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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
T
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Teerfarben 445 Teerfarben 
3. Braunkohlenteer, Bergteer (lat. Pix car- 
bonis, frz. Goudron de lignite, engl. Wood coal 
tar). Obschon jede Braunkohle T. liefert, be 
nutzt man doch zur Paraffingewinnung nur die 
jenigen Sorten, die reich an Pyropissit (vgl. 
Paraffin) sind. Der Braunkohlenteer ist eine 
dicke, dunkelbraune, übelriechende Flüssigkeit, 
die nur wenig Kresol und Phenol, dagegen haupt 
sächlich Paraffin und flüssige Kohlenwasserstoffe 
der verschiedensten Art enthält. Die leichter 
flüchtigen Bestandteile werden unter dem Namen 
Photogen, die schwerer flüchtigen als Solaröl 
verkauft. Der Rückstand von der Destillation 
des Braunkohlenteers ist der Braunkohlen 
asphalt oder das Braunkohlenteerpech. Die 
Ausbeute an Braunkohlenteer ist sehr verschie 
den und schwankt zwischen 6 und 25%. •— 
4. Der Steinkohlenteer (lat. Pix lithanthracis 
seu carbonis. frz. Goudron d'houille, engl. Coal 
tar) wird in bedeutenden Mengen bei der Er 
zeugung' von Leuchtgas aus Steinkohlen als 
Nebenprodukt erhalten und dient zur Gewin 
nung zahlreicher wertvoller Bestandteile. Er 
bildet eine dicke, schwarze, klebrige, stark be 
täubend riechende Flüssigkeit, die schwerer als 
Wasser und mit diesem nicht mischbar ist. Seine 
wichtigsten- Bestandteile sind Benzol, Toluol, 
Xylol, Kumol, Zymol, Phenol, Kresol, Anilin, 
Toluidin, Xylidin und ähnliche Basen, endlich 
Naphtalin, Anthrazen, Chrysen, Diphenyl, Flu- 
oren, Phenanthren, Fluoranthren und Pyren. Der 
bei der Destillation des Steinkohlenteers hinter 
bleibende Rückstand erstarrt beim Erkalten zu 
einer harten, schwarzen Masse von muscheligem 
Bruch, dem St einkohlen teerpech oder Stein 
kohlenasphalt, dem Rohstoff zur Herstellung 
von Dachpappen und Asphaltfußböden. — 
5. Animalischer Teer (tierischer Teer, 
Franzosenöl, Hirschhornöl, lat. Oleum ani 
male foetidum, frz. Huile animale, engl. Animal 
oil) wird durch trockene Destillation von Kno 
chen, Haut, Leder, Horn und anderen tierischen 
Abfällen gewonnen. Er bildet eine außerordent 
lich übelriechende, dunkelbraune, ölige Flüssig 
keit, die eine große Zahl stickstoffhaltiger orga 
nischer Basen und Kohlenwasserstoffe enthält. 
Man- verwendet das Tieröl in der Tierheilkunde 
gegen Räude der Schafe, zum Fernhalten von 
Insekten in der heißen Jahreszeit, zum Vertreiben 
von Hamstern, Kaninchen usf. Die aus dem 
Tieröl durch Rektifikation erhaltenen, leichter 
flüchtigen Teile bilden eine gelbliche, an der 
Luft sich dunkler färbende Flüssigkeit, die unter 
dem Namen Dippels öl, gereinigtes Tieröl 
(lat. Oleum animale aethereum, Oleum animale 
Dippelii, frz. Huile animale volatile ou Huile de 
Dippel, engl. Volatil animal oil) medizinisch als 
krampfstillendes Mittel Verwendung findet. 
