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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Schwefel 
400 
Schwefel 
dicke, meist aber erst im zweiten Herbst. Zur 
Aufbewahrung werden sie in frostfreien Räu 
men eingeschlagen und bleiben so lange zart 
und brauchbar, als'beim Zerbrechen noch der 
Milchsaft ausfließt. Verkauft werden die Wur 
zeln in Bündeln auf Wochenmärkten. In Deutsch 
land zeichnet sich besonders Bamberg durch 
den Anbau aus. 
Schwefel (lat. Sulfur seu Sulphur, frz.Soufre, 
engl. Sulphur). Der Schwefel ist schon seit den 
ältesten Zeiten bekannt. Die Alchimisten be 
trachteten ihn als die Ursache der Verbrenn 
lichkeit sowie als den Träger der Verschieden 
artigkeit der Metalle in Farbe und sonstigen 
Eigenschaften. Sein Vorkommen in freiem Zu 
stande als sog. gediegener S. knüpft sich vor 
zugsweise an Gegenden, in denen vulkanische 
Kräfte tätig sind oder einst waren. So findet 
er sich in der Romagna, in Sizilien, Spanien 
und Griechenland, auf Island, bei Bahara Sa- 
phinqua am Roten Meere, in Kalifornien, Mexiko 
und Südamerika entweder in Form von Körnern, 
Kristallen oder Knollen, oder aber in ausgedehn 
ten Lagern, mit Gips, Kalkstein und bitumi 
nösem Mergel gemischt. Man erklärt sich die 
Entstehung des S, in vulkanischen Gegenden 
aus der Umsetzung der beiden Gase Schwefel 
wasserstoff und schweflige Säure. Diese ent 
strömen Erdlöchern (Solfataren) und zer 
setzen sich beim Zusammentreffen unter Ab 
scheidung von S., der an den Austrittsöffnun 
gen Krusten bildet. Teilweise dringen die vul 
kanischen Gase auch in das lockere Erdreich 
ein und hinterlassen in diesem den S. Eine der 
großartigsten Solfataren ist die von Puzzuoli 
bei Neapel. Viel reichlicher und verbreiteter als 
freier S. kommen seine Verbindungen in der 
Natur vor. An Metalle gebunden, findet er sich 
in verschiedenen Erzen, die in der Mineralogie 
als Kiese, Glanze und Blenden bezeichnet 
werden. Die bekanntesten sind Kupferkies. 
Eisenkies, Bieiglanz, Antimonglanz, Molybdän 
glanz und Zinkblende. In Verbindung mit Ar 
senik bildet der S. die Mineralien Realgar und 
Auripigment. Auch in Form von schwefelsauren 
Salzen kommt er sehr verbreitet vor. Derartige 
natürlich vorkommende schwefelsaure Salze 
(Sulfate) sind z. B. der Gips, der Schwerspat, 
der Kieserit und das Bittersalz. Im Tier- und 
Pflanzenreich finden sich ebenfalls Schwefel 
verbindungen, z. B. im Knoblauch- und Asa- 
foetidaöl sowie vor allem in den Eiweißkörpern. 
