Full text : Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe

III.  Abschnitt.

Die  Arbeitslüsten.
§  21.  Der  Arbeitslohn  ist  das  Äquivalent  der  gemieteten  menschlichen ­
  Arbeitskraft.  Alle  Preisabmaclnmgen  zwischen  Arbeitgeber
und  Arbeitnehmer  lassen  sich  auf  die  folgenden  Grundformen  zurückführen ­
  :  1.  Stunden-,  Tag-  oder  Zeitlohn,  im  Bergl>au  Schichtlohn
genannt;  2.  Akkord-  oder  Stücklohn;  3.  Prämienlohnsystem;  4.  Gewinnbeteiligung ­
  auf  Grund  einer  Interessengemeinschaft  zwischen
Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer.
Stundenlolm.
Beim  Stunden  lohn  bemißt  sich  die  Geldzahlung  ohne  unmittelbare ­
  Rücksicht  auf  die  Arbeitsleistung  nach  der  Arbeitszeit;
doch  ist  diese  Nichtberücksichtigung  nur  eine  scheinbare.  Arbeitsleistung ­
  und  Arbeitszeit  werden  auch  bei  den  Stundenlöhnen  in
Parallele  gestellt.  Auch  vom  Taglöhner  wird  ein  durch  die  Praxis
bestimmtes  Arbeitsminimum  verlangt.  Der  Stundenlohn  ist  die  Lohnform ­
  des  Handwerkers,  wobei  der  Meister  selbst  das  Arbeitstempo
angibt  und  die  Aufsicht  führt.  Zwischen  Arbeitsmenge  und  Lohn
besteht  nur  eine  lose  Beziehung.  Der  größte  .Vorzug  dieses  Lohnsystems ­
  liegt  in  der  Einfachheit  der  Berechnung.  Ein  Anreiz  zur
Mehrarbeit  fehlt,  das  persönliche  Interesse  am  Arbeitserfolg  ist  gering. ­
  Die  Anwendungsmöglichkeit  des  Stundenlohns  ist  beschränkt.
Er  eignet  sich  für  besonders  gefährliche  Arbeiten  (z.  B.  in  Pulverfabriken, ­
  Sprengarbeiten  in  Bergwerken),  wo  die  Schnelligkeit  der
Arbeit  gefahrbringend  werden  kann;  für  leicht  kontrollierbare,  aber
schwer  messbare  Arbeitsleistungen  wie  Handlangerdienste,  Reinigung,
Transporte;  für  Arbeiten,  die  erstmalig  in  Fabriken  ausgeführt  werden
und  einer  besonderen  Aufsicht  unterliegen;  für  Montage,  Reparaturen,
für  das  Kontrollieren  fertiger  Waren  und  beim  Anreißen  der  Arbeitsstücke, ­
  für  Präzisionsarbeiten  und  überall  da,  wo  die  Nachteile  der
anderen  Lohnsysteme  zu  stark  ins  Gewicht  fallen.
Die  Nachteile  des  Stundenlohns  —  langsames  Arbeiten,  systematisches ­
  Bummeln  —  sucht  man  durch  Fleißprämien  (nicht
A11  e  r  s  prämien)  in  der  Form  von  höheren  Löhnen  für  geschickte
            
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