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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Schwefelbalsam 
402 
Schwefelkohlenstoff 
kalzium (Kalkschwefelleber) enthält, so viel 
Salzsäure hinzugefügt, daß nur die Kalkschwefel 
leber zur Zersetzung gelangt. Unter Entweichen 
von Schwefelwasserstoff fällt S. nieder, der gut 
ausgewaschen und getrocknet wird. Der prä- 
zipitierte S. ist in Schwefelkohlenstoff leichtlös 
lich und von neutraler Reaktion. Das offizineile 
Mittel darf weder freie Schwefelsäure, noch 
Gips oder Arsen enthalten. — Der graue S. 
oder Roßschwefel (lat. Sulfur griseum, Sul 
fur caballinum, frz. Soufre cabalin, engl. Horse 
sulphur) besteht aus den erdigen, meist Arsen 
enthaltenden Rückständen der Schwefelsublima 
tion und stellt ein graues, sandiges Pulver dar. 
— Die Verwendung des S. ist eine außer 
ordentlich vielseitige. Die größten Mengen wer 
den zur Bereitung von schwarzem Schießpulver 
und Ultramarin, zum Vulkanisieren des Kaut-, 
schuks und vor allem zur Herstellung von Schwe 
felsäure gebraucht. Ein großer Teil der ge 
wonnenen Schwefelblumen dient in neuerer Zeit 
zur Bekämpfung der Traubenkrankheit, haupt 
sächlich auf Sizilien selbst, dann aber auch im 
übrigen Italien, in Frankreich, Spanien, Grie 
chenland usw. Allgemein bekannt ist die Ver 
wendung des S. zu Streichhölzern und anderen 
Zündwaren, der Schwefeldämpfe zum Bleichen 
von Seide und Wollwaren, von Strohhüten und 
Korbwaren, zum Schwefeln des Hopfens und 
der Weinfässer. Auch in der Feuerwerkerei so 
wie in chemischen Fabriken zur Herstellung von 
Zinnober, Schwefelleber, Schwefelkohlenstoff 
und anderer chemisch-technischer Erzeugnisse 
wird viel S. verbraucht. Kleinere Mengen von 
S. finden zu Abgüssen, zu Hohlformen für die 
Gipsgießerei und zu Kitten Verwendung. Inder 
Medizin wird der gereinigte sowie der präzipi- 
tierte S. innerlich besonders als gelinde ab 
führendes und die Schleimabsonderung be 
förderndes Mittel, äußerlich gegen Krätze und 
andere Hautleiden angewandt. Der graue S. 
wird mitunter als Vieharznei gebraucht. Die 
Gesamterzeugung der Erde an Schwefel wird 
auf 8 Millionen Tonnen geschätzt, wovon etwa 
die Hälfte auf Sizilien entfällt. 
Schwefelbalsam (Schwefelleinöl, lat. Bal- 
samum sulfuris, Oleum lini sulfuratum, frz. 
Beaume de soufre, engl. Balsam of sulphur) 
wird durch Verrühren von heißem Leinöl mit 
Schwefel hergestellt, wobei unter Aufnahme 
von etwa l /e seines Gewichtes an Schwefel 
blumen eine dunkelrotbraune, dickflüssige oder 
steife, zähe Masse von unangenehmem Geruch 
entsteht. S. dient in der Technik zur Herstel 
lung einer Goldlösung für die sog. Glanzvergol 
dung (Glanzgold des Porzellans). In der Tier 
arznei wird er äußerlich und innerlich gebraucht. 
Seine Auflösung in Terpentinöl galt früher unter 
dem Namen Harlemer Öl als eine Art Uni 
versalmittel. 
