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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Senf 
413 
Sennesblätter 
lischer S., Schnabelsenf, Rauken, Rockhelen, 
Rockheit), Sinapis alba, eine einjährige, 6o bis 
120 cm hohe Pflanze mit gelber Blumenkrone, 
wenig behaartem Stengel und steifhaarigen 
Schoten, wächst wild und angebaut in England, 
Holland, Mittel- und Süddeutschland, besonders 
Thüringen, Württemberg und am Rhein sowie 
in Rußland und Kleinasien. Er wird vielfach 
auch mit Dotter zusammen gebaut, und zwar am 
liebsten auf Neubruch und Schlammboden, doch 
auch auf trockenen Bodenarten. Die Pflanze ist 
gegen Kälte weniger empfindlich als Raps, leidet 
aber wie dieser, wenngleich in geringerem Grade, 
von Erdflöhen und sonstigen Schädlingen. Als 
mittlere Ernte rechnet man 14—24 hl Körner 
und 10—is dz Stroh. Abgesehen von der Samen 
gewinnung dient er als Futter für Milchvieh 
sowie zur Gründüngung. Die Samen oder Senf 
körner (lat. Semen sinapis albae, Semen erucae, 
frz. Moutarde blanche, engl. White mustard) be 
sitzen die Form einer Kugel von 1I/2—2V2 mm 
Durchmesser, eine gejbe Farbe und matte Ober 
fläche. Das gelbe Pulver zeigt einen anfangs 
öligen, später brennenden. Geschmack, aber auch 
nach dem Anrühren mit Wasser keinen charak 
teristischen Geruch. 2. Der schwarze, braune 
oder grüne S., Brassica nigra, erreicht eine 
Höhe von 1V2 m und besitzt kurze, dünn- 
geschnäbelte, zweifächerige Schpten mit 4—6 
Samen in jedem Fach. Er wächst in Europa 
und Vorderasien wild und wird im Elsaß, in 
Böhmen, Holland, Belgien, England, Italien, 
Griechenland und Amerika (Kalifornien) an 
gebaut. Die Pflanze gibt um 25 °/o geringere 
Erträge an Samen und Stroh als der weiße Senf, 
eignet sich als Grünfutter und -düngung gar nicht 
und leidet auch sehr durch Samenausfall. Die 
Samen werden hauptsächlich zur Ölgewinnung, 
als Zusatz zu Speisesenf und zu medizinischen 
Zwecken benutzt. Die schwarzen Senfkörner 
(lat. Semen sinapis nigrae, frz. Moutarde noir, 
engl. Mustard seeds) besitzen wie die weißen 
Kugelform, aber weit geringeren (höchstens 
1 mm) Durchmesser und dunkel- bis schwarz 
braune, innen grünlichgelbe Farbe. Die Ober 
fläche erscheint unter der Lupe mit feinen Wärz 
chen besetzt. Das Pulver zeigt, wenn die Schale 
mitgestoßen wurde, eine grünliche, sonst eine 
gelbe Farbe und ist im trocknen Zustande ge 
ruchlos, nimmt aber beim Anrühren mit Wasser 
nach einiger Zeit einen zum Tränen reizenden 
Geruch an. 3. Der russische oder Sarepta 
senf, Sinapis juncea, wird, in Nordafrika, 
China, Indien und im südlichen Rußland, beson 
ders bei Sarepta, stark angebaut. Die hellbraunen 
Samen, die in der Größe zwischen den beiden 
anderen Sorten stehen, werden vor dem Pressen 
entschält und liefern daher hellere Preßrück- 
stände als der schwarze Senf. Das Pulver zeigt 
beim Anrühren mit Wasser den Geruch des 
Senföls. 4. Der Ackersenf (Ackerkohl, Feld- 
Senf, falscher Hederich, gelber Trill), Sinapis 
atvensis, ein einjähriges, weit verbreitetes Un 
kraut, wird in Amerika bisweilen als Zusatz zu 
Speisesenf benutzt. — Die Senfsamen, von denen 
die holländischen am höchsten, die russischen 
at n geringsten bewertet werden, dienen zur Her- 
st ellung von Speisesenf und Senfmehl (s. d.) 
sowie von ätherischem und fettem Öl (s. d.). 
Senfmehl, Speisesenf. Das aus fetthaltigen 
oder entfetteten Samen hergestellte Mehl, das 
beim schwarzen S. meist gröber, beim weißen 
Senf feiner erscheint, findet wegen seines Ge 
haltes an wertvollen Inhaltsstoffen mannigfache 
technische und medizinische Verwendung. Alle 
Senfsorten enthalten beträchtliche Mengen. 28 bis 
300/0, fettes Öl, 27—30 °/o Stickstoffsubstanz, 9 bis 
to°/o Holzfaser und 4—5 °/o Mineralstoffe. Ihren 
scharfen Geruch und Geschmack verdanken sie 
einem schwefelhaltigen Öl, das aber nicht in 
freiem Zustande, sondern in glykosidischer Bin 
dung vorhanden ist und erst bei der Behandlung 
mit Wasser durch das Ferment Myrosin ab 
gespalten wird. Das im schwarzen und Sarepta 
senf vorhandene Sinigrin (myronsaure Ka 
lium), zerfällt unter der Einwirkung des Fer 
mentes in Zucker, Kaliumbisulfat und Allyl- 
senföl. Der weiße Senf enthält einen scharfen, 
aber geruchlosen Stoff, das Sinalbin, das in 
Zucker, saures schwefelsaures Sinapin und Sin 
albinsenföl zerfällt. Das Sinapin ist ein Ester 
des Cholins und der Sinapinsäure. — Zur Dar 
stellung des Speisesenfs (Mostrich) wird das 
entölte oder fetthaltige Pulver des weißen oder 
braunen Senfs mit Essig oder Wein angerührt 
und meist mit verschiedenen Zusätzen, wie 
Zucker, Piment, Nelken und anderen Gewürzen, 
versehen. Eine Beimischung von Mehl und Farb 
stoffen (Teerfarben, Kurkuma) ist ohne Kenn 
zeichnung unzulässig. — Das Mehl des schwarzen 
Senfs findet in ganz oder halb entöltem Zu 
stande als Senfteig, Senfpflaster und Senf 
papier zur Hautreizung vielfache medizinische 
Anwendung. Es muß für diese Zwecke vor 
Feuchtigkeit geschützt und nicht zu lange auf- 
bewahrt werden. 
Senföl. Das durch Auspressen der Senfsamen 
erhaltene fette Öl (lat. Oleum sinapis pingue, 
frz. Huile de moutarde, engl. Mustard seed oil) 
ist gelb bis bräunlichgelb und von mildem Ge 
ruch und Geschmack. Es enthält neben Gly- 
zeriden flüssiger Fettsäuren Behen- und Enika- 
säure. Das spe?. Gew. beträgt 0,915—0,917, die 
Verseifungszahl 170—180. In.dem Öl des schwar 
zen Senfs ist stets Schwefel vorhanden. Fettes 
S. wird als Speiseöl, Brennöl und als Schmier 
mittel verwandt. — Das ätherische S. (lat. 
Oleum sinapis aethereum, frz. Essence de mou 
tarde, engl. Mustard oil) wird durch Destilla 
tion des mit Wasser längere Zeit angerühften 
schwarzen Senfmehls mit Wasserdampf als ein 
farbloses oder gelbliches, dünnflüssiges Öl vom 
spez. Gew. 1,016—1,022 dargestellt. Es besteht 
hauptsächlich aus Schwefe Izyanallyl, SCN . 
C3H5, und kann auch künstlich durch Be 
handlung von Allyljodid mit Rhodankalium er 
halten werden. Das S. besitzt einen scharfen, zu 
Tränen reizenden Geruch, ist giftig und erregt 
auf der Haut Brennen, Rötung und Blasenbil 
dung. Die alkoholische. Lösung (Senfspiritus) 
findet medizinische Anwendung. 
Sennesblätter (lat. Folia sennae, frz. Feuilles 
de sene, engl. Senna leaves), eine als kräftiges 
Abführmittel viel benutzte Droge, sind die Fieder 
blättchen verschiedener Kassia-Arten, strauch 
artiger, zu den Leguminosen gehöriger Ge 
wächse mit paarig gefiederten Blättern, die in 
Ägypten, Abessinien und Arabien auf dürrem
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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