309
Grü ndungsvoranschlag.
§ 68. Der wirtschaftliche Erfolg einer Unternehmung ist von
der Anlage der Fabrik im einzelnen, im ganzen und von der Durch
führung der Fabrikation abhängig. Deshalb muß bereits der Bau
plan von ökonomischen Gesichtspunkten aus gestaltet werden: die
Möglichkeit späterer Erweiterungen ohne erhebliche Störungen des
Betriebes, zweckmäßige Anordnung der Bäume, insbesondere mit
Rücksicht auf die Aufeinanderfolge der Arbeitsprozesse und unter
Vermeidung überflüssiger Zeitverluste, Wahl der Kraftquelle und
Verteilung der Kraft, Zentralisation oder Dezentralisation des Be
triebes und seiner Hilfsmittel müssen in Betracht gezogen werden.
Schon die Wahl das Ortes der Niederlassung hat auf günstige
Produktionsbedingungen (billiges Terrain, Vorhanden
sein der Bohstoffe und wichtiger Hilfsstoffe, einer Betriebskraft,
Arbeiterverhältnisse des Ortes, Steuern usf.) zu sehen, die Absatz-
verhältnisse (günstige Handelsbeziehungen, gute Verkehrs
straßen, billige Transportmittel, Nähe des Hauptabsatzgebietes u. a.)
zu berücksichtigen. Die Lage des Grundstückes muß unge
störten Betrieb sichern (Arrondierung des Grundstückes, Abwässer
entfernung, Nachbarschaft, Straßen, Hochwasser- und Feüersgefahr
usf.). Es ist klar, daß jede unzweckmäßige Wahl des Ortes und
der Anordnungen der inneren Einrichtungen in der Größe der Selbst
kosten zum Ausdruck kommt.
Der Gründungsplan 1 ) soll dem Unternehmer über die
zukünftige Ertragsfähigkeit seines Unternehmens Auskunft geben;
selbstverständlich ist es stets nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung,
der eine Ildealfabrik, die persönlichen Erfahrungen des Unter
nehmers und anderer sowie die Annahme einer gewissen Stabilität
der einzelnen Bechnungsfaktoren zugrunde liegen. Die meisten Kal-
kulationsimomente lassen sich nicht mit absoluter Sicherheit im voraus
berechnen. Eine Verminderung des Bedarfes, Preissteigerungen von
Betriebsimaterialien und Rohstoffen, technische Verbesserungen, Ent
stehung neuer Konkurrenz u. v. ä. machen die besten Berechnungen
zunichte.
Der Gründungsplan, teilweise ist es ein Betriebs- und Wirt
schaftsplan, hat unter anderem folgende Elemente in das Bereich
seiner Berechnungen zu ziehen:
i. Kapitalbedarf und -Beschaffung 2 ). Die Berechnungen er
strecken sich auf das Anlage- und das Betriebskapital unter Be-
') Vgl. zu diesem Kapitel: Haushofer, Der Industriebetrieb, 2. Aufl., 1904.
Krafft, System der technischen Arbeit. 1902.
’) Vgl. Wolff-Birkenhihl, Die Praxis der Finanzierung, 2. Auf!.,
Berlin 1908; meine Privatwirtschaftslehre, 3. Aufl., Berlin 1921, Technik
der Finanzierung.