VI
Vorrede.,
versprechen gewagt, er wollte vorläufig nur den ersten Band
veröffentlichen.
Der leitende Gedanke des ganzen Unternehmens war
offenbar: nicht eine einzelne Erscheinung des politischen oder
socialen Lebens herauszugreifen, sondern so umfassend als
möglich alle politischen und socialen Regungen in ihrem natür-
lichen Zusammenhang aufzufassen. Schon im Jahr 1875 schrieb
Held gelegentlich in einem Briefe: „Ich habe stets die poli-
tische Seite der socialen Frage im Auge gehabt“; und man
wird sofort bemerken, dass er bei der Darstellung des Wirkens
wesentlich politischer Männer stets den socialen Anschauungen
derselben eifrig nachspürt.
Das Werk sollte eine noch unabgeschlossene Entwicklung
zum Gegenstande haben. Der Verfasser zweifelte daher, ob
es überhaupt möglich sei, sich dabei kühl objectiv als Dar-
steller dessen, was gewesen ist, zu verhalten; seinerseits war
er ‚entschlossen, dies nicht einmal;zu versuchen: er sprach es
offen aus, dass er als Historiker und Politiker zugleich auf-
trete. Und in demselben Gefühl fügte er hinzu: „Ich schreibe
über England —- als Deutscher — für Deutsche.“ —
Die Vorbereitungen zu dem Werke begannen schon früh.
Als erster Schritt dazu ist wohl eine Vorlesung zu betrachten,
die er als Professor in Bonn für das Wintersemester 1874/75
über „Geschichte der socialen und socialpolitischen Bewe-
gungen in den Jetzten hundert Jahren“ ankündigte. Doch ge-
wann er bald die Ueberzeugung, dass er die Bücherschätze
Englands an Ort und Stelle kennen lernen müsse und brachte
die Monate Juni, Juli und August des Jahres 1875 in London
zu. Ein Jahr darauf, im Herbste 1876, stand ihm bereits der
Plan des Ganzen fest.
Im Winter 1876/77 hielt er eine Vorlesung „über sociale
Geschichte Englands“, und in jener Zeit entstand bereits ein
Theil der Beiträge zur Literaturgeschichte, die jetzt im Ersten
Buche vereinigt sind, und zwar jedenfalls die Darstellung
Bentham’s (Cap. 3) und die der Nationalökonomen (Cap. 2).
Die übrigen Theile dieses Buchs sind in der Zeit vom Herbst