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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
L
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Leder 
244 
Leder 
häufigsten Eichenrinde (Lohe) und nächst dieser 
Fichtenrinde, während heutzutage vielfach die 
ausländischen Gerbmaterialien (s. d.): Gambir, 
Algarobilla, Knoppern, Valonen, Myrobalanen, 
Hemlockrinde und Quebracho, Dividivi u, a. 
bevorzugt werden. Das sorgfältig zerkleinerte 
Gerbmaterial wird entweder direkt mit den 
Häuten zusammengebracht, wie z. B. bei der 
Bereitung von Sohlleder, oder man legt die 
Häute in einen aus dem Gerbmateriale berei 
teten wäßrigen Auszug (Gerben in Lohbrühe). 
Bei dem ersteren Verfahren werden die Häute, 
die Fleischseite nach unten, in mit Zement aus 
gekleideten gemauerten Gruben oder in den 
Boden versenkten wasserdichten Eichenholz 
kasten (Versetzgruben, Lohgruben) abwech 
selnd mit Lohe übereinandergeschichtet (Ein 
setzen in Gruben) und darauf, mit Wasser 
bedeckt, acht bis zehn Wochen sich selbst 
überlassen. Auf diesen „ersten Satz“ folgt der 
3—4 Monate dauernde zweite Satz, bei dem 
die Häute mit der Narbenseite nach unten 
in einer anderen Grube mit frischer Lohe zu 
sammengebracht werden, und zwar so, daß die 
jenigen, welche zuerst oben gelegen haben, 
nunmehr zu unterst kommen. Ein vier bis fünf 
Monate dauernder dritter Satz wird mit weni 
ger Lohe gemacht. Bei sehr starken Häuten 
genügt aber auch dies noch nicht, vielmehr 
muß hier dieselbe Behandlung noch ein- bis 
zweimal wiederholt werden. Die Gerbung des 
L. ist vollendet, wenn beim Durchschneiden die 
Schnittfläche kaffeebraun aussieht, und wenn in 
der Mitte derselben kein weißer durchscheinen 
der Streifen mehr bemerkbar ist. Die zur voll 
ständigen Durchgerbung nötige Menge von 
Lohe wird auf das vier- bis sechsfache Gewicht 
der trocknen Haut angegeben, die Haut selbst 
gewinnt bei ihrer Umwandlung in L. etwa ein 
Drittel des Gewichts. Bei dem Gerben mit Loh 
brühe wendet man zuerst nur eine sehr 
schwache Lösung an, damit nicht durch ober 
flächliche Durchgerbung das Eindringen des 
Gerbstoffes in das Innere erschwert wird. Erst 
nach und nach bringt man die Häute in stär 
kere und zuletzt in ganz konzentrierte Loh 
brühe, in der sie durch besondere Vorrich 
tungen (rotierende Trommeln und Fässer) in 
Bewegung gehalten werden. Man nennt dieses 
Verfahren auch Schnellgerberei, da hierzu 
nur sieben bis acht, und selbst bei schwereren 
Häuten nicht mehr als elf bis dreizehn Wochen 
nötig sind. Eine weitere Beschleunigung, aller 
dings auf Kosten der Güte, hat man noch da 
durch zu erreichen gesucht, daß man das Ein 
dringen der Lohbrühe mittels Druckes oder auch 
mit Hilfe des luftleeren Raumes bewerkstelligte. 