Die überwiegende Menge des im kontinentalen 
Handel vorkommenden S. wird aus den natür 
lichen Lagerstätten Italiens, hauptsächlich in 
d er Romagna und auf Sizilien, gewonnen. Auf 
Sizilien erstreckt sich die schwefelhaltige Gegend 
an der Südküste von Girgenti nordöstlich bis 
an den Fuß des Ätna in einer Länge von un 
gefähr 25 Meilen bei 5—6 Meilen Breite. Man 
gewinnt das schwefelhaltige, Gestein und Erd 
reich, das außer S. noch Gips, Kalkstein und 
M(ergel enthält, teils direkt aus den zutage 
liegenden Anhäufungen, teils bergmännisch aus 
den in der Tiefe sich befindenden Lagern. Die 
Gesteine enthalten durchschnittlich etwa 250/0 S., 
die reichsten gegen 5°°/°- Bei einem Schwefel 
gehalt unter 10 0/0 ist die Verarbeitung un- 
lohnend. Die Abscheidung des natürlichen ge 
diegenen S. aus dem Gestein und Erdreich ge 
schah früher in Sizilien auf folgende höchst 
einfache Weise: In runden, 2,5 m im Durchmesser, 
0,4 m in der Tiefe messenden Erdlöchern (Cal- 
carelle) wurden die Erze zu einem hohen 
Haufen aufgeschichtet, dieser dann am Abend 
angezündet und am anderen Morgen der durch 
die Wärme in dem äußeren Ringe der Ver 
tiefung angesammelte geschmolzene S. aus 
geschöpft. Zur Vermeidung der mit diesem 
rohen Verfahren verbundenen Verluste wendet 
man seit 1858 ein verbessertes Ausschmelz 
verfahren in den sog. Calcaroni an. Die letz 
teren sind runde, etwa 2,5 m tiefe Gruben von 
10 m Durchmesser, die mit einer geglätteten 
Gipsmauer ausgekleidet sind und meist an einem 
Abhange liegen, so daß sich ein vollständiges 
Abfließen des S. ermöglichen läßt. In den Gru 
ben werden die Schwefelerze aufgeschichtet und 
dann der ganze Haufen von der Gestalt eines 
abgestumpften Kegels mit ausgebrannten Erzen 
bedeckt. Der durch Anzünden des Haufens von 
unten zum Schmelzen gebrachte S. sammelt 
sich an der tiefsten Stelle wieder an, fließt dann 
durch ein Zapfloch in einen Behälter und wird 
schließlich in Formen gegossen. Neuerdings ge 
winnt man den S. in Sizilien auch dadurch, daß 
man die Schwefelerze einfach in großen Pyra 
miden aufschichtet, diese nach Art eines Meilers 
dick mit Erde bedeckt und unter der Decke in 
Brand setzt. Hierbei geht ziemlich wenig S- 
durch Verbrennen verloren, und die Methode 
ist deshalb recht vorteilhaft, wenn auch etwas 
langwierig, da das Ausschmelzen eines Meilers 
gegen 20 Tage erfordert. Aus besonders schwe- 
felreichen Erzen scheidet man den S. auch durch 
Ausschmelzen in Kesseln bei möglichst geringer 
Hitze und möglichster Fernhaltung der Luft ab- 
Nachdem die Masse einige Zeit in Fluß gestalt' 
den und die fremden Teile sich zu Boden ge' 
setzt haben, schöpft man den S. in naßgemaebte 
hölzerne Kästen und läßt ihn zu Blöcken er- 
starren. Das weit zweckmäßigere Verfahren, 
den S. durch Ausschmelzen in geschlossenen 
Gefäßen mit gespanntem Wasserdampf oder 
durch Destillation schwefelreicherer Erze, wi® 
es in der Romagna gang und gäbe ist, zu g e ' 
winnen, läßt sich in Sizilien nicht ausführen, 
weil dort der S. das einzige Brennmaterial bil' 
det und Kohlen zu kostspielig sind. — Alle 1 
durch Ausschmelzen gewonnene S. ist Roh' 
Schwefel, der in unregelmäßigen Brocken > n 
den Handel kommt und zur Darstellung von 
Schwefelsäure ohne weiteres benutzt werden 
kann. Der Hauptabnehmer für sizilianischcn 
Rohschwefel ist England. Für viele ander® 
Zwecke puuß der S. vorher einer Reinigung 
(Raffination) unterzogen werden. — Das Rai' 
finieren des Rohschwefels, der außer erdig® 11 
Beimengungen oft auch Arsen enthält, wird ^ 
verschiedenen Mittelmeerstädten, besonders 111 
Marseille, ausgeführt, doch finden sich Schw®' 
felraffinerien auch in Antwerpen, Schönebec* 
usw. Die Reinigung geschieht ..tjurch Sublim 3 ) 
tion oder Destillation. Zu diesem,.Zwecke 
der S. in gußeisernen Retorte^j^er horizoö 
talen Zylindern in Dampf verw^rfde^und die 5 ® 
durch einen Kanal in eine gemauerte Kamt 11 ® 
geleitet, worin er sich, solange die Temperata
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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