Teerfarben (Anilinfarben) nennt man die 
große Zahl der aus den Bestandteilen des Stein 
kohlenteers (s. Teer) gewonnenen, im weiteren 
Sinne aber auch allekünstlich hergestellten organi 
schen Farbstoffe überhaupt. Sie alle enthalten 
mindestens eine ringförmige Atomgruppe (Ben 
zol, Naphtalin, Anthrazen, Chinolin) und überdies 
neben Kohlenstoff und Wasserstoff noch Sauer 
stoff, Stickstoff, Schwefel oder mehrere dieser 
Elemente nebeneinander. Als Ausgangsmateria 
lien kommen besonders die Kohlenwasserstoffe 
Benzol, Toluol, Xylol, Naphtalin, Phenanthren, 
Anthrazen und die sauerstoffhaltigen Phenole und 
Kresole in Betracht, des weiteren aber auch zahl 
reiche von diesen abgeleitete Halogenderivate 
(Benzylchlorid), Nitroverbindungen (Nitrobenzol), 
Sulfosäuren, Aminoverbindungen (Anilin), Diazo 
verbindungen, Hydrazine usw. An Stelle der 
hierdurch gegebenen Unterscheidung in Benzol-, 
Toluol- usw. Farbstoffe teilt man die T. neuer 
dings auf Grund ihrer chemischen Konstitution 
z.B.nach Möhlau und Eucherer in folgende 
Gruppen ein: 1. Nitro- und Nitrosophenol- 
farbstoffe, 2. Azofarbstoffe, 3. Pyrazolon- 
farbstoffe, 4. Di- und Triphenylmethan- 
farbstoffe, 5. Xanthenfarbstoffe, 6. An- 
thrazenfarbstoffe, 7. Oxychinonfarbstoffe 
der Benzol- und Naphtalinreihe, 8. Para- 
chinoniminfarbstoffe, 9. Azinfarbstoffe, 
10. Oxazinfarbstoffe.n.Thiazinfarbstoffe, 
12. Thiazolfarbstoffe, 13. Schwefelfarb 
stoffe, 14. Pyridin-, Chinolin- und Akri 
dinfarbstoffe, 15. Indigo- und Thioindigo- 
farbstoffe. Die einzelnen Gruppen sowie ihre 
wichtigsten Vertreter sind in besonderen Ab 
schnitten besprochen. — Nach ihrem verschiede 
nen Verhalten zu den Geweben und Gespinst 
fasern unterscheidet man weiter homochrome, 
heterochrome und Pigmentfarbstoffe. Die 
ersteren, welche direkt ohne Beize färben, zer 
fallen in drei Unterabteilungen: a) Basische 
Farbstoffe, die Wolle in wäßriger Lösung ohne 
jeden Zusatz, Baumwolle aber erst nach vor 
herigem Beizen mit Tannin und Metallsalzen 
färben und daher auch Tanninfarbstoffe genannt 
werden. Bei ihnen ist die Base des Salzes die 
färbende Ursache, b) Saure Farbstoffe, die 
Wolle in einem Bade aus Säuren oder sauren 
Salzen, Baumwolle hingegen gar nicht färben. 
Bei ihnen beruht die Farbwirkung auf der Säure 
des Salzes, c) Substantive Farbstoffe, die 
ausnahmslos Baumwolle direkt oder nach Zusatz 
neutraler oder schwach alkalischer Salze, zum 
großen Teile aber auch Wolle im neutralen 
Glaubersalz- oder Kochsalzbade färben. — Die 
Glieder der zweiten Gruppe, die heterochro 
me n F arbstoff e, die alle schwach sauren Charakter 
besitzen und mindestens zwei saure Gruppen 
(Plydroxyl- oder Karboxylgruppen) enthalten, fär 
ben die Faser nicht direkt, sondern erst nach 
der Behandlung mit einer Beize (s. d.), wodurch 
Farblacke entstehen. Zu ihnen gehört besonders 
das Alizarin. — Zu den Pigmentfarb 
stoffen gehören nur verhältnismäßig wenige 
Farbstoffe, welche auf der Faser erzeugt wer 
den, besonders Anilinschwarz, Indigo u. a. — 
Nach einer anderen Einteilung unterscheidet 
man die Farbstoffe auch wohl in substan 
tive, die ohne Beize, und in adjektive, die 
nur mit einer Beize färben. Man findet dann, 
daß sich zahlreiche Farbstoffe gegen tierische 
Fasern (Wolle, Seide) substantiv, gegen Pflan 
zenfaser aber adjektiv verhalten, und daß z. B. 
die basischen Farbstoffe der vorstehenden 
Gruppierung sowohl substantiv als adjektiv sein 
können. Die Herstellung der Teerfarben be 
ginnt mit der Entdeckung des ersten violetten 
Farbstoffs aus Anilin, des Mauveins, durchPerkin 
im Jahre 1856, der bereits drei Jahre später, 1859, 
die Synthese des Fuchsins durch Verguin und 
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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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