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Qualitätsangaben usw., zu nennen, die dem Konsumenten schaden.
-Dazu kommt die Unsauberkeit, die nicht überall, aber doch noch in
manchen Betrieben herrscht. Darüber und über die Fälschung von
Waren wissen die Nahrungsmittelämter ihr Teil zu erzählen.
Es sei hier auch auf die Schleuderpreise hingewiesen, die in
vielen Erwerbsgeschäften, nicht nur in den Warenhäusern, als Mittel
der Konkurrenz angewandt werden. Sie bringen die unnatürliche Er
scheinung mit sich, daß der Konsument den einen Artikel unter Selbst
kostenpreis erhält, für den andern aber einen übermäßigen Zuschlag
bezahlen muß.
Vor allen Dingen sind es auch die vielen Mittel der Suggestion,
durch die im Erwerbsgeschäft der Käufer heute benachteiligt wird.
Vielfach liegt es an den geringen Warenkenntnissen der Käufer,
daß sie sich so leicht düpieren lassen. Diese Warenunkenutnis wird
den Käufern bei der zunehmenden Jmitierung von Waren und dem
steigenden Import exotischer Artikel noch verhängnisvoller?)
So sollte es heute, wo die Verhältnisse im Warenvermittlungsver
kehr ganz anders sind als früher, eigentlich selbstverständlich sein, daß
der Konsument seine Bedarfsartikel nicht mehr durch Erwerbsgeschäfte
vermitteln läßt, sondern die Vermittlung selbst in die Hand nimmt
oder doch wenigstens eine scharfe Kontrolle der Erwerbsgeschäfte aus
übt. Die Erwerbsgeschäfte suchen allerdings Abhilfe zu schaffen.
Man hat Einkaufsvereiuignngen gegründet, um trotz der kleinen
Einzelumsätze die Vorteile des Großeinkaufs zu genießen. Mau hat
Rabattsparvereine gegründet, um die Borgwirtschaft — ebenfalls
ein wunder Punkt in der erwerbsmäßigen Warenvermittlung — zu
beseitigen. Aber selbst diese Verbesserungen im Warenvermittlungs
prozeß sind erst Folgeerscheinungen der Konsumvereine. Also gerade
sie beweisen die Notwendigkeit von Konsumgenossenschaften. Im
allgemeinen sind aber die geschilderten Mängel im Warenverkehr der
Erwerbsgeschäfte nach wie vor vorhanden, ja, sie treten zum Teil
immer deutlicher hervor.
Es hat lauge gedauert, bis größere Käufermassen die Notwendig
keit von Konsumgenossenschaften eingesehen haben. Und selbst diese
wurden erst zu Konsumgenossenschaftern, als wirtschaftliche Not sie
dazu zwang. Erst da war die nötige Energie und die rechte Be
geisterung vorhanden, um derartige neue Gebilde ins Leben zu rufen.
b) Eine ganze Reihe von den hier nur angedeuteten Punkten behandelt
ausführlicher Benno Jaroslaw in seinem Buche „Ideal und Geschäft".
Jena 1912.