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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
P
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Paraffin 
318 
Paraffinöl 
und der gewonnene Teer, eine braune butter 
artige Masse, oder bei höherer Temperatur ein 
klares hellbraunes Öl, in gußeisernen Blasen von 
20 dz Fassungsraum, meist unter Minderdruck, 
nochmals destilliert. Die zuerst übergehenden 
Stoffe sind paraffinarm und bilden das Rohöl, 
das auf Photogen und Solaröl verarbeitet 
wird; die zuletzt übergehenden, die sog. Pa 
raffinmasse, enthalten neben schweren Ölen 
(Paraffinöl, Schmieröl), die Hauptmasse des 
festen P. Zur Entfernung von Harz, Kreosotöl 
u. dgl. unterwirft man die Paraffinmasse einer 
Raffination mit konz. Schwefelsäure, Natron 
lauge und warmem Wasser und überläßt sie 
in großen kühl stehenden Bassins mehrere 
Wochen der Ruhe. Die in glänzenden gelb 
weißen Blättern auskristallisierende Paraffin 
butter wird durch Filterpressen geschickt, wo 
bei ein großer Teil des Öles (Paraffinöl) ab 
läuft, während die Schuppen, das Rohparaffin, 
Zurückbleiben. Das letztere wird mit io—150/0 
Braunkohlenbenzin zusammengeschmolzen, nach 
dem Erstarren in hydraulischen Pressen stark 
abgepreßt und das Verfahren mehrmals wieder 
holt, bis die Masse fast weiß ist. Schließlich 
kocht man das P. zur Entfernung des Benzins 
mit Wasser aus, entfärbt es völlig durch Er 
hitzen mit Knochenkohle oder feinem Ton und 
gießt es dann für den Handel in Blöcke. Von 
den Nebenprodukten der Paraffingewinnung 
haben die flüssigen Bestandteile des Rohöls, 
Photogen und Solaröl, die durch eine Raffi 
nation mit Schwefelsäure und Natronlauge so 
wie durch fraktionierte Destillation des Rohöls 
gewonnen werden, die größte Bedeutung. Das 
Photogen, zu dem man alle Fraktionen mit 
einem spez. Gew. unter 0,825 rechnet, bildet 
eine farblose oder schwach gelbliche Flüssig 
keit von unangenehm rettichartigem Geruch. 
Seine niedrig siedenden Anteile vom spez. Gew. 
0,77-—0,81, das Braunkohlenbenzin, dienen, wie 
erwähnt, zur Reinigung des P., während die 
höher siedenden mit spez. Gew. von 0,810—0,825 
als eigentliches Photogen, Ligroin oder deut 
sches Petroleum zur Beleuchtung oder als Fleck 
wasser Verwendung finden. Das gelbliche, ziem 
lich dickflüssige Solaröl (spez. Gew. 0,825 bis 
0,835) wird als billiger Ersatz des amerika 
nischen Petroleums benutzt, dem es an Leucht 
kraft nahe kommt. Das zum Brennen untaug 
liche dicke Öl, das vom P. abgepreßt wird, 
kommt als Paraffinöl zu Schmierzwecken 
oder zur Ölgasbereitung in den Handel. Die 
Ausbeute an Teer beträgt etwa 5 0/0 der ver 
arbeiteten Braunkohlen. In der Zeit vor dem 
Kriege wurden in Deutschland jährlich aus 
65000 t Teer 7500 t P. und 36000 t Paraffinöl 
gewonnen. — Die Darstellung auä dem bitumi 
nösen Schiefer, der besonders in Ungarn und 
im Banat vorkommt . sowie aus den hoch 
siedenden Anteilen des Rohpetroleums erfolgt 
in ähnlicher Weise. Das aus letzterem durch 
Auskristallisieren gewonnene P. wird als Bel- 
montin, ein durch Destillation erhaltenes 
Weichparaffin von zarter, salbenartiger Kon 
sistenz als Vaseline oder Paraffinsalbe be 
zeichnet. Das wertvollste Ausgangsmaferial, der 
Ozokerit, der 50—80% beste Paraffinmasse 
