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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Z
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Zellulose 
490 
Zement 
Kämme, Billardbälle, Manschetten, Halskragen, 
Schirmgriffe, Pferdegeschirre, photographischer 
Films usw., benutzt worden kann. Besonders 
eigneres sich für künstliche Korallen. Zur Her 
stellung des Z. löst man Dinitrozellulose in ge- 
schmcilzenem Kampfer, indem man mit hydrau 
lischen Pressen einen starken Druck bei einer 
durch Dampf erzeugten Temperatur bis zu 130 0 
ausübt. Die frisch aus den Apparaten kommende 
Masse ist nach dem Erkalten durchscheinend 
und hornartig und wird erst durch Zusatz ver 
schiedener pulverförmiger Stoffe undurchsichtig. 
Die aus Z. gefertigten Gegenstände haben den 
Übelstand, daß sie sich bei Annäherung einer 
Flamme bzw. bei der Vorführung in Lichtspiel 
theatern durch Überspringen elektrischer Funken 
sehr leicht entzünden und dann schnell ver 
brennen. Auch besitzen sie einen schwachen 
Kampfergeruch. Zur Vermeidung des letzteren, 
sowie der Explosionsgefahr hat man zahlreiche 
Ersatzstoffe für Kampfer in Vorschlag gebracht. 
Zellulose (Cellulose, Zellstoff) im chemi 
schen Sinne nennt man die Verbindung von 
der Zusammensetzung der Kohlenhydrate, C 6 . 
H 10 O 6 , die entweder für sich allein oder im Ge 
menge mit anderen Stoffen die Wandung der 
Pflanzenzellen bildet. In reinem Zustande und 
"geringerer Menge findet sie sich in den jungen, 
zarten Geweben, reichlicher in älteren, harten 
Pflanzenteilen, wie den Stämmen der Bäume, 
dem Stroh und den Steinfrüchten. Zur fabrik 
mäßigen Darstellung der Z. geht man meist von 
dem Holze aus, das aber mit erheblichen Mengen 
Lignin inkrustiert ist und daher einer chemi 
schen Behandlung unterworfen werden muß. Nach 
dem älteren sog. Natronverfahren wird das 
von der Rinde befreite und in Scheiben geschnit 
tene Holz in schmiedeeisernen Kesseln bei 6—10 
Atmosphären Druck 2—3 Stunden lang mit 
8 0/0 iger Natronlauge gekocht, darauf nach dem 
Ablassen der braunen Lauge mit Wasser ge 
waschen und schließlich im Bleichholländer ge 
bleicht. Eine wesentliche Verbesserung bedeutete 
das von A. Mitscherlich u. a. ausgearbeitete 
Sulfit-Zellulose-Verfahren, das auf der Be- 
handlüng des in Scheiben geschnittenen Holzes 
mit einer sauren Kalziumsulfitlösung beruht. Die 
erforderliche Sulfitlauge wird von den Z.-Fabriken 
selbst durch Einwirkung von schwefliger Säure 
auf Kalziumkarbonat und Wasser in auffallenden, 
turmartigen Anlagen hergestellt und dann in 
die verbleiten Kochapparate geleitet, in denen 
sich das bereits vorher gedämpfte Holz befindet. 
Man erhitzt bei etwa drei Atmosphären Druck 
längere Zeit (1—2 Tage) auf 108—118 0 und 
wäscht dann mit Wasser aus. Neuerdings hat 
man auch mit Erfolg versucht, Z. mit Hilfe der 
Elektrolyse zu gewinnen, indem man das Holz 
in Kochsalzlösung bringt und den elektrischen 
Strom hindurchleitet. — Neben dem Holz hat 
nur noch das Espartogras eine gewisse Be 
deutung für die Plerstellung von Z., für die es 
meist mit einem Gemisch von Magnesia und 
wäßriger schwefliger Säure unter Druck gekocht 
wird. — Die reine Z. zeigt unter dem Mikroskope 
noch das pflanzliche Gefüge und im polarisierten 
Lichte Doppelbrechung. Sie löst sich nur in 
konzentrierten Säuren und Chlorzinklösung, 
worauf die Herstellung von künstlichem Perga 
mentpapier (s. d.) beruht, und besonders leicht in 
Schweizers Reagens (Kupferoxydammoniak). 
