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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Seide 
408 
Seide 
in der Zuidersee (Holland), einen einträglichen 
Erwerbszweig. Das nach Stürmen in großen 
Massen ans Land geworfene S. wird von dem 
beigemengten Blasentang gesondert, mehrmals 
gewaschen und an der Luft getrocknet. Kopen 
hagen, Hamburg, Lübeck, Stettin und Triest 
liefern es in zusammengepreßten Ballen von 
ioo—150 kg. 
Seide (frz. Soie, engl. Silk), der edelste und 
schönste aller Webstoffe, besteht aus dem Ko 
konfaden der Seidenraupe, mit welchem diese 
sich bei der Verpuppung umspinnt. Der Maul 
beerspinner (Bombyx Mori) und seine Futter 
pflanze, der Maulbeerbaum, stammen aus 
Asien und haben sich erst um SSO n. Ghr. über 
das südliche und einen Teil des mittleren Europas 
verbreitet. — Der Seidenschmetterling mißt zwi 
schen, den ausgebreiteten Flügeln etwa 40 bis 
50 mm, erscheint schmutzig weiß, mit einigen 
lederfarbenen Linien und hat auf jedem Vorder 
flügel einen undeutlichen halbmondförmigen 
Fleck. Das Weibchen legt 200—300, oft aber 
mehr als 500 bläuliche Eier (Grains), die sich 
im Kühlen unter 18 0 lange aufbewahren und 
weit versenden lassen, während sie bei einer 
etwas höheren Temperatur auskriechen. Die ins 
gesamt 50 g wiegenden Eier von 300—360 
Schmetterlingen ergeben 40 000—60 000 kleine 
schwärzliche Räupchen, die binnen 4—3 Wochen 
heranwachsen, sich viermal häuten und eine 
immer wachsende Freßlust entwickeln. Die aus 
gewachsenen Raupen sind etwa 60 mm lang, 
schmutzig weiß, mit einzelnen dunkleren Fleck 
chen und haben eine glatte Oberfläche sowie auf 
dem vorletzten Hinterleibsringe ein Horn. So 
bald die Raupen kurz vor der Verpuppung un 
ruhig werden, gibt man ihnen Gelegenheit, zwi 
schen aufgestelltem Reisig (Spinnhütten) einen 
Platz zum Einspinnen zu suchen,. doch spinnen 
sich viele gleich in den Maulbeerzweigen ein, 
auf denen sie liegen und fressen. Im Körper 
der Raupe befanden sich zwei lange Schläuche 
mit einem gummiartigen Saft, den die aus 
gewachsene Raupe aus zwei unter dem Munde 
befindlichen feinen Öffnungen hervortreibt und 
sogleich zu einem einzigen Faden vereinigt. Mit 
dem an der Luft rasch erhärtenden Faden bildet 
die Raupe rund um sich herum zunächst ein 
lockeres, grobes, durchsichtiges Netz und dann 
innerhalb desselben in 7—8 Tagen eine dichte 
ei- oder walzenförmige Hülle, den Kokon (frz. 
Cocon, engl. Coccon), deren innerste Schicht 
ein pergamentartiges Häutchen ist. Die Länge 
des einzigen, die ganze Hülle bildenden Fadens 
soll 3500—3700 m betragen, wovon jedoch für 
die Verarbeitung zu langer S. nur etwa 300-—600, 
selten bis 900 m zu erlangen sind. Die Kokons 
besitzen höchstens die Größe eines Taubeneies, 
sind aber meist kleiner. Nur die weiblichen 
haben Eiform, während die männlichen in der 
Mitte eine Einschnürung zeigen. Die Farbe ist 
meist weiß oder hellgelb, doch auch grünlich 
und rötlich. Nach 2—3 Wochen brechen aus 
den Kokons die Schmetterlinge hervor, und die 
Geschlechter suchen sich auf. Ist es nicht auf 
Nachzucht, sondern auf Seidengewinnung ab 
gesehen, so verhindert man das Auskriechen 
durch Tötung des eingeschlossenen Tieres, da die 
verlassenen durchbissenen Kokons keinen ganzen 
Faden mein* geben und nur als Abfallseide 
dienen können. Das Töten wird entweder durch 
die Hitze eines Backofens oder durch heiße 
Wasserdämpfe bewirkt, indem man die Kokons 
in einem Siebe über siedendes Wasser setzt, oder 
endlich durch Dämpfe von Terpentinöl, Kampfer 
und brennendem Schwefel. Mit dem Abtöten der 
Kokons ist die Tätigkeit des kleinen Seiden 
züchters beendet. Die folgende Bearbeitung, das 
Abhaspeln, ist Sache besonders darauf eingeübter 
weiblicher Hände und erfolgt in Frankreich und 
Italien in besonderen Anstalten, den sog. Ei 
landen. Die hier zu bearbeitenden Kokons 
werden nach Farbe und Beschaffenheit, die 
festen und lockeren für sich, getrennt, fleckige, 
doppelte und sonst fehlerhafte ausgeschieden. 
