Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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Bon  den  Einkaufsvereinigungen  war  schon  am  Anfang
des  Kapitels  die  Rede.  Auch  auf  die  Einkaufsvereinigungen  kapitalistischer ­
  Filialbetriebe  trifft  das  Gesagte  zu:  Mangel  an  Solidarität ­
  im  Vergleich  zu  den  Einkaufsvereinigungen  der  Konsumgenossenschaften. ­

Man  könnte  auch  hier  die  Frage  stellen,  ob  ein  Lieferant
die  Konsumgenossenschaft  oder  den  kapitalistischen  Filialbetrieb  als
Kunden  vorzieht.  Wenn  beide  große  Abnehmer  sind  und  bar  bezahlen, ­
  könnte  es  ihm  gleich  sein,  sofern  ihm  nicht  der  kapitalistische
Filialbetrieb  lieber  ist,  da  die  Konsumgenossenschaft  Schwierigkeiten
macheil  könnte  wegen  der  Arbeitsbedingungen,  unter  denen  die  zu
liefernden  Produkte  hergestellt  werden  sollen.  Anderseits  aber  wird
dem  Lieferanten  die  Offenheit  des  Betriebs,  besonders  die  juristische
Form  der  Genossenschaft,  mit  der  die  gesetzliche  Revision  verbunden
ist,  angenehm  sein  und  ihm  eine  gewisse  Sicherheit  bieten.  Ob  das
Gesagte  praktisch  wirklich  zutrifft,  vermag  ich  nicht  zu  sagen.
Hirsch  weist  unter  den  volkswirtschaftlichen  Vorzügen  der  Filialbetriebe ­
  auf  die  Auslese  der  besten  Kräfte  in  kapitalistischen
Filialbetricben  hin.  Er  sagt,  daß
„viel  schärfer  und  schneller  als  das  freie  Walten  der  Konkurrenz  das
Eigeninteresse  des  kapitalistischen  Unternehmers  auf  die  Auslese  der  besten
Kräfte  hinwirke.  Diesem  zeigt  ja  die  Statistik  binnen  wenigen  Monaten,
was  den  kleinen  Einzelunternehmern  erst  jahrelange  Leiden  und  Verluste
lehren,  ob  nämlich  der  Geschäftsleiter  tauglich  ist,  und  ob  er  dauernd  das
höchste  leistet''. 6 )
In  der  Konsumgenossenschaft  geht  diese  Auslese  noch  viel  weiter;
denn  sie  erstreckt  sich  auch  auf  die  Leitung  des  gesamten  Unternehmens. ­
  Nicht  Kapitalbesitz  ist  für  die  Wahl  der  Geschäftsleitung ­
  ausschlaggebend,  sondern  Intelligenz.  Das  ist
überaus  wichtig.  Allerdings  wird  mail  entgegenhalten,  daß  das
Eigeninteresse  der  Geschäftsleitung  für  das  Unternehmen  fehle.  Wir
haben  schon  früher  gesehen,  daß  auch  die  Verwaltungsbeamten  der
Konsumgenossenschaften  ein  gut  Stück  Eigeuinteresse  besitzen.  Im
übrigen  wäre  es  möglich,  ähnlich  wie  bei  den  Filialleitern  kapitalistischer ­
  Betriebe  das  Interesse  der  Vorstandsbeamten  für  das  Unternehmen ­
  durch  Gewinnbeteiligung,  Prämien  usw.,  noch  zu  erhöhen.
„Eine  Ersparnis  im  volkswirtschaftlichen  Sinne  bedeutet  auch  die  bessere
Ausnutzung  der  geeigneten  Verkaufslagen,  die  der  Filialbetrieb  durch  die
„Fuugibilisierung  des  Ladeninhabers"  erzielt.  Denkt  mau  sich  dieses  System
allgemein  durchgeführt,  so  würde  stets  ohne  großen  Irrtum  die  Besetzung

6)  Hirsch  a.  a.  O.  S.  279.
            
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