Full text: Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

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3. Fall: Die Nebenprodukte werden in der eigenen Fabrik 
verbraucht, d. h. wiederverarbeitet oder weiterverarbeitet. 
a) Wird ein Teil des Rohstoffes wiedergewonnen und kann er 
bei der Erzeugung des Hauptproduktes wiederverarbeitet werden, so 
ist sein Wert zum Anschaffungspreis des Rohstoffes von 
den Materialkosten des Hauptproduktes abzurechnen. In dem Beispiel 
S. 91 wurde Anilin I wiedergewonnen; da der Überschuß seiner 
technischen Güte nach vollwertig ist, so wird er zum Einkaufs 
preis eingesetzt und abgerechnet. Andere Betriebe berechnen den 
Marktpreis. 
Ist der Abfall an Rohstoffen infolge des Arbeitsprozesses g e - 
ringwertiger geworden, dann ist der Einkaufswert mit einem vom 
Betriebsleiter zu bestimmenden Abschlag anzurechnen. Würde z. B. 
das wiedergewonnene Anilin I vor seiner Wiederverwendung einem 
Reinigungsprozeß zu unterwerfen sein, dessen Kosten etwa 15 Pfg. 
für 1 kg betragen, dann wäre es unrichtig, 8519 kg zu Mk. 1,40 oder 
zu Mk. 1,55 (d. i. Einkaufswert -|- Kosten) von den Materialkosten in 
Abzug zu bringen. Das minderwertige Nebenprodukt ist mit 
Mk. 1,25 anzurechnen. Dadurch werden allerdings die Produktions 
kosten des Hauptproduktes erhöht. Das ist an sich logisch. Eine 
Wertminderung muß ebenso wie eine Wertzerstörung den Erzeugungs 
kosten des betr. Fabrikates zur Last geschrieben werden. 
ß) Die Abfälle des einen Betriebes bilden Rohstoffe für einen 
anderen, d. h. die Nebenprodukte werden im eigenen Betrieb weiter 
verarbeitet. Ein Beispiel geben die vorstehenden Tabellen I und II. 
Bei der Erzeugung von ß-Rot (Tabelle I) wird Anilin I wieder 
gewonnen (Fall 3 a). Cerise und Marron werden als Nebenprodukte 
neugewonnen; beide Stoffe werden zur Fabrikation von a-Gelb 
(Tabelle II) verwendet. Der Hauptbetrieb ist für seine Leistung an 
den a-Gelbbetrieb — Abgabe von Nebenprodukten — zu erkennen, 
letzterer als Empfänger zu belasten. Welcher Materialwert ist ein 
zusetzen !) ? Der Selbstkostenpreis (Erzeugungspreis, nämlich' Mate 
rialkosten. Anteil an Löhnen und allgemeinen Unkosten) ist kaum 
bestimmbar. Einfacher ist es, den Marktpreis, d. h. den Einkaufs 
wert des Nebenproduktes zugrunde zu legen. Würde der a-Gelb 
betrieb, um bei dem angeführten Beispiel zu bleiben, die beiden 
erwähnten Stoffe einkaufen, so dürfte er nur den Einkaufspreis 
zuzüglich der Bezugsspesen als Materialpreis einsetzen. Dieser 
Einkaufspreis bildet für den ß-Rotbetrieb den Verkaufspreis :■ würde 
dieser Betrieb das Nebenprodukt veräußern, so würde er den Er 
lös, in dem Produktionskosten und Gewinn stecken, seinem Fübri- 
kationskonto gutschreiben. Bei der Anrechnung eines geringeren 
*) Vgl. auch die Ausführungen S. 92 f.
	        
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