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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Schießpulver 
394 
Schildkröten 
Temperatur explodiert sie hingegen mit un 
geheurer Gewalt, welche diejenige des Pulvers 
bis zum Zehnfachen übertrifft. Die S. wird vor 
allem zu Sprengungen benutzt und hat hierbei 
den Vorzug, daß das Bohrloch nicht verrammt 
zu werden braucht. Ferner dient sie zum Füllen 
von Torpedos, Granaten und Minen und zur 
Herstellung des rauchlosen Pulvers. Die in ähn 
licher Weise hergestellte Kollodiumwolle 
(s. d.) ist Zellulosetetranitrat. Die S. kann in 
feuchtem oder gekörntem Zustande völlig ge 
fahrlos versandt werden. Während des Krieges 
ist es gelungen, die Sch. aus Holzzellulose her 
zustellen und dadurch die auf die Abschneidung 
der Baumwolle gesetzten Hoffnungen der Feinde 
zu vereiteln. 
Schießpulver (Pulver, frz. Poudre ä canon, 
engl. Gun-powder), ein wahrscheinlich schon 
seit uralten Zeiten bekannter Stoff, besteht aus 
Mischungen von Salpeter, Kohle und Schwefel 
in wechselnden Verhältnissen, die durch be 
sondere Maßnahmen in eine gekörnte Form 
übergeführt werden. Zur Herstellung des S. 
werden reinster, chlorfreier Kalisalpeter, selbst 
gemahlener Stangen- oder Brotschwefel (hin 
gegen keine Schwefelblumen) und eine beson 
ders leichte, poröse Holzkohle verwandt. Vor 
allem eignet sich hierzu die Kohle von Pappel, 
Faulbaum, Linde und Kastanie, die in geschäl 
ten, daumendicken und völlig trockenen Stäben 
in eisernen Zylindern auf picht zu hohe Tempe 
raturen, am besten mit überhitztem Wasser 
dampf, erhitzt werden. Auch Flachs, Hanf und 
Weinrebe geben gute Kohle. Bei einer Tempe 
ratur von 270—300 0 erhält man die rasch 
entzündliche, für Jagdpulver geeignete Rot- 
kohle,bei35o°dieschwererbrennbare Schwarz 
kohle für Kriegspulver. Zur Vermeidung von 
Wasseranziehung und Selbstentzündung wird 
die Kohle möglichst bald in Stampfwerken oder 
Kugelmühlen zerkleinert, in den mit Leder 
überzogenen Mengtrommeln mit der erforder 
lichen Menge Schwefel und Salpeter vermischt und 
die mit etwas Wasser gleichmäßig angefeuchtete 
Masse auf einem endlosen Tuche zwischen Wal 
zen hindurchgeführt oder durch hydraulische 
Pressen verdichtet. Man erhält hierdurch Plat 
ten von dem Aussehen und der Härte des Schie 
fers, die zwischen geriffelten Walzen oder in 
mit Sieben versehenen Körnmaschinen inKörner 
verschiedener Größe zerteilt werden. Die letz 
teren werden an der Luft vorgetrocknet, in 
Trommeln durch gegenseitige Reibung poliert 
und darauf bei höherer Temperatur völlig ge 
trocknet. Zum Versand kommt das P. in 
Fässer, für größere Mengen und Entfernungen 
aber erst in leinene oder lederne Säcke und mit 
diesen in Holzfässer. Kleinere Mengen Jagd 
pulver werden auch in Glas- oder Blech 
flaschen versandt. Pulverfässer sollen nie ge 
rollt, sondern stets getragen Werden. Die ein 
zelnen Pulversorten unterscheiden sich sowohl 
durch die chemische Zusammensetzung wie den 
Grad der Feinheit. Jagdpulver enthält im Durch 
schnitt meist 77 Teile Salpeter, 13 Kohle, 
10 Schwefel; Militärpulver 75 Teile Salpeter, 
15 Kohle, 10 Schwefel; Sprengpulver 66 Teile 
Salpeter, 11 Kohle, 23 Schwefel. Erhöhter 
Schwefelgehalt macht das Pulver unempfind 
licher gegen Feuchtigkeit und haltbarer für den 
Versand, erniedrigt aber die Sprengkraft und 
verlangsamt die Verbrennung. Größerer Koh 
lenstoffgehalt steigert die Entzündlichkeit, aber 
auch die Neigung zum Feuchtwerden. Groß 
körniges Pulver verbrennt langsamer und wird 
daher als Geschützpulver verwandt. DasPirsch-, 
Jagd- oder Scheibenpulver ist die feinste 
Sorte mit mohnsamengroßen, polierten und run 
den Körnern. Das Musketenpulver ist gröber 
und weniger poliert, noch grobkörniger das 
meist aus eckigen Bruchstücken bestehende Ge 
schützpulver.Für großes Belagerungsgeschütz, 
Strandbatterien und Schiffsgeschütze wird meist 
das prismatische Pulver benutzt, das aus 
sechsseitigen, von sechs Kanälen durchzogenen 
Prismen besteht und durch Pressen des an 
gefeuchteten Pulverkuchens in Formen her 
gestellt wird. Gutes S. muß staubfrei sein und 
darf nicht abfärben. Das Korn sei fest und 
gleichmäßig schwach glänzend, die Farbe blei 
grau. Tiefschwarzes Pulver hat entweder einen 
zu hohen Kohlenstoffgehalt oder ist naß ge 
wesen. Der Feuchtigkeitsgehalt soll 1 1 / 2 0/0 nicht 
übersteigen. Auf Papier verbrannt, darf gutes 
S. die Unterlage nicht entzünden und nur einen 
unbedeutenden schwarzen Fleck hinterlassen. — 
Das für die Handfeuerwaffen des Heeres be 
stimmte rauchlose Pulver (Blättchenpul 
ver) wird durch Auflösen von Schießbaum 
wolle in Essigäther, Azeton oder Alkoholäther, 
Auswalzen der entstehenden gelatineartigen 
Masse und Zerschneiden in runde oder vier 
eckige Blättchen hergestellt. Dieses Pulver 
brennt, mit offener Flamme entzündet, schnell, 
aber ruhig ab. Im geschlossenen Raume explo 
diert es ohne Rauchentwicklung. Von anderen 
rauchlosen Pulvern besteht das Nobelsche 
Ballistit aus einem Gemenge von Kollodium 
wolle mit Nitroglyzerin, das Kordit der eng 
lischen Armee aus einem Gemisch von Nitro 
glyzerin mit in Azeton gelöster Schießbaum 
wolle. Auch hat man Verbindungen der Pikrin 
säure zu gleichem Zwecke (Pikratpulver) her 
angezogen. 
Schildkröten (frz.Tortues, engl. Turtles). Von 
diesen zur Klasse der Amphibien gehörigen 
Tieren bilden mehrere Arten ihres nahrhaften 
und schmackhaften Fleisches wegen einen Gegen 
stand des Lebensmittelhandels. So wird von den 
Landschildkröten die bis zu 2 kg schwere 
griechische S., Testudo graeca, in gan? 
Italien und Griechenland regelmäßig auf den 
Markt gebracht, und in Brasilien bildet eine 
andere Landschildkröte, der Schabuti (Te 
studo tabulata), ein wichtiges Nahrungsmittel- 
Die schmackhafteste und wichtigste aller Arten, 
die im Atlantischen Ozean lebende Suppen' 
Schildkröte, Chelonia Mydas, erreicht unter 
Umständen ein Gewicht von 500 kg, hält sieb 
vorzugsweise in der Nähe der Küste auf um 
legt ihre Eier in ein in den Sand oder die Erde 
gegrabenes Loch. Die Schildkröteneier 
mehrerer Arten werden ebenfalls genossen und 
auch, eingesalzen und mariniert, in den Handel 
gebracht. Aus dem Fleische bereitet man di® 
Schildkrötensuppe (engl. Real turtle souj>) 
sowie auch Ragouts (Würzfleisch) und Fri 
kassees (Schnittfleischgerichte). Echte Schild'
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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