Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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kapitalistischen  Filialbetriebe,  meist  den  unteren  Konsumentenschichten
angehören.  Es  ist  ganz  erstaunlich,  wenn  da  die  Schulden  der
Genossen  für  entnommene  Bedarfsgüter  nur  ca.  1/2«/»  vom  Umsatz
betragen;  dabei  nimmt  der  Prozentsatz  noch  immer  mehr  ab  und
dürfte  allmählich  ganz  oder  nahezu  ganz  verschwinden.  „Eine  Konsumgenossenschaft ­
  ist  keine  Kreditgenossenschaft",  hat  mal  jemand
gesagt.  Will  der  Konsumverein  das  Prinzip  der  Gleichheit  aller
Genossen  hochhalten  —  und  davon  hängt  seine  Existenz  ab  —,  so  darf
er  nicht  einem  Teil  der  Mitglieder  Bedarfsgüter  auf  Kredit  geben,
weil  er  dadurch  die  barzahlenden  Genossen  benachteiligen  würde.  Wo
heute  noch  in  den  Konsumgenossenschaften  das  Barzahlungsprinzip
nicht  streng  durchgeführt  wird,  haben  wir  diese  ungleiche  Behandlung
der  Genossen  vor  uns.  Sie  berechtigt  die  bar  zahlenden  Mitglieder,
gegen  dieses  System  Beschwerde  zu  führen.  Einen  Ausgleich  durch  Ansetzung ­
  verschiedener  Preise  oder  ans  andere  Art  herzustellen,  dürfte
nachteilige  Folgen  für  eine  Genossenschaft  haben.  Im  übrigen  denkt
niemand  an  derartige  Maßnahmen.  Die  Konsumgenossenschaft  wurde
ja  gerade  geschaffen,  um  die  Mißstände  in  der  Bedarfsgüterbeschaffung
  und  damit  auch  die  Borgwirtschaft  zu  bekämpfen.  Ihren  Prinzipien ­
  getreu,  haben  die  Konsumgenossenschaften  eine  Reihe  von  Einrichtungen ­
  und  Maßnahmen  getroffen,  um  diesen  Kampf  durchzuführen. ­
  Die  Einzelheiten  lernten  wir  schon  früher  kennen.
Das  Barzahlungsprinzip  ist  nach  dem  Gesagten  ein  charakteristisches ­
  Merkmal  der  konsumgenossenschaftlichen  Gütervermittlung.
Dagegen  muß  es  nicht  unbedingt  mit  jedem  Filialsystem  verbunden
sein.  Wenn  heute  das  Barzahlungsprinzip  in  allen  kapitalistischen
Filialbetrieben  durchgeführt  wäre,  so  wäre  das  doch  nicht  als  eine
mit  dem  Filialbetrieb  verbundene  notwendige  Erscheinung  anzusehen, ­
  sondern  als  etwas,  das  heute  besteht  und  morgen  wieder  fallen
kann  —  ich  erinnere  an  die  Tendenz  bei  den  Warenhäusern,  von
der  unbedingten  Barzahlung  abzugehen  —,  besonders  dann,  wenn
die  Angestellten  der  Filialbetriebe  stark  am  Unternehmen  interessiert
sind  und  so  die  Neigung  haben,  auf  ihr  eigenes  Risiko  Waren  auf  Borg
zu  geben.  Die  Jnteressierung  der  Angestellten  am  Unternehmen  scheint
in  kapitalistischen  Filialbetrieben  allgemein  zu  werden.
Sehen  wir,  welche  weiteren  Unterschiede  sich  noch  ergeben.
Es  ist  sicherlich  auch  darin  ein  Vorteil  der  konsumgenossenschaftlichen
gegenüber  den  kapitalistischen  Filialbetrieben  zu  sehen,  daß  erstere  bei
der  Errichtung  ihrer  Abgabestellen  nicht  so  sehr  auf  die  Verkehrsstraßen ­
  angewiesen  sind  wie  die  privaten  Filialbetriebe,  die  erst
die  Kundschaft  noch  anziehen  müssen.
            
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