liefert, wird meist ohne Destillation durch Be 
handlung mit rauchender Schwefelsäure und I 
Entfärbung mit Tierkohle gereinigt und liefert 
dann ein schwer schmelzbares P., das Zeresin. I 
— P. bildet im gereinigten Zustande eine durch- I 
scheinende, geruch- und geschmacklose Masse | 
von bläulichweißer Farbe, die beim Kneten in 
der Hand erweicht, sich aber nur wenig fettig 
anfühlt. In Wasser ist es unlöslich, kochender 
Alkohol löst etwa 3 0/0, in Äther, Schwefel- I 
kohlenstoff, Benzin und fetten Ölen löst es sich 
bei gelindem Erwärmen fast in jedem Verhält 
nis auf. Mit Wachs, Walrat, Fetten und Harzen j 
kann es leicht zusammengeschmolzen und ge- I 
mischt werden. Konzentrierte Schwefel- und 
Salpetersäure sowie ätzende Alkalien sind ohne 
jede Einwirkung, von Chlorgas wird es nur in 
geschmolzenem Zustande unter Bildung einer 
zähen harzigen Masse (Chlorparaffin) an- I 
gegriffen. Beim Erhitzen mit Schwefel ent- I 
wickelt das P. Schwefelwasserstoff und zersetzt 
sich dabei vollständig unter Abscheidung von 
Kohle. Bei gewöhnlicher Temperatur läßt es I 
sich nicht anzünden, erst nach dem Erhitzen I 
auf 160—170 0 verbrennt es mit leuchtender I 
Flamme. Zwischen 3^0—400 0 geht das P. zum 
größten Teil unzersetzt über. Der Schmelz- I 
punkt, das spez. Gew. und die Härte, die mit- 1 
einander steigen und fallen, unterliegen großen I 
Schwankungen. Nach ihrer Höhe unterscheidet I 
man in der Regel Weichparaffin (Schmelz- I 
punkt 44—48°, spez. Gew. 0,88—0,89) und I 
Hartparaffin (Schmelzpunkt 52—56°, spez. 
Gew. 0,828—0,915), oder wie bei den Braun 
kohlendestillaten Weichparaffin (Schmelzpunkt 
38—42°), Mittelparaffin (47—50°) und Hart- I 
paraffin (53—55°), doch kommen auch Hart- 1 
paraffine mit Schmelzpunkten bis zu 70° vor. I 
Über 70—8o° liegende Schmelzpunkte und spez. I 
Gewichte von 0,918—0,930 deuten auf Zeresin I 
hin. Je höher der Schmelzpunkt, um so wert- | 
voller ist das P. Die Hauptmenge dient zur I 
Herstellung von Kerzen. Außerdem benutzt 1 
man es zum Imprägnieren vieler Stoffe, ent- I 
weder um sie wasserdicht oder durchscheinend I 
zu machen (wasserdichte Gewebe, Pauspapier), 1 
oder um sie vor Witterungs- bzw. chemischen I 
Einflüssen zu schützen (Marmorstatuen, Holz 
fässer, Korke). In der Zündholzindustrie wer- I 
den die Hölzer mit P. getränkt, in Laboratorien 
findet es zur Füllung von Paraffinbädern und 
zum luftdichten Verschluß von Flaschen und 
Apparaten Verwendung. — Das Paraffinum 
solidum des D.A. B. ist mit Schwefelsäure ge 
reinigter Ozokerit und sollte daher Zeresin 
heißen. 
Paraffinöl nennt man das beim Auspressen 
der Paraffinmasse (s. d.) ablaufende schwere Öl, 
das je nach dem Ausgangsmaterial verschie 
dene Eigenschaften zeigt. P. aus Braunkohlen- J 
teer besitzt meist neben dunkler Farbe einen 
unangenehmen Geruch und wird gewöhnlich 
zur Bereitung von Leuchtgas benutzt, während 
das weniger übelriechende P. des Ölschiefers 
auch als Schmieröl Verwendung finden kann- 
Das P. oder Ozokeritöl des D.A.B. (Pa- 
raffinum liquidum) wird aus den über 300 0 
siedenden Bestandteilen des Petroleums (nament 
lich von Baku) durch Behandlung mit rauchen- : 
der Schwefelsäure, Natronlauge und Tierkohl®
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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