Schwefelfarbstoffe. Unter diesem Namen faßt 
man eine großeAnzahl vonTeerfarben (13. Gruppe) 
zusammen, welche durch Einwirkung von Schwe 
fel oder Schwefelalkalien auf die mannigfaltig 
sten organischen Verbindungen entstehen. Ihre 
Konstitution ist noch nicht völlig bekannt, doch 
spricht ihre Unkristallisierbarkeit für eine hoch 
molekulare Zusammensetzung. Die Schwefel 
farbstoffe, zu denen auch die Immedial-, 
Thiogen-, Katigen-, Kryogen-, Thion-, 
Thioxin-, Pyrol- und Pyrogenfarben der 1 
verschiedenen chemischen Fabriken zu zählen 
sind, kommen als amorphe Pulver in den Han- j 
del, die in Wasser, Alkalien, Säuren und den ge 
bräuchlichen Lösungsmitteln unlöslich sind, sich 
aber in Schwefelnatrium auflösen. Die Lösung 
wird durch Erhitzen entfärbt und kann sowohl 
in dieser Form, mit nachträglicher Oxydation i 
der Leukoverbindung als Körperfarbstoff, wie 
auch direkt zur Färbung von Baumwolle be- j 
nutzt werden. Es gibt rote, gelbe, grüne, blaue, 1 
violette usw. S., doch sind besonders die grau 
grünen, graublauen bis schwarzen Färbungen 
durch große Licht- und Waschechtheit aus- ; 
gezeichnet, die noch durch Nachchromieren 
oder Nachkupfern gesteigert werden kann. Von 
der unübersehbaren Zahl dieser Farben seien 
nur Schwefelschwarz T aus Dinitrophenol 
und Immedialschwarz aus Dinitrooxydi- 
phenylamin namhaft gemacht. Auch das aus j 
Sägemehl, Kleie usw. durch Erhitzen mit Schwe 
fel und Sulfiden hergestellte Cachou de La- 
val gehört hierher. 
Schwefelkies (Eisenkies, Pyrit, lat.Pyrites, 
frz. Pyrite, engl. Pyrites). Dieses im Handel 
und Hüttenwesen häufig abgekürzt auch einfach 
Kies genannte wichtige Mineral besteht aus 
46,7 0/0 Eisen und 53,3 0/0 Schwefel und ist dem 
nach als Zweifachschwefeleisen (Eisen- 
bisulfid, Doppelschwefeleisen, Eisen- 
disulfuret), FeS 2 , anzusprechen. Nicht selten 
enthält es kleine Mengen von Kupfer und Arsen 
sowie Spuren von Gold, Silber, Thallium und 
Gallium beigemengt. Der S. kommt teils derb 
und eingesprengt, teils auch in ziemlich großen 
Kristallen vor. Er hat eine messinggelbe bis 
goldgelbe Farbe und metallischen Glanz und ist 
eines der am allgemeinsten verbreiteten Erze, , J 
das hauptsächlich zur Bereitung von Schwefel, 
Schwefelsäure und schwefliger Säure verwandt 
wird. Die Rückstände werden nicht allein zur 
Extraktion der geringen Mengen von Gold und 
Kupfer, sondern auch zur Gewinnung des 
Eisens benutzt. Auch Eisenvitriol wird vielfach 
aus S. hergestellt. Der analog zusammengesetzte, 
aber anders kristallisierende Markasit findet 
die gleiche Verwendung. 
Schwefelkohlenstoff (Schwefelalkohol, 
Kohlenstoffbisulfid, Sulfokohlensäure, 
lat. Carboneum sulfuratum, Alcohol sulfuris, frz- 
Sulfure de carbone, engl. Sulfuret of carbon) 
wurde im Jahre 1796 von Lampadius in Frei- 
berg zuerst dargestellt, wird aber jetzt im 
großen durch Überleiten von Schwefeldämpfe 11 
über glühende Kohlen gewonnen. Zu diesem 
Zwecke destilliert man entweder ein Gemeng 6 
von Kohle mit Schwefelkies, Kupferkies oder 
Antimonglanz, oder man erhitzt Holzkohle m 
Ton- oder innen mit Ton ausgekleideten Eisen' 
retorten bis zum Glühen und wirft dann durch 
ein Rohr, das bis auf den Boden der Retorte 
reicht und immer wieder rasch geschlossen 
wird, nach und nach Schwefel ein. Dieser ver 
dampft und verbindet sich mit dem Kohlenstoff 
zu Schwefelkohlenstoff, der oben dampfförmig 
durch ein Knierohr mit Kühlvorrichtung abziebt- 
Das Rohdestillat enthält noch Schwefel, Schwe 
felwasserstoff und fremde organische Schwefel'
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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