Alle lohgaren L. haben stets eine mehr oder 
weniger gelbbraune bis rötlichbraune Farbe, das 
Hemlockleder sieht sogar mehr rot als braun 
aus. Weiße L. erhält man nach dem Verfahren 
der Weißgerberei, bei dem man die zuge 
richteten Blößen mehrere Male durch eine lau 
warme Alaunbriihe zieht, sie dann einen Tag 
lang zusammengefaltet liegen läßt und schließ 
lich zum Trocknen aufhängt. Die Alaunbrühe 
wird durch Auflösen von Alaun und Kochsalz in 
Wasser dargestellt und enthält dementsprechend 
Chloraluminium. An Stelle des Alauns kann man 
auch schwefelsaure oder .essigsaure Tönerde 
benutzen und in letzterem Falle das Kochsalz 
fortlassen. Bei Herstellung der besseren Sorten 
weißgaren Leders setzt man dem Kochsalzalaun 
bade Weizenmehl und Eigelb zu (Gerben in 
der Nahrung) und läßt die Häute in dieser 
Mischling einen Tag lang liegen. Sie erhalten 
hierdurch nach dem Trocknen einen höheren 
Grad von Geschmeidigkeit. Weißgar gegerbt 
werden zumeist Rindshäute für Sattlerzwecke, 
Schaffelle zu Schuhfutter und Häute für Glace 
handschuhe. Gerade für letztere benutzt man 
neben Alaun auch Eidotter. Die dritte Art der 
Gerberei, die Sämischgerberei, wird haupt 
sächlich zur Herstellung von sogenanntem Wild 
leder in Anwendung gebracht, zu welchem be 
sonders Hirsch-, Reh-, Renntier- und Elen-, bis 
weilen auch Schaf- und Ziegenfelle verarbeitet 
werden. Da solches L. im Wasser seine Ger 
bung und seine Eigentümlichkeiten nicht ver 
liert, nennt man es auch Waschleder. Die 
zugerichteten Blößen werden zunächst gewalkt, 
gut ausgewunden und mit Tran oder einem 
anderen Fette eingerieben, darauf zusammen 
gerollt und abermals gewalkt. Dieses Einfetten 
und Walken wird so oft wiederholt, bis die 
Felle die nötige Menge von Fett und Öl auf 
genommen haben. Schließlich unterwirft man 
sie noch einer Art Gärung und entfernt das 
oberflächlich anhängende, durch die Gärung 
teilweise veränderte Fett mittels einer Pott 
aschelösung. Bei der Zurichtung der dickeren 
Felle für die Sämischgerberei wird die Narbe 
meistens mit abgestoßen, so daß der Unter 
schied zwischen Narben- und Fleischseite weg 
fällt. Derartiges L. erlangt demzufolge eine 
wollige Beschaffenheit und große Weichheit. 
Die beschriebenen Gerbverfahren kommen in 
zahlreichen verschiedenen Abänderungen zur 
Anwendung, wodurch besondere Sorten von L. 
entstehen, wie z. B. Saffian, Juchten, unga 
risches Weißleder usw. Von dem metallgaren 
L. scheint sich am meisten das Chromleder 
eingebürgert zu haben, welches vollständig 
wasserfest, sehr geschmeidig, dauerhaft und 
billiger als lohgares L. ist. Man erhält es ent 
weder nach dem Einbad verfahren mit Hilfe 
einer basischen Chromoxydsalzlösung (Chrom- 
alaun und Soda oder Kaliumdichromat und 
Schwefelsäure mit einem Reduktionsmittel) oder 
nach dem Zweibadverfahren, bei dem die 
Häute zunächst in ein Bad von Kaliumdichro 
mat und Schwfefelsäure und darauf in eine 
Lösung von Natriumthiosulfat und Salzsäure 
kommen. Von neuen Methoden sei noch die 
Formaldehydgerbung und die Behandlung 
mit einer Lösung von sulfiertem Naphtolpech 
erwähnt. — Bevor das fertig gegerbte L. io 
den Handel gebracht wird, muß es je nach 
dem Zweck, zu dem es bestimmt ist, noch ver 
schiedenartig zugerichtet werden. — Sohlleder 
wird meist in Bürden von fünf oder sechs 
Häuten gepackt und so von den bedeutendsten 
Erzeugungsplätzen Malmedy, Trier, Luxemburg; 
Siegen, Eschwege, Berlin und Hannover in de 11 
Handel gebracht. Doch wird es auch von ver 
schiedenen Herstellern zunächst geklopft odef 
gewalzt und dann in Rollen gepackt. Das eben 
falls zu Sohlen verarbeitete, glatt gestoßen«
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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