Durch Einlegen in heißes Wasser wird der 
natürliche Leimüberzug, mit dem die Faden 
windungen aufeinander kleben, erweicht, darauf 
die noch anhängende Flockwolle durch Schlagen 
mit Reisig entfernt und der Faden von drei bis 
acht und mehr Kokons zu einem einzigen Faden 
aufgehaspelt. — Die auf den Haspeln selbst 
trocken gewordenen Strähne bilden die Roh 
seide oder Greze (frz. Gröge, Gröye, engl. 
Raw silk), die bereits in diesem Zustande, trotz 
dem der Faden hart und starr ist, verschiedene 
Verwendung, zu Gaze, Blonden u. dgl., findet. 
Die meiste S. wird aber durch Kochen in Seifen 
wasser von dem leimigen Überzüge, der den 
Faden einhüllt und auch der Träger der gelben 
und anderen Färbungen ist, befreit und erscheint 
rein weiß. Auch sind die Fäden durch das 
Kochen (Entschälen oder Degummieren) 
dünner, geschmeidiger und glänzender geworden. 
Gewöhnlich wird die S. hierauf noch mit Schwefel 
dämpfen gebleicht, doch ist die naturweiße immer 
besser, besonders zum Färben. Für gewisse Ge-, 
webe, die etwas steifer und glanzloser sein dürfen, 
wird die S. kürzere Zeit gekocht und heißt dann 
halbgekochte, souplierte oder Soupleseide. 
Bei dem nunmehr folgenden Zwirnen (Filtrie 
ren, Moulinieren) entstehen die beiden haupt 
sächlichen, Sorten Organsin (Ajanseide) und 
Trama oder Ketten- und Einschlagseide. Die 
erstere wird aus der besten Rohseide,, aus ge 
drehten und duplierten Fäden unter fester Dre 
hung hergestellt. Die zweite besteht aus un 
gedrehten Einzelfäden, wird auch beim Zwirnen 
nur schwach gedreht und ist daher von lockerer, 
weicher Beschaffenheit. Andere Sorten sind 
Nähseide, Strickseide und Stickseide. Der 
Stärke- oder Feinheitsgrad der gezwirnten S. 
wird durch Nummern angegeben, deren Bestim- 
mung (Titrieren) durch Abmessen einer be 
stimmten Zahl von Stab oder Metern und Wägen 
derselben auf einer feinen Wage erfolgt. Da die 
S. aus feuchter Luft rasch Wasser bis zu 20 und 
30 0/0 aufnimmt, ohne doch feucht zu erscheinen, 
wird durch besondere Prüfungsämter, sog. Kon- 
ditionierungs- oder Trockenanstalten, der 
Wassergehalt und wahre Handelswert der Ware 
ermittelt. Die bei der Herstellung der eigent 
lichen, aus langen Kokonfäden zusammengesetz 
ten S. entstehenden Abfälle werden als Florett 
oder Flockseide (frz. Fleuret, Filoselle, engl- 
Floret-silk) zusammengefaßt. Die beste Sorte der 
Florettseide kommt von Doppelkokons, die zweit® 
von den bei dem Abhaspeln übrigbleibenden
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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