Full text: Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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München (Zentralverband) hielt im Mai 1914 ebenfalls Kurse für 
Verteilerinnen ab. 80 Verteilerinnen von 300 nahmen an den Kursen 
teil. Die Kursusstunden wurden den Teilnehmern als Arbeitszeit 
angerechnet. Es wurden folgende Themata, die ich hier wörtlich nach 
den Mitteilungen der „Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" 2 -), 
zitiere, in den Kursen behandelt: 
1. Entstehung und Entwicklungsgeschichte der konsumgenossenschaftlichen 
Organisation unter besonderer Berücksichtigung des Konsumvereins Send 
ling-München. 
2. Vortrag über Warenkunde, Nahrungsmittelfälschungen, Warenverkauf, 
unter spezieller Berücksichtigung der Eigenproduktion des Vereins und 
der Großeinkaufsgesellschaft. 
3. Die Aufgaben der Verkäuferinnen und deren Stellung gegenüber den 
Mitgliedern und den Lagerhaltern. 
4. Belastung und Entlastung, Kassenwesen und Gesetzeskunde. 
Mit diesen Vorträgen war eine Besichtigung des genannten Be 
triebes verbunden. Ueber das Resultat der Kurse wird in beiden 
Fälleti sehr günstig berichtet.^) Inzwischen haben auch noch andere 
Vereine mit Lehrkursen für Verteilerinnen begonnen. 
Ebenso wie die Leiter der Verteilungsstellen sind auch die Ver 
teiler und Verteilerinnen gewerkschaftlich organisiert, und zwar im 
Zentralverband der Handlungsgehilfen, dem ja auch 
heute die Lagerhalter angehören. Mitte 1912 erstreckten sich die 
Tarifverträge des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen für das 
Vertcilungspersonal auf 82 Betriebe, davon waren 4 Kaufhäuser 
und 78 Konsumgenossenschaften. 
In den Jahren 1906/07 versuchte auch dieser Verband einen 
Reichstarif mit dem Zentralverbande deutscher Konsumvereine zu 
vereinbaren. Es ergab sich aber auch hier eine Reihe von Schwierig 
keiten. Der Boden war noch zu wenig vorbereitet für einen so um 
fassenden Tarif. Man mußte sich deshalb vorläufig — und das ist 
auch heute noch der Fall — mit Lokaltarifen begnügen. Bezirks 
tarife sind auch noch nicht zustande gekommen. 
In den Tarifverhandlungen bezüglich Einführung eines Reichstarifs 
spielte u. a. die Festsetzung der monatlichen Umsatzhöhe pro Berteilungsperson 
eine Rolle. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen hatte die Forderung 
23 ) Nr. 23/1914. 
24 ) Eine spezielle Ausbildung der Ladnerinnen für den Betrieb, dem sie 
angehören, haben auch große Privatgeschäfte des Kleinhandels. Ich denke 
dabei an die dauernden Einrichtungen von Verkäuferinnenschulen großer 
Warenhäuser. Allgemein schreitet ja die Ausbildung der Verkäuferinnen fort, 
besonders durch Einführungen von Verkäuferinnenklafsen in den kaufmännischen 
Fortbildungsschulen usw.
	        
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