Full text : Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

92

3.  Fall:  Die  Nebenprodukte  werden  in  der  eigenen  Fabrik
verbraucht,  d.  h.  wiederverarbeitet  oder  weiterverarbeitet.
a)  Wird  ein  Teil  des  Rohstoffes  wiedergewonnen  und  kann  er
bei  der  Erzeugung  des  Hauptproduktes  wiederverarbeitet  werden,  so
ist  sein  Wert  zum  Anschaffungspreis  des  Rohstoffes  von
den  Materialkosten  des  Hauptproduktes  abzurechnen.  In  dem  Beispiel
S.  91  wurde  Anilin  I  wiedergewonnen;  da  der  Überschuß  seiner
technischen  Güte  nach  vollwertig  ist,  so  wird  er  zum  Einkaufspreis ­
  eingesetzt  und  abgerechnet.  Andere  Betriebe  berechnen  den
Marktpreis.
Ist  der  Abfall  an  Rohstoffen  infolge  des  Arbeitsprozesses  g  e  -
ringwertiger  geworden,  dann  ist  der  Einkaufswert  mit  einem  vom
Betriebsleiter  zu  bestimmenden  Abschlag  anzurechnen.  Würde  z.  B.
das  wiedergewonnene  Anilin  I  vor  seiner  Wiederverwendung  einem
Reinigungsprozeß  zu  unterwerfen  sein,  dessen  Kosten  etwa  15  Pfg.
für  1  kg  betragen,  dann  wäre  es  unrichtig,  8519  kg  zu  Mk.  1,40  oder
zu  Mk.  1,55  (d.  i.  Einkaufswert  -|-  Kosten)  von  den  Materialkosten  in
Abzug  zu  bringen.  Das  minderwertige  Nebenprodukt  ist  mit
Mk.  1,25  anzurechnen.  Dadurch  werden  allerdings  die  Produktionskosten ­
  des  Hauptproduktes  erhöht.  Das  ist  an  sich  logisch.  Eine
Wertminderung  muß  ebenso  wie  eine  Wertzerstörung  den  Erzeugungskosten ­
  des  betr.  Fabrikates  zur  Last  geschrieben  werden.
ß)  Die  Abfälle  des  einen  Betriebes  bilden  Rohstoffe  für  einen
anderen,  d.  h.  die  Nebenprodukte  werden  im  eigenen  Betrieb  weiterverarbeitet. ­
  Ein  Beispiel  geben  die  vorstehenden  Tabellen  I  und  II.
Bei  der  Erzeugung  von  ß-Rot  (Tabelle  I)  wird  Anilin  I  wiedergewonnen ­
  (Fall  3  a).  Cerise  und  Marron  werden  als  Nebenprodukte
neugewonnen;  beide  Stoffe  werden  zur  Fabrikation  von  a-Gelb
(Tabelle  II)  verwendet.  Der  Hauptbetrieb  ist  für  seine  Leistung  an
den  a-Gelbbetrieb  —  Abgabe  von  Nebenprodukten  —  zu  erkennen,
letzterer  als  Empfänger  zu  belasten.  Welcher  Materialwert  ist  einzusetzen ­
  !)  ?  Der  Selbstkostenpreis  (Erzeugungspreis,  nämlich'  Materialkosten. ­
  Anteil  an  Löhnen  und  allgemeinen  Unkosten)  ist  kaum
bestimmbar.  Einfacher  ist  es,  den  Marktpreis,  d.  h.  den  Einkaufswert ­
  des  Nebenproduktes  zugrunde  zu  legen.  Würde  der  a-Gelbbetrieb, ­
  um  bei  dem  angeführten  Beispiel  zu  bleiben,  die  beiden
erwähnten  Stoffe  einkaufen,  so  dürfte  er  nur  den  Einkaufspreis
zuzüglich  der  Bezugsspesen  als  Materialpreis  einsetzen.  Dieser
Einkaufspreis  bildet  für  den  ß-Rotbetrieb  den  Verkaufspreis  :■  würde
dieser  Betrieb  das  Nebenprodukt  veräußern,  so  würde  er  den  Erlös, ­
  in  dem  Produktionskosten  und  Gewinn  stecken,  seinem  Fübrikationskonto
  gutschreiben.  Bei  der  Anrechnung  eines  geringeren

*)  Vgl.  auch  die  Ausführungen  S.  92  f.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.