Aus der letzteren Lösung wird sie durch Wasser, 
Säuren und Salze in Form amorpher Flocken 
ohne irgendwelche Andeutung von pflanzlichem 
Aufbau ausgefällf. Z. bildet den wichtigsten 
Rohstoff zur Herstellung billigerer Papiere. 
Zement. Unter dem Namen Z. versteht man 
teils fertigen Wassermörtel, teils Stoffe, die 
als Zuschläge dem gewöhnlichen Luftmörtei die 
Eigenschaft verleihen, unter Wasser steinartig zu 
erhärten. Wenn ein Kalk wenigstens 8 °/o Ton 
enthält, also zur Klasse der Mergelkalke gehört, 
so verhält er sich beim Brennen und Löschen 
anders als gewöhnlicher Kalkstein. Er bildet 
eine erdiggraue Masse, di© sich mit Wasser wenig 
oder gar nicht erhitzt, und wird als hydrau 
lischer Kalk bezeichnet. Am besten sind hy 
draulische Kalke mit einem Tongehalte von 20 bis 
300/0. Als vorzügliche Zuschläge, die gewöhn 
lichen Kalk in hydraulischen verwandeln, wer 
den seit langer Zeit verschiedene Tonerdesilikate 
benutzt, die vulkanischen Ursprungs, und daher 
von Natur bereits aufgeschlossen sind. Die wich 
tigsten dieser, auch natürliche Z. genannten, 
Mineralien sind die römische Puzzolanerde, 
der neapolitanische Posilippotuff, die San- 
torinerde und der rheinische Traß. Zu den 
künstlichen, durch einen Brennprozeß erhaltenen 
Z. gehören in erster Linie die hydraulischen 
Kalke und der Roman-Z. Zu ihrer Darstellung 
werden natürliche tonhaltige Kalke, wie sie sich 
z. B. am Themseufer finden, bis zur Austreibung 
der Kohlensäure, aber nicht bis zur Sinterung 
gebrannt, so daß sie noch freien Kalk enthalten. 
Die gebrannte Masse wird beim Roman-Z. ge 
mahlen und als ein bräunliches Pulver in den 
Verkehr, gebracht, während sie bei den übrigen 
hydraulischen Kalken durch bloße Behandlung 
mit Wasser zerfällt. Der wichtigste Z., der eng 
lische Portland-Z., der übrigens auch in glei 
cher Güte von deutschen Fabriken hergestellt 
wird, unterscheidet sich von den vorstehenden 
dadurch, daß man natürliche oder künstliche 
Gemische von Ton, Kalkstein oder Kreide bis 
zur Sinterung erhitzt. Gewöhnlich wird das 
geschlämmte Gemisch zu Ziegeln geformt, letz 
tere getrocknet und bis zur anfangenden hellen 
Weißglut gebrannt. Bei zu schwacher Hitze ist 
das Tonsilikat nicht genügend aufgeschlossen, bei 
Überhitzung hingegen teilweise geschmolzen (tot 
gebrannt). Die Steine, die noch porös sein müssen, 
werden fein gemahlen und geben dann ein grün 
lichgraues Pulver, das beim Übergießen mit Salz 
säure gallertartige Kieselsäure abscheidet. Außer 
den bereit^ genannten Stoffen verwendet man zur 
Plerstellung des Portland-Z. eine Reihe von Zu 
schlägen, die teils vor, teils nach dem Brennen 
hinzugesetzt werden, wie Diabas, Eisenerz, Ziegel 
mehl und mit besonders gutem Erfolge Hoch 
ofenschlacke. — Der Z. dient zu Wasserbauten, 
zum Auskleiden von Behältern und zur Her 
stellung von Trögen, Röhren, Ornamenten und 
Fußbodenplatten. Seine Verwendung beruht dar 
auf. daß sich der Kalk mit dem durch das 
Brennen aufgeschlossenen Tone unter der Ein 
wirkung des Wassers zu einem unlöslichen Kaik- 
tonerdedoppelsilikat. vereinigt. Nach der Dauer 
des Festwerdens unterscheidet man den gewöhn-
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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