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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
S
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Staubbindemittel 
427 
Stearin 
Werden sowohl zu Trink- wie zu Badekuren 
benutzt. 
Staubbindemittel. Zur Bekämpfung der Staub- 
plage werden verschiedene mehr oder weniger 
brauchbare Erzeugnisse in den Handel gebracht. 
— Die der ersten Klasse angehörenden, die ver 
mittels Sprengwagens auf die Straße aufgetragen 
werden, bestehen aus Emulsionen von Mineral- 
und Asphaltölen mit Wasser, wie Westrumit, 
Antistoff, Standutin, und zwar wird der Zu 
stand der feinen Verteilung durch Zusätze von 
Ammoniak, Kalilauge, Seife oder Mehlkleister 
aufrecht erhalten. — Die zweite Klasse bilden 
die sog. Fußbodenöle, Mineralöle oder Mi 
schungen von Mineralölen und Leinöl, mit denen 
die Fußböden eingefettet werden. — Zu der 
dritten Klasse gehören die sog. Kehrmittel, 
fettig anzufühlende Pulver, die, wie früher an 
gefeuchtete Sägespäne oder Kaffeesatz, vor dem 
Ausfegen auf den Boden gestreut werden und 
so ein Aufwirbeln des Staubes verhindern. Sie 
bestehen entweder wie das sog. Verrin aus Mi 
schungen von Holzschliff mit Talkpulver oder 
Wie das patentierte Bronil aus Mischungen 
von Zement, Sand oder Holzmehl mit Mineral 
ölen. Verschiedene ähnlich zusammengesetzte 
Stoffe, wie Reesil, Perolin, Frottil u. a. sind 
als Nachahmungen des Bronils anzusehen. 
Staufenbrunnen bei Göppingen enthält in 
1000 g nach H. Fresenius (1902): Bikarbonate 
des Natriums 3,7893 g, Lithiums 0,0078 g, Ammo 
niums 0,0031 g, Kalziums 0,3356 g, Bariums 
0,0009 g, Strontiums 0,0009 g, Magnesiums 0,4209 g, 
Eisenoxyduls 0,0144 g, Manganoxyduls 0,0002 g; 
Chlomatrium 0,5702 g; Bromnatrium 0,0014g; 
Jodnatrium 0,00004 g; Sulfate des Kaliums 
0,0536 g, Natriums 0,2378 g; Natriumphosphat 
0,00005 g; Natriumnitrat 0,0131 g; Kieselsäure 
0,0074g; freie Kohlensäure 1,5604g. 
Stearin (lat. Acidum stearinicum, frz. Acide 
stöarique, engl. Stearic acid). Diesen Namen 
führt in der Chemie das Triglyzerid der Stea 
rinsäure, im gewöhnlichen Leben versteht man 
hierunter jedoch den aus Talg und anderen 
Fetten ausgeschiedenen festen, kristallisierbaren 
Kerzenstoff, der seinen chemischen Eigenschaften 
nach eine schwache Säure ist, nämlich die 
Stearinsäure, C 18 H 3e 0 2 , selbst. Die Stearin 
kerzen sind daher richtiger als Stearinsäure 
kerzen zu bezeichnen. Sie bestehen jedoch nie- 
hials aus reiner Stearinsäure, sondern enthalten 
stets noch andere ähnliche Fettsäuren, nament 
lich Palmitinsäure, die ebenfalls ein Bestand 
teil der meisten Fette ist und sich von der 
Stearinsäure durch den niedrigeren Schmelzpunkt 
unterscheidet. Ein Gemisch beider schmilzt noch 
leichter als jeder der einzelnen Stoffe für sich. 
Eie Abscheidung des harten Kerzenstoffes aus 
den Fetten kann nach verschiedenen Verfahren 
ausgeführt werden. Die ursprüngliche Arbeits 
weise, die bei der Verarbeitung von Talg noch 
jetzt in Gebrauch ist, besteht in einer Verseifung 
des Fettes durch Kalk, Zersetzung der Seife 
durch Säure und Trennung der erhaltenen Fett 
säuren durch Pressen, Zur Verseifung dient ein 
kölzerner, mit Rührvorrichtung versehener Bot 
tich in dem ein gewundenes Dampfrohr liegt. 
Eierin wird der Talg durch einströmenden Dampf 
Geschmolzen, darauf das Rührwerk in Gang ge 
setzt und eine Milch aus frisch gebranntem und 
gelöschtem Kalk hinzugesetzt. Die anfangs flüs 
sige Masse wird während des Rührens und 
Kochens immer zäher, und schließlich scheidet 
sich die unlösliche Kalkseife in Klumpen aus. 
Sie ist eine Verbindung der Fettsäuren des 
Talges mit Kalk, während sich nebenbei Gly 
zerin (s. d.) gebildet hat, das in der Flüssigkeit 
gelöst bleibt. Die Verseifung dauert etwa einen 
halben Tag. Die gebildete Kalkseife wird ge 
waschen und die bröcklige Masse zwischen ge 
rieften Walzen in ein grobes Pulver verwandelt. 
In einem mit Blei ausgeschlagenen Dampfbottich 
ohne Rührwerk erwärmt man dann das Seifen 
pulver unter Zusatz von verdünnter Schwefelsäure 
durch Dampf. Die Säure zersetzt die Seife und 
bildet mit dem Kalk Gips, während die frei 
gewordenen Fettsäuren wie ein dünnes Öl oben 
auf schwimmen. Das letztere wird abgezogen, 
durch gründliches Waschen mit immer erneuer 
ten Mengen von Wasser gereinigt und in 
blecherne Kästen gebracht, in denen es zu vier 
eckigen, bräunlichen Tafeln erstarrt. Diese wer 
den in Wolltücher eingeschlagen und abwech 
selnd mit eisernen Platten in hydraulischen 
Pressen einem hohen Druck aufgesetzt. Die 
nicht festen Fettsäuren fließen dabei als ölartige 
Masse größtenteils ab, das Gemenge von Stearin 
säure und Palmitinsäure hingegen hinterbleibt 
glänzend weiß und ganz trocken. An Stelle 
des Kalks wird neuerdings vielfach Magnesia 
angewandt. Zur Verarbeitung von Palm- und 
Kokosnußöl sucht man diesen vor der Ver 
seifung das Olein durch Pressen zu entziehen, 
indem man sie schmilzt, langsam abkühlen läßt 
und auspreßt. — Eine andere, vielfach zur An 
wendung kommende Methode beruht auf der 
Entdeckung, daß sich die Fette nicht nur 
durch Alkalien, sondern auch durch starke 
Schwefelsäure zersetzen lassen. Diese Säure ver 
bindet sich sowohl mit dem Glyzerin als mit 
den Säuren der Fette. Die erstere Verbindung 
ist löslich, die letztere nicht, wird aber durch 
heißes Wasser leicht wieder in freie Schwefel 
säure und freie Fettsäuren zerlegt. Das hierauf 
gegründete neuere Verfahren führt schneller und 
billiger zum Ziele und läßt sich auf alle mög 
lichen Fette bis herab zu dem Seifenwasser der 
Wollspinnereien ausdehnen. Man bringt die Fette 
nebst der Säure in einen eisernen, mit Blei aus 
gelegten Behälter und läßt unter fortwährendem 
Rühren Wasserdampf darauf wirken. Die zer 
setzte Masse wird in einem anderen, großen Ge 
fäße gründlich gewaschen und dann in große 
Destillierblasen gebracht, welche durch freies 
Feuer erhitzt sind, während im Inneren über 
hitzter Dampf durch die Masse strömt. Sobald 
die Temperatur bis auf 300 0 gestiegen ist, destil 
lieren die Fettsäuren mit den Wasserdämpfen 
über, werden in einem Kühler verdichtet und 
fließen als helle Flüssigkeit ab, die weiterhin 
zu einer weißen Masse erstarrt. Die Spaltung 
der Fette in Fettsäuren und Glyzerin kann auch 
durch Anwendung von überhitztem Dampf allein, 
ohne Beihilfe von Schwefelsäure, erfolgen. Das 
S. ist in Tafeln und Täfelchen im Handel, wird 
aber meist in den Fabriken gleich zu Kerzen 
verarbeitet (s. d.). •— Das flüssige Fett, die 
Ölsäure, Stearinöl, Olein (lat. Acidum olei’ni-
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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