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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
L
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Leinengarn 
248 
Leinengewebe 
die Hede, d. i. die beim Hecheln ausgekämmte 
wirre Fasermasse, unterliegt zunächst einer Be 
arbeitung in Krempeln, und zwar einer Vor- 
und Feinkrempel, wie bei der Baumwolle, 
welche die Masse entwirren, reinigen, die Fasern 
möglichst parallel legen und zu einem Bande 
vereinigen. Die Bänder werden dann wie vor 
hin weiter behandelt, liefern aber gröberes, sog. 
Towgarn. — Für die Bemessung und Bezeich 
nung der Maschinengarne ist in den meisten 
Spinnereien des Kontinents das englische Muster 
eingeführt, nach dem die Weife 2 1 /» Yards 
(gleich 2,286 m) Umfang hat. 120 Umläufe 
machen also 300 Yards oder 1 Gebind, io Ge 
binde 1 Strähne und 20 Strähnen 1 Bündel eng 
lisch. 6 Bündef bei feineren und 3 bei den 
gröberen Nummern bilden 1 Paket. Die Zahl 
der Gebinde, welche auf 1 engl. Pfund gehen, 
ergibt die Garnnummer. Es hält sonach i Pfund 
Garn von Nr. 30 einen Faden von 9000 Yards 
Länge, Nr. 70 21000 Yards usw. Bei Handgarn 
gelten Ellen- und Schocke auch heute noch an 
manchen Orten. Es steht zu hoffen, daß der 
Krieg die schon lange angestrebte Einführung 
des metrischen Systems beschleunigen wird. — 
Zwischen Maschinen- und Handgespinst be 
stehen wesentliche Unterschiede. Jede der bei 
den Arten hat ihre besonderen Vorzüge und 
Mängel, welche für die Verwendung maßgebend 
sind. Das Maschinengarn ist immer gleichmäßig 
voll und gerundet, das Handgarn dagegen häu 
fig stellenweise dünner oder dicker, kantig und 
nicht frei von Knötchen. Dafür ist es weit glatter 
als jenes, das durch hervorstehende feine Här 
chen rauh und wollig erscheint. Aus diesem 
Grunde ist das fadengleiche Maschinengarn 
überall eingeführt, wo auf diese Eigenschaft 
etwas ankommt, wie bei Zwirn, glatten Bän 
dern, Leinen. Die Gewebe daraus entbehren 
aber des eigentümlichen Leinenglanzes, erschei 
nen nach der Bleiche rauh und reiben sich beim 
Tragen noch wolliger auf. Sie unterliegen daher 
auch schneller der Abnutzung, tragen sich weni 
ger angenehm und schmutzen leichter. Wo also 
der Leinenglanz, der sog. Spiegel, zur Geltung 
kommen soll, wie bei Damast, ist das Hand 
garn nicht zu verdrängen. Es kann sich über 
haupt um so eher gegen die Maschine behaup 
ten, je besser gesponnen wird, denn gutes 
Handgarn von gleichem Faden ist stets dem 
besten Maschinpngarn vorzuziehen. Man hat 
daher auch schon längst in den Spinnereigegen 
den durch Spinnschulen die Geschicklichkeit der 
Arbeiterinnen zu heben und sie namentlich auf 
die feineren Nummern hinzuführen gesucht. Die 
Lage der Spinner ist infolgedessen nicht mehr 
so trostlos als zu den Zeiten, in denen die 
mechanischen Spinnereien Englands zuerst ihre 
Massenware auf den Markt brachten. — Die 
Leinengarne werden je nach ihrer Bestimmung, 
ob zum Verweben oder zu Zwirn, schon 
beim Spinnen verschieden fest gedreht. Das 
Kettengarn erhält stärkere Drehung als das 
mehr lockere Schußgarn, und auch das zu 
Zwirn bestimmte wird weniger fest gesponnen. 
Leinenzwirn entsteht durch Zusammendrehen 
von 2, 3 oder 4 einzelnen Garnfäden zu einem 
Ganzen, und zwar geschieht diese Drehung ent 
gegengesetzt derjenigen, unter vtelcher das Garn 
entstand. Je nach der Anzahl der Fäden, die 
ihn zusammensetzen, heißt er zwei-, drei- und 
vierdrähtig usw. Im übrigen werden die zahl 
reichen Sorten und Nummern gewöhnlich nach 
dem Gebrauch, für den sie bestimmt sind, also 
als Näh-, Strick-, Spitzen-, Litzenzwirn 
benannt , Die Ware kommt teils gebleicht, teils 
ungebleicht in den Handel. Der Nähzwirn wird 
häufig gefärbt und appretiert, damit er beim 
Nähen nicht rauh wird. 
Leinengewebe. Die eigentliche Leinwand 
(frz. Toile, engl. Linen) besitzt die für glatte 
Gewebe charakteristische Bindung. Die Kette 
ist in zwei gleiche Abteilungen geordnet, welche 
die Fäden 1, 3, 5, bzw. 2, 4, 6 enthalten und 
beim Weben abwechselnd nach oben und unten 
gezogen werden, so daß nur zwei Tritte am 
Webstuhl nötig sind. Nach dem Material unter 
scheidet man Flachsleinwand oder reine 
Leinwand, Hanfleinen (nur gröbere Sorten), 
Wergleinwand und gemischte Gewebe. Letz 
tere zerfallen wieder in halbflächsene mit 
Flachsgarnkette und Schuß von Werkgarn, und 
halbbaumwollene, bei welcher Flachs- und 
Baumwollgarn Kette und Schuß oder auch 
Schuß und Kette bilden. Diese letzteren Gemische 
geben stets eine untergeordnete, obwohl häufig: 
gut aussehende Ware, die auch wohl irische 
Leinwand genannt wird. Das gröbste leiriwänd- 
artige Gewebe ist das Segeltuch, meist aus 
Hanfgarn, dann folgen Zelt-, Pack- und 
Sackleinen. Das zu Leibwäsche bestimmte 
Gewebe erscheint in sehr verschiedenen Graden 
der Stärke und Feinheit. Zu den stärkeren ge 
hört gewöhnlich die Hausleinwand, zu wel 
cher das Garn in ländlichen Wirtschaften selbst 
gesponnen wird. Die fabrikmäßig erzeugte Kauf- 
leinwand besteht durchweg aus Maschinen 
garn, da in Fabriken nur selten Handstühle auf 
gestellt sind. Immerhin geschieht das Weben 
noch vielfach auf den gewöhnlichen Handweb 
stühlen, da einerseits Handgespinst wegen seiner 
Ungleichheit für den Maschinenstuhl gar nicht 
in Frage kommt, andererseits Maschinengarn,, 
selbst das trocken gesponnene, oft nicht ge 
schmeidig genug und daher leicht dem Umschlin 
gen und Reißen ünterworfen ist, so daß nicht mit 
der erforderlichen Raschheit gearbeitet werden 
kann. Meist werden die Garne im ungebleichten 
Zustande verwebt, nur die schlesische und böh 
mische Weißgarnleinwand (Creas) und das west 
fälische Löwentlinnen bestehen aus gebleichtem 
Garn, Die Rohgarne kocht man vor dem Spulen 
in Soda- oder Pottaschelauge, wodurch sie ge 
schmeidiger werden. Diejenigen Gewebe von 
Rohgarnen, welche ungebleicht bleiben sollen, 
sind vom Webstuhl weg fertig und werden nur 
in Stückpakete gerollt und gebunden. Alle übri 
gen erhalten Appretur, welche in Bleichen, Stär 
ken, Kalandern und zuweilen auch Glänzen be 
steht. Gebleicht wird entweder durch Rasen 
bleiche oder rascher unter Anwendung von Chlor 
(Schnellbleiche). Die Rasenbleiche dient einer 
Ware zur Empfehlung, da Chlor, wenn es nicht 
sehr behutsam angewandt wird, die Haltbarkeit 
der Faser leicht herabmindern kann. Das Blei 
chen bezweckt die Löslichmachung und Ent 
fernung der anhaftenden dunkelfarbigen Stoffe 
und besteht in abwechselnder Behandlung durch
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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