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europäischer Erzeugnisse in dieser Periode war nur des
wegen möglich, weil die Union immer kaufkräftiger erstarkte,
im übrigen aber die Waren und Erzeugnisse der Alten Welt
oft zu nehmen gezwungen war, weil ungeachtet höchster
Anspannung und glänzendster technischer Ausrüstung die
Industrien des Landes den Heimatsbedarf nicht zu be
friedigen vermochten.
Zu diesem überallhin klar erkennbaren Tatbestand
traten die wuchtigen Erfolge, die Unternehmungslust und
Organisationstalent der Amerikaner in der Erschließung
und Ausnutzung des paradiesischen Naturreichtums des
Landes siegreich davongetragen hatten, und ferner der
Umstand, daß der Export nicht nur hinsichtlich der Ver
wertung der überreichen Mineral- und Bodenschätze und
der Produkte einer ausgedehnten und hochentwickelten
Agrarwirtschaft alle anderen Länder überflügelt hatte, son
dern auch hinsichtlich der Industrieerzeugnisse in einem
zwar erheblich langsameren, aber durchaus zielbewußten
Fortschreiten begriffen schien, und daß er sich, wenigstens
zu Ende des vorigen und zu Beginn des jetzigen Jahr
hunderts, noch dazu geradlinig und ohne Unterbrechung
nach oben fortpflanzte. Alle diese Erscheinungen haben
jene Stimmung gezeitigt, die bei uns, wie überall in der
Welt, in dem Schlagwort „die amerikanische Gefahr“
tönenden Ausdruck gefunden hat. „Ich halte es aber“,
so hob ich in einem meiner vor nahezu zwei Jahren
erstatteten Berichte mit allem Nachdruck hervor, „für
grundfalsch, dieses Schlagwort in Deutschland so vehement
zu pointieren, wie es ohne Unterlaß bei uns geschieht.
Es ist auch, abgesehen von sachlichen Momenten, ein
taktischer Fehler, der uns in der öffentlichen Meinung drüben
unnötig herunterdrückt und der uns klein macht einer
Nation gegenüber, bei der doch — obwohl sich in ihr eine
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