
India rubber), ein überaus wichtiger Gegenstand 
des Welthandels von ständig wachsender Be 
deutung, findet sich in dem Milchsäfte ver 
schiedener Pflanzen, besonders aus den Familien 
der Wolfsmilchgewächse oder Euphorbia 
zeen (Hevea, Manihot), der Hundsgift 
gewächse oder Apocynazeen (Landolphia, 
Hancornia, Kickxia), der Maulbeergewächse 
oder Morazeen (Ficus, Castilloa) und der 
Riesenblumengewächse oder Loranthazeen 
(Struthantus, Phiturasa). Für die technische 
Gewinnung kommen nur tropische Vertreter 
dieser Familien in Betracht, da der Kautschuk 
gehalt unserer einheimischen Wolfsmilchge 
wächse (0,5—2,50/0) zu gering ist. In Europa 
wurde der K. zuerst durch einen Bericht des 
französischen Gelehrten Condamine bekannt, 
der 1736—1745 in Brasilien und Peru weilte, wo 
die Eingeborenen den Stoff zur Herstellung von 
Fackeln, Stöpseln für Kürbisflaschen, Beuteln 
und anderen kleinen Gebrauchsgegenständen 
benutzten. Schon 1790 wurden in Paris ver 
einzelt chirurgische Binden, wasserdichte Über 
züge und Röhren für chemische Zwecke daraus 
hergestellt. 1820 gelang es Stadler in Wien 
zum ersten Male, den K. zu Fäden auszuziehen. 
Später erschienen die ersten plumpen Gummi 
schuhe und Regenröcke (Mackintosh) im 
Handel, die jedoch zunächst wenig Anklang 
fanden. Erst nach der Erfindung des später zu 
besprechenden Vulkanisierungs Verfahrens er 
rang der K. seine jetzige Stellung als eines un 
entbehrlichen Hilfsmittels zahlreicher wichtiger 
Industriezweige. — Die Gewinnung des K. er 
folgt in den einzelnen Ursprungsländern auf 
verschiedene Weise. Die im Überschwemmungs 
gebiete des Amazonas vorkommenden Bäume 
(Hevea brasiliensis), von denen die weitaus 
beste Sorte, der Para-K, stammt, werden 
während der trockenen Jahreszeit, die den dick 
sten Saft liefert, in 2 m Höhe mit schiefen, nach 
oben laufenden Einschnitten versehen. Unter 
jeden dieser Einschnitte, die zusammen einen 
horizontalen Ring um den Stamm bilden, hängt 
man einen Becher, der nach 24 Stunden abge 
nommen wird. 20 cm unterhalb des ersten 
Kreises wird ein zweiter Ring von Einschnitten 
angelegt, hierauf ein dritter usw, bis der Bo 
den erreicht ist. Der angesammelte Milchsaft 
wird becherweise auf Holz- oder Tonformen 
gegossen und über freiem Feuer getrocknet und 
geräuchert. Auf die erste Schicht folgt eine 
zweite, nach abermaliger Trocknung eine dritte 
und so fort, bis die gewünschte Dicke (2 bis 
12 cm) erreicht ist. Die von dem FIolz- oder 
Tonkern abgezogene Kautschukmasse behält 
die Form des letzteren bei und wird vielfach als 
Flaschenkautschuk bezeichnet. Man kann 
nach diesem Verfahren aber auch einfache 
Platten darstellen. Das durch freiwillige Ein 
trocknung des Milchsaftes in Kästen oder Gru 
ben erhaltene Erzeugnis wird als Gummispeck 
oder Speckgummi bezeichnet. Die Ausfuhr 
des im brasilianischen Handel als Feingummi 
(Para-fine) bezeichneten Para-K. erfolgt über 
den Hafenplatz Para. Zur Gewinnung des 
Ceara- und Amazonas-K. wird unterhalb der 
Einschnitte um den sorgfältig gereinigten Stamm 
eine Rinne aus Lehm angebracht, von der aus 
der Milchsaft in Kürbisflaschen (Kalebassen) 
fließt. Die weitere Verarbeitung ähnelt derjeni 
gen des Para-K. Die am Stamme hängen ge 
bliebenen Anteile, die durch Holz- und Rin 
denstücke verunreinigt sind, kommen in Form 
kugelrunder Ballen, sog. Negerköpfe (Niggers) 
als Saramby-K. in den Handel. .Geräucherter 
Ceara-K. wird Manie ob a genannt. Carta 
gena-, Ule- oder Castilloa-K. stammt von 
mittelamerikanischen Castilloa-Arten. Den aus 
einem langen senkrechten Einschnitt mit kürze 
ren seitlichen Einschnitten ausfließenden Milch 
saft (U16) vermischt man mit dem wäßrigen 
Auszuge einer Schlingpflanze (Ipomoea bona), 
knetet die ausgeschiedene weiche Masse und 
formt sie zu kleinen Kuchen oder größeren 
Blöcken. Mangabeira-K., von Hancornia spe- 
ciosa, bildet ziemlich feuchte rosafarbige Stücke, 
die infolge eines Alaunzusatzes zur Milch meist 
alaunhaltig sind und geringeren Wert haben. 
Ostindischer K. wird aus dem Milchsäfte von 
Ficus elastica und Urceola elastica gewonnen, 
indem man ihn an der Luft gerinnen läßt und 
die nach oben steigende Kautschukmasse knetet 
und an der Sonne trocknet. Der in regellosen 
Brocken und Klumpen sowie in dicken Platten 
vorkommende K. zeigt infolgedessen eine hellere, 
lichtbraune oder weißgraue Farbe, auch